Türkei WikiLeaks veröffentlicht Tausende AKP-Mails

Datenleck in der türkischen Regierung: Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat knapp 300.000 E-Mails der AKP veröffentlicht. Wie brisant das Material ist, ist noch unklar.

Recep Tayyip Erdogan
AP

Recep Tayyip Erdogan


WikiLeaks hat Hunderttausende E-Mails der türkischen Regierungspartei AKP veröffentlicht. Am späten Dienstagabend stellte die Organisation auf Twitter einen Link auf ihre Webseite. Dort können die E-Mails nach einzelnen Begriffen oder Sätzen durchsucht werden. "WikiLeaks veröffentlicht den ersten Teil der AKP-E-Mails", war auf der Seite zu lesen.

Die Datenbank bestehe aus 762 Posteingängen und insgesamt 294.548 Nachrichten. Darunter sind auch Spammails wie diese von einer russischen Adresse: "Do you want to amaze your girlfriend at night?"

Die Nachrichten seien jeweils von Adressen verschickt worden, die der Homepage der AKP zuzuordnen seien. Der Inhalt solcher Mails beziehe sich aber meist nicht auf Interna der Regierung, sondern auf "Beziehungen mit der Welt", also vermutlich auf außenpolitische Themen.

WikiLeaks machte bislang keine weiteren inhaltlichen Angaben, ob in den Mails brisante Informationen auftauchen. Die aktuellste Nachricht wurde der Organisation zufolge am 6. Juli verschickt, die älteste stamme aus dem Jahr 2010. WikiLeaks habe das Material eine Woche vor dem Putschversuch in der Türkei bekommen.

Die Zahl der Menschen, die bei dem gescheiterten Putschversuch ums Leben kamen, hat sich mittlerweile auf 264 erhöht. Bei ihnen handele es sich um 173 Zivilisten, 67 regierungstreue Sicherheitskräfte sowie 24 Putschisten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. 1390 Zivilisten seien verletzt worden.

Obama sprach mit Erdogan über Gülen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Gülen weist die Anschuldigungen zurück.

Das US-Präsidialamt erklärte am Dienstag, Obama habe Erdogan Unterstützung bei der Aufklärung des Putschversuchs angeboten, ihn zugleich aber ermahnt, sich an die in der Verfassung festgehaltenen demokratischen Prinzipien zu halten. Die türkische Regierung habe der US-Regierung elektronisch ein Dossier über Gülen zugesandt. Man warte aber weiter auf ein offizielles Auslieferungsgesuch.

Regierungskritiker in der Türkei müssen indes verstärkt aufpassen, wie sie sich äußern. In mehreren türkischen Städten seien sieben Personen festgenommen worden, die entweder den Putschversuch gelobt oder Erdogan kritisiert hatten. Dies meldete unter anderem "CNN Türk".

Den Festgenommenen werde unter anderem vorgeworfen, mit Einträgen in sozialen Medien "die verfassungsmäßige Ordnung gestört", "Kriminelle gelobt" oder Erdogan beleidigt zu haben. Die Zeitung "Cumhuriyet" berichtete, dass im nordwesttürkischen Tekirdag ein 18-Jähriger nach angeblicher Beleidigung des Präsidenten verhaftet worden sei.

Historische Putschversuche

cte/dpa/Reuters

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