Mutmaßlicher WikiLeaks-Informant: Richterin reduziert mögliche Haftstrafe für Manning

Der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning hat bereits vor Beginn seines Prozesses eine Reduzierung seiner Strafe erhalten. Eine Richterin bescheinigte ihm, unter teils illegalen Bedingungen inhaftiert gewesen zu sein.

Bradley Manning auf dem Weg zu seiner Anhörung: Kritik an Haftbedingungen Zur Großansicht
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Bradley Manning auf dem Weg zu seiner Anhörung: Kritik an Haftbedingungen

Fort Meade - Noch vor Beginn des eigentlichen Prozess hat eine US-Militärrichterin eine mögliche Freiheitsstrafe gegen den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning reduziert. Richterin Denise Lind begründete ihre Entscheidung am Dienstag in Fort Meade mit den "exzessiven" und teils illegalen Haftbedingungen des 25-Jährigen. Ein Uno-Berichterstatter für Folter hatte die Haftbedingungen als grausam und unmenschlich bezeichnet. Bei einer Verurteilung blieben Manning somit 112 Hafttage erspart, was allerdings bei zu erwartenden Höhe der Strafe kaum ins Gewicht fallen dürfte.

Lind wies zugleich den Antrag der Verteidigung ab, wegen der rechtswidrigen Behandlung Mannings in der Untersuchungshaft alle Vorwürfe gegen ihn fallenzulassen. Die Vorwürfe seien "schwerwiegend", erwiderte sie. Mannings Anwalt David Coombs hatte vorgebracht, dass sein Mandant im US-Militärgefängnis Quantico täglich 23 Stunden lang in Einzelhaft und unter strenger Überwachung verbracht habe, um einen möglichen Selbstmord zu verhindern. Zwar nannte es Lind ein "legitimes Interesse" der Regierung, den Selbstmord des Beschuldigten zu verhindern, zugleich bezeichnete sie die Haftbedingungen aber als zu "rigoros".

Selbst zwei Psychiater der US-Armee hatten vor kurzem in Anhörungen ausgesagt, Mannings harte Haftbedingungen in Quantico seien unnötig und gegen ihren medizinischen Rat gewesen. Dem Soldaten war unter anderem die Brille abgenommen worden, um Toilettenpapier musste er bitten. Er durfte nachts keine Unterwäsche tragen und musste auf einer unbequemen Matratze schlafen, die für selbstmordgefährdete Häftlinge konzipiert ist.

Nach seiner Haft dort von Juli 2010 bis April 2011 wurde Manning in ein Gefängnis in Fort Leavenworth in Kansas gebracht. Dort wurde ihm bescheinigt, nicht selbstmordgefährdet zu sein. Danach wurde ihm die normale Häftlingsbehandlung zugestanden.

Im Februar 2012 wurde Manning formell angeklagt. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Manning wird vorgeworfen, geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und inAfghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche Depeschen der US-Diplomatie an die Enthüllungswebseite WikiLeaks weitergegeben zu haben. Er soll die Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben. Der Prozess soll Anfang oder Mitte März beginnen.

ler/AFP/AP

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Voltaire
genugistgenug 09.01.2013
Zitat von sysopAPDer mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning hat bereits vor Beginn seines Prozesses eine Reduzierung seiner Strafe erhalten. Eine Richterin bescheinigte ihm, unter teils illegalen Bedingungen inhaftiert gewesen zu sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wikileaksprozess-richterin-reduziert-moegliche-haftstrafe-fuer-manning-a-876488.html
wie sagte bereits Voltaire: Es ist gefährlich Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. Oder in unserer Zeit;: Es ist gefährlich recht und menschlich zu handeln, wenn die Regierung es nicht tut/ihr nicht passt. und hier noch der Link zu 'I'm a democrat, I'm WikiLeaks' free for democratic use pic wikileaks « 5jahrehartz4 Blog (http://5jahrehartz4.wordpress.com/banner-bilder/picswikileaks/)
2. Die können ja richtig human sein!
Ernesto_de_la_Vita 09.01.2013
Da wird er sich bestimmt gleich besser fühlen. Eigentlich müsste der Rest der Menschheit seine Strafe absitzen........
3. Man muss schon...
mr_luke 09.01.2013
...Hellseher sein um diese Haftverkürzung auch ausführen zu können, Lebenslänglich - 112 Haftage = ?, die spinnen die Amis, hoffen wir mal das sie ihn nicht Lebslänglich wegsperren, denn eigentlich sind andere Schuld und er nur das Bauernopfer wie so oft in der heutigen Zeit.
4. Friedensnobelpreis für Manning
rotertraktor 09.01.2013
Zitat von sysopAPDer mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning hat bereits vor Beginn seines Prozesses eine Reduzierung seiner Strafe erhalten. Eine Richterin bescheinigte ihm, unter teils illegalen Bedingungen inhaftiert gewesen zu sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wikileaksprozess-richterin-reduziert-moegliche-haftstrafe-fuer-manning-a-876488.html
Seit wann halten unbequeme Matratzen jemanden vom Suizid ab? Wäre auch ganz schön gemein, wenn er Selbstmord begehen würde. Dann könnten die Hardliner es nicht mehr genießen, ihn auf dem elektrischen Stuhl schmoren zu sehen. Statt Gefängnis sollte Manning lieber für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen werden. Mit seiner öffentlichen Ächtung des Krieges hat er jedenfalls mehr für den weltweiten Frieden getan als die letzten beiden Friedensnobelpreisträger und Rüstungsexportweltmeister zusammen.
5. zweierlei Mass
Velociped 09.01.2013
Was der UN Beobachter als Folter bezeichnet, nennt die Richterin "rigeros". Wenn die Vorwürfe gegen Manning inhaltlich stimmen, so hat er sich strafbar gemacht. Seine Fotler war illegal und ebenso strafbar. Konsequenzen wird dies für seine Peiniger wohl aber nicht haben.
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