Wirtschaftszone Südkorea sendet Kaesong-Ultimatum an den Norden

Südkorea will neue Verhandlungen über die Sonderwirtschaftszone Kaesong - und versucht es mit einem Ultimatum an den Norden. Bis Freitag soll sich der verfeindete Nachbar rühren, sonst drohen "ernste Konsequenzen". In Kaesong halten sich noch immer knapp 180 Südkoreaner auf.

Südkoreanischer Soldat an der Straße nach Kaesong: Derzeit herrscht Funkstille
AFP

Südkoreanischer Soldat an der Straße nach Kaesong: Derzeit herrscht Funkstille


Seoul - Seit Wochen herrscht Funkstille im Konflikt rund um das Industriegebiet Kaesong. Das Areal liegt zwar in Nordkorea, wurde aber bis vor wenigen Wochen von beiden Staaten betrieben. Nun hat die Regierung in Seoul einen neuen Anlauf gestartet, die verfahrene Situation aufzubrechen. Sie fordert den Norden zu einem Dialog auf.

"Wir bieten offizielle Gespräche zwischen Regierungsbehörden an", sagte der Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul, Kim Hyung Seok. Ganz ohne Druck blieb dieses Angebot jedoch nicht. Sollte Pjöngjang nicht bis Freitag reagieren, müsse Seoul ernsthafte Konsequenzen ziehen, warnte der Südkoreaner Kim.

Damit könnte ein dauerhafter Rückzug aus dem Industriegebiet gemeint sein, in dem 123 südkoreanische Unternehmen normalerweise 53.000 Menschen beschäftigen. Aus Pjöngjang wird eine nicht minder scharfe Antwort auf die Drohung erwartet - bisher hat sich das Regime von Diktator Kim Jong Un jedoch nicht gerührt.

Wegen der massiven Spannungen zwischen den beiden Ländern ist der Zugang zu der Anlage seit dem 3. April gesperrt. Am 9. April zog Nordkorea zudem sämtliche Arbeitskräfte aus dem Gebiet ab, das zehn Kilometer innerhalb des nordkoreanischen Territoriums liegt. Derzeit befinden sich noch 176 der sonst 850 südkoreanischen Mitarbeiter in der Anlage.

Der Rückzug der Nordkoreaner kam überraschend, da Kaesong für den Norden eine wichtige Quelle von Devisen ist. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 war der Industriestandort daher von den Spannungen zwischen den Nachbarn kaum betroffen. Nach der Eskalation des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm scheint nun jedoch auch dieses rare Beispiel einer Kooperation der beiden Nachbarn in Gefahr.

jok/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Unruhe 25.04.2013
1. Zustimmung
Das ist nicht oft der Fall ziegenzuechter, aber diesmal stimme ich voll und ganz zu. Kaesong ist keine gemeinsam geführte Wirtschaftzone, sondern Ausbeute des Südens.
klauswolfgang 25.04.2013
2. Marionetten in Seoul
Genau treffends erfasst, jede Wirtschaftsbeziehung zum Norden ist Ausbeuterei also stopp sämtlicher Witschaftsbeziehungen und damit auch Lebensmittellieferungen. Schließlich sorgt der grosse Führer(Heil Ihn) für sein so großartig technologisch führendes Volk-Im Übrigen auch weg mit dem Regime in Washington, es ist schließlich an allem Übel der Welt inclusive und im Besonderen auch am miesen Wetter in diesem Winter schuld.
ibiza56 25.04.2013
3.
Also klar ist es so, dass die Menschen in der sonderwirtschaftszone zum Teil unter echt verdammt schlechten Bedingungen arbeiten. Der Punkt ist jedoch der, dass sie Geld dafür bekamen, wenn auch nicht viel. Denn im Moment bekommen sie gar keins und das ganze nordkoreanische Volk leidet Hunger während sich die Führung den Bauch voll schlägt. Alleine aus diesem Grund, mal abgesehen von der Bedeutung für den Weltmarkt, die ja riesig ist, sollte man die Zone wieder öffnen
sampleman 25.04.2013
4. Südkorea könnte auch in China fertigen.
Natürlich haben die südkoreanischen Unternehmen, die an Kaesong beteiligt sind, ein Interesse daran, ihre Investitionen zu erhalten. Viel mehr ist es aber nicht. Dort wurden eher geringwertige Konsumgüter hergestellt, die man auch in jedem anderen Billiglohnland der Welt produziert bekommt. Kaesong wurde als Akt der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd ins Leben gerufen. Im Gegensatz zum Verhältnis BRD/DDR haben beide Koreas offiziell nie ihr Bekenntnis zur Wiedervereinigung aufgegeben. Und ich kann mir vorstellen, dass eventuell die BRD auch nicht so viel in der DDR hätte produzieren lassen, wenn vor 30, 40 Jahren bereits China als Billiglohn-Produzent in dieser Qualität zur Verfügung gestanden hätte. Jetzt ist Kaesong schon mal da, und niemand gibt gern Fabrikanlagen auf, die funktionieren und die er bezahlt hat. Aber wirtschaftlich braucht Südkorea den gesamten Norden nicht, es gibt genügend Alternativen in der Region.
drspuck 25.04.2013
5. Ultimatum?
kann es sein, dass der Süden die Wirtschaftszone mehr brauch und mehr profitiert als der Norden? Es würde auch erklären warum der SPON und die ganzen Medien so einen Wirbel um die Wirtschaftszone machen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.