WikiLeaks-Veröffentlichung: USA stellen Manning vor Kriegsgericht

Ihm wird der größte Geheimnisverrat in der Geschichte der USA vorgeworfen. Dafür muss sich Bradley Manning jetzt vor einem Militärgericht verantworten. Dem mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten droht eine lebenslange Haftstrafe.

Bradley Manning bei einer Anhörung im Dezember: 22 Anklagepunkte Zur Großansicht
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Bradley Manning bei einer Anhörung im Dezember: 22 Anklagepunkte

Washington - Es zeichnete sich bereits ab, nun steht fest: Der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning muss sich vor einem Militärgericht verantworten. Wie die US-Armee am Freitagabend mitteilte, billigte sie eine entsprechende Empfehlung der Justiz. Alle 22 von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Anklagepunkte würden an das Militärgericht verwiesen, hieß es.

Dem 24-jährigen Manning wird der größte Geheimnisverrat in der US-Geschichte vorgeworfen. Er soll 700.000 größtenteils geheime Dokumente an die Internetplattform WikiLeaks weitergegeben haben. Zu den 22 Anklagepunkten gehört unter anderem Unterstützung des Feindes. Dafür könnte Manning zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden.

Die Anklagebehörde sprach bei einer Anhörung vor einigen Wochen von erdrückenden Beweisen dafür, dass Manning "konstant, bewusst und methodisch" interne Dokumente aus Computern gezogen habe, um sie dann WikiLeaks zuzuspielen. Die Verteidigung rief zur Milde auf: Durch die Enthüllungen sei kein Schaden entstanden. Daher wären 30 Jahre Haft für den Obergefreiten angemessen.

Die Entscheidung, das Verfahren an ein Militärgericht zu verweisen, traf der Kommandeur des Militärbezirks Washington, Generalmajor Michael Linnington. Als nächster Schritt wird nun ein Militärrichter ernannt. Dieser werde die Daten für die Verlesung der Anklage, den Beginn der Anhörungen sowie des eigentlichen Prozesses festsetzen, erklärte die US-Armee weiter.

WikiLeaks hatte die Unterlagen zwischen Juli 2010 und September 2011 massenhaft ins Internet gestellt. Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Wirbel. Unter den Daten waren zahlreiche geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und Afghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche Depeschen des US-Außenministeriums. Für die USA war die Veröffentlichung eine Blamage.

Der Obergefreite Manning soll die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben. Im Mai 2010 wurde der Obergefreite auf seinem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen. Laut den Ermittlern wurden auf Mannings Computern Kontaktdaten zu WikiLeaks-Mitgründer Julian Assange und zahlreiche militärische Dokumente gefunden.

siu/AP/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 379 Beiträge
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1.
niska 04.02.2012
Zitat von sysopIhm wird der größte Geheimnisverrat in der Geschichte der USA vorgeworfen. Dafür muss sich Bradley Manning jetzt vor einem Militärgericht verantworten.*Dem mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten droht eine lebenslange Haftstrafe. WikiLeaks-Veröffentlichung: USA stellen Manning vors Kriegsgericht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813303,00.html)
Selbst der Verteidiger fordert 30 Jahre. Nicht zu fassen. Da soll ein Exempel statuiert werden. Wenn der Enthüller von Kriegsverbrechen mindestens 30 Jahre bekommt, was haben denn dann z.B. die Helikopterpiloten bekommen, die fröhliche Hatz auf Journalisten gemacht haben? Bronze Star?
2.
lorberost 04.02.2012
in relativ kurzer Zeit werden sich alle Verhältnisse auf diesem Planeten grundlegend ändern - es wird, nach ein paar heftigen Jahren der Wirrnisse, gerechter und friedlicher zugehen hier. Egal, wievile Jahre Manning auch ausfassen wird, er wird nicht alles absitzen müssen. Und - er ist jetzt schon ein Held.
3.
kuddel37 04.02.2012
Zitat von sysopIhm wird der größte Geheimnisverrat in der Geschichte der USA vorgeworfen. Dafür muss sich Bradley Manning jetzt vor einem Militärgericht verantworten.*Dem mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten droht eine lebenslange Haftstrafe. WikiLeaks-Veröffentlichung: USA stellen Manning vors Kriegsgericht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813303,00.html)
Ist halt der US-Schurkenstaat. Erbärmlich für Deutschland sowas als Verbündete zu bezeichnen.
4. ein Exempel muss sein
keinideologe 04.02.2012
Die Taten des Manning - so sie ihm denn nachgewiesen werden können - sind ein solcher Vertrauensbruch gegenüber seinem Dienstherrn, dass eine geringe Bestrafung nicht in Frage kommt. Er hat Informationen aus dem Innersten einer Regierung an die Öffentlichkeit gebracht. Er hat Informaten in aller Welt bloßgestellt. Damit hat er diese diskreditiert und als Quelle disqualifiziert. Viel schlimmer aber ist, dass er sie für Racheaktionen exponiert hat. Ein Staat muss solche Informationen unter allen Umständen schützen. Als Soldat unterliegt er der Militärjustiz. Das wusste er vorher. Alles was kommt hat er - wenn er es war - verdient. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn er kein Regierungsbediensteter wäre, z.B. Journalist. Ebenso wäre es zu rechtfertigen gewesen, wenn er Korruption oder anderes Fehlverhalten seiner Regierung offenbart hätte.
5. Die Causa Manning
Koana 04.02.2012
Zitat von niskaSelbst der Verteidiger fordert 30 Jahre. Nicht zu fassen. Da soll ein Exempel statuiert werden. Wenn der Enthüller von Kriegsverbrechen mindestens 30 Jahre bekommt, was haben denn dann z.B. die Helikopterpiloten bekommen, die fröhliche Hatz auf Journalisten gemacht haben? Bronze Star?
entlarvt endgültig den eloquenten Marionettenclown Obahma. Die Realität zeigt, was hinter dem Mann steht - genau dieses primitive, zynische Lächeln der Helikopterpiloten. Good shot!
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