Ex-Frau von Nelson Mandela Winnie Madikizela-Mandela ist tot

Sie war eine Kämpferin gegen das Apartheid-Regime in Südafrika und hielt ihrem damaligen Mann Nelson Mandela die Treue, als der auf Robben Island gefangen gehalten wurde. Jetzt ist Winnie Madikizela-Mandela mit 81 Jahren gestorben.

Winnie Mandela (2017)
AFP

Winnie Mandela (2017)


Winnie Mandela, die Ex-Frau von Südafrikas Freiheitskämpfer Nelson Mandela, ist tot. Die Veteranin des Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika sei im Alter von 81 Jahren gestorben, berichteten südafrikanische Medien am Montag. Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela selbst war 2013 gestorben, er hatte Südafrika als erster schwarzer Präsident von 1994 bis 1999 regiert.

Wegen seines Kampfes gegen die Apartheid verbrachte Mandela 27 Jahre im Gefängnis, bei seiner Freilassung 1990 wurde er von Winnie empfangen. Das Paar hatte sich jedoch während der Gefängniszeit entfremdet und trennte sich 1992, nach 38 Jahren Ehe folgte 1996 die Scheidung.

Die Tochter eines Lehrerehepaares kämpfte viele Jahre an der Seite ihres Mannes Nelson Mandela. Während dessen Haftzeit profilierte sie sich als kompromisslose Gegnerin des weißen Regimes in Südafrika, wurde mehrfach verhört und verhaftet und kam ab 1969 für mehrere Jahre ins Gefängnis, teilweise in Einzelhaft. Sie genoss in dieser Zeit hohes Ansehen auch innerhalb des Afrikanischen National-Kongresses (ANC).

Sie wurde als "Mutter der Nation" des neuen Südafrikas verehrt, galt aber auch als Propagandistin und Populistin. Später war sie auch wegen Skandalen und ihres Auftretens umstritten. Ihr Ruf als Heldin der Apartheidsgegner schwand, als sie sich in den Jahren ab 1985 zunehmend als rücksichtslose Ideologin entpuppte. Sie geriet zunächst unter ANC-Aktivisten durch unbedachte, radikale Äußerungen in die Kritik.

Korruption und Skandale

Ab 1989 kam der Verdacht auf, dass ein von ihr gegründetes Football Team, dessen Mitglieder auch als Winnie Mandelas Leibwächter tätig waren, in Fälle von Kindesmisshandlung, Entführung und Vergewaltigung verwickelt waren. Es kam zum Strafprozess gegen Winnie Mandela wegen Misshandlung von vier Jugendlichen, wobei ein Junge ums Leben kam. 1991 wurde sie zu sechs Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt, dieses Strafmaß wurde 1993 in eine hohe Geldstrafe und fünf Jahre auf Bewährung geändert.

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Als sie dann am 11. Februar 1990 ihren Mann nach 27-jähriger Haft in die Freiheit begleitete, sahen viele in ihr Südafrikas erste schwarze First Lady. Doch Primadonna-Allüren, Affären und Arroganz zerstörten ihre Ehe und ramponierten ihr internationales Ansehen.

Trotzdem gelang Winnie Mandela, mittlerweile von Nelson Mandela getrennt, aber noch nicht geschieden, 1993 durch ihr Engagement in den Townships zunächst ein politisches Comeback und sie wurde Präsidentin der ANC-Frauenliga. Unter Nelson Mandela als Staatspräsident wurde Winnie Mandela stellvertretende Ministerin für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technik. Dort entwickelte sie sich zu einer der schärfsten Kritikerinnen der Regierung ihres Mannes. Sie machte in der Folge Schlagzeilen wegen Korruption, unbezahlter Flugzeugmieten und undurchsichtiger Finanzgeschäfte.

Gönner und Ganoven

Nach der Scheidung nannte sie sich Winnie Madikizela-Mandela und entging nur knapp drohenden Haftstrafen. Ihr Umgang mit Finanzen brachte ihr weiteren Ärger ein und bescherte Legionen von Anwälten Arbeit. Sie pflegte nach Jahren der Entbehrung einen extravaganten Lebensstil mit Luxuskarossen, Villa, Designerkleidern und Leibwächtern. Angesichts der Massenarmut im Lande rügten Kritiker diesen Lifestyle als schamlos. Zum Gespött wurde die Ikone mit der Vorliebe für ausgefallene Brillen und Hüte, als sie einem Richter die Deckung ihrer monatlichen Ausgaben von 72.000 Rand (7200 Euro) erklären musste. Sie habe eben Gönner, die ihr monatlich 55.000 Rand (5500 Euro) zusteckten, meinte sie.

Der Richter reagierte mit Kopfschütteln: "Viele lange Jahre standen Sie an der Seite des beliebtesten und respektierten Staatsmannes der Welt, aber irgendwann ist irgendwo etwas schief gelaufen." Als sie dann alle politischen Ämter niederlegte, gab es nicht nur Tränen zum Abschied: Sie galt in ihrer politischen Heimat, der einstigen Befreiungsbewegung des ANC, schon als Fossil einer vergangenen Ära. 2013 nahm sie Abschied von ihrem Ex-Mann: Zusammen mit Mandelas Ehefrau Graca Machel folgte sie Hand in Hand dem Sarg des Freiheitskämpfers.

cpa/jat/dpa/Reuters/AFP



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