Putins erster Besuch bei Macron Operation Schwamm drüber

Klar, Le Pen wäre ihm lieber gewesen. Das hat Wladimir Putin im französischen Wahlkampf durchblicken lassen. Doch nun ist Emmanuel Macron Präsident - das erste Treffen der beiden dürfte spannend werden.

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Von , Moskau


Wenn Wladimir Putin am Montagmittag auf Emmanuel Macron trifft, schüttelt er einem französischen Präsidenten die Hand, der für den Kreml allenfalls dritte Wahl war. Eigentlich hätte man gern den Konservativen François Fillon oder die Rechtspopulistin Marine Le Pen in diesem Amt gesehen. Letztere erhielt nicht nur einen Kredit über neun Millionen Euro einer russischen Bank, sie wurde von Putin sogar persönlich während des Wahlkampfs - zum ersten Mal überhaupt - empfangen.

Umso mehr überrascht es, dass Macron den russischen Staatschef so schnell eingeladen hat, was in Kreml-nahen Kreisen als Zeichen dafür gewertet wird, dass der französische Präsident nach wie vor zu einem pragmatischen Umgang mit Russland bereit ist.

Gern wird in den staatsnahen Medien nun betont, dass Putin Macrons erster Auslandsgast sei. Ebenso gern wird nun auch daran erinnert, dass Macron für eine Zusammenarbeit mit Moskau im Kampf gegen den Terror geworben hatte und sich damit gegen den damaligen Staatschef François Hollande stellte.

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Putin besucht Macron: Treffen mit der dritten Wahl

Oder, dass Macron im Januar 2016, damals noch als Wirtschaftsminister, bei seinem Moskau-Besuch den Wunsch äußerte, schnell die Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Das Volumen des Warenaustausches zwischen Frankreich und Russland hatte sich da bereits im Vergleich von 2011 und 2015 auf 11,6 Milliarden Dollar halbiert.

Falschmeldungen über Macron

Diese Aussagen hatte man allerdings während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes in Russland wohl vergessen. Macron, ein ausdrücklicher Befürworter der EU, die man im Kreml als Gegner sieht, musste erleben, wie er von zwei vom russischen Staat kontrollierten Medien, dem Nachrichtenportal Sputnik und dem Auslandssender RT, diskreditiert wurde.

Mal verbreiteten sie mittels Interviewpartnern die Behauptung, Macron sei "ein Agent des amerikanischen Bankensystems". Mal veröffentlichten sie Gerüchte über die angebliche Homosexualität des Politikers, bis sich Macron schließlich zu einem Dementi gezwungen sah. Hinzu kamen Hinweise, russische Hacker könnten an dem Cyberangriffe auf Macrons Wahlkampfzentrale beteiligt gewesen sein.

"Ein erstes Kennenlernen"

Putins Besuch ist somit als Versuch eines Neustarts zu werten. Der Kreml bemühe sich, eine neue Seite der Beziehungen aufzuschlagen, wie es der Moskauer Politologe Jewgenij Mintschenko gegenüber dem SPIEGEL ausdrückt. "Ein erstes Kennenlernen", mehr aber auch nicht, sei der Besuch.

Putin wird versuchen, auszuloten, ob er mit Macron Vereinbarungen treffen kann. Noch ist nicht viel bekannt über die Außenpolitik des 39 Jahre jungen Präsidenten, er gilt aber als harter Verhandlungspartner.

Für Moskau ist Frankreich eines der Schüsselländer in Europa. Zumal man sich im Kreml im Klaren sei, dass Angela Merkel wohl noch länger an der Macht bleiben werde, sagt Arnaud Dubien, Leiter des französisch-russischen Analysezentrums L'Observatoire in Moskau, dem SPIEGEL.

Putin mit Merkel, Hollande (Zweiter von rechts) und Petro Poroschenko (rechts)
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Putin mit Merkel, Hollande (Zweiter von rechts) und Petro Poroschenko (rechts)

Eines der Hauptthemen wird der Krieg in Syrien sein. Frankreich hat seinen Einfluss im Nahen Osten verloren, auch weil die Hollande-Regierung glaubte, dass der syrische Diktator Baschar al-Assad gestürzt werden könnte. Russland protegiert Assad und kontrolliert seit Ende September 2015 den Luftraum über Syrien.

Zudem wird Russlands Einfluss in Libyen zur Sprache kommen, gerade absolvierte die russische Marine ein Manöver vor der Küste des Mittelmeerlandes. Putin wiederum dürfte versuchen, Macrons Haltung zum Ukrainekrieg zu erkunden - und inwieweit der französische Präsident wirklich zu einer Lockerung der Sanktionen bereit sein könnte.

Der Ort des Treffens ist mit Bedacht gewählt

Macron hat den Rahmen für das mehrstündig geplante Treffen durchaus geschickt gewählt. Offizieller Anlass der Putin-Visite ist die Eröffnung der Ausstellung in Versailles zum 300. Jahrestag der Reise von Peter dem Großen nach Frankreich. Damit setzt sich Macron zum einen von seinem Vorgänger Hollande ab. Dieser hatte Putin im vergangenen Jahr während der russischen Bombardements auf Aleppo deutlich gemacht, dass er in Paris nicht erwünscht ist.

Zum anderen empfängt Macron Putin nicht an irgendeinem Ort, sondern in Versailles, der Hauptresidenz der Könige bis zum Ausbruch der Französischen Revolution. Der Ort sei von Macron symbolisch bewusst gewählt und zeige dessen Anspruch: "Man könnte es so formulieren: Der neue junge französische König empfängt den heutigen russischen Zaren", sagt Analyst Dubien.

Macron hat dabei einen Vorteil. Wenn er Putin begegnet, hat er nach dem Nato- und G7-Treffen demjenigen Staatschef persönlich (und ausgiebig) die Hand geschüttelt, den sein russischer Kollege schon so lange treffen will: US-Präsident Donald Trump.

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Zusammengefasst: Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron trifft am Montag mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Versailles zusammen. Im Kreml hatte man auf die Wahl Macrons kühl reagiert, zuvor im Wahlkampf auf François Fillon und dann auf Marine Le Pen gesetzt. Macron wurde in russischen Medien diskreditiert. Nun versucht Putin einen Neustart.

insgesamt 30 Beiträge
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peter-11 29.05.2017
1. sehr gut
immer das Gespräch suchen. Der junge Präsident scheint pragmatisch aktiv zu werden. Nach den Störfeuer während des Wahlkampfes ist sein Verhalten schon bemerkenswert.
j.e.r. 29.05.2017
2. Das Schloss Versailles
wurde erst von Louis XIV zum Prunkpalast (auch weil ihm der Louvre Palast in Paris zu gefährlich war) und 1682 Residenz des Königs, bewohnt noch von Louis XV (bis zur Französischen Revolution), und nach der Revolution Wohnsitz von Louis XVI - also nicht "in Versailles, der Hauptresidenz der Könige bis zum Ausbruch der Französischen Revolution". Zusätzlich hatten auch Napoléon, Louis XVIII, Charles X, Louis-Philippe, und Napoléon III den Wohnsitz mindestens teilweise in Versailles.
chilischweiz 29.05.2017
3. gleiche Interessen...
Putin wird Macron's Pläne zur Reformierung der EU/Euro-Zone unterstützen. Sie laufen auf eine verstärkte Finanzierung durch Deutschland hinaus und sind so der Spaltpilz für die Zukunft.
ghdh 29.05.2017
4. Macron ist Realist
Der französische Präsident ist Realist und intelligent und hat erkannt, dass Putin kein Teufel ist und die Zusammenarbeit mit Russland für Europa von Vorteil ist.
Atheist_Crusader 29.05.2017
5.
Zitat von ghdhDer französische Präsident ist Realist und intelligent und hat erkannt, dass Putin kein Teufel ist und die Zusammenarbeit mit Russland für Europa von Vorteil ist.
Stimmt. Aber er bleibt ein gefährlicher Despot, der die Opposition unterdrückt, auf Minderheiten eintritt, andere Länder invasiert und sich in sehr direkt in fremde Politik einmischt. Ich hätte ja auch gerne wieder ein besseres Verhältnis zwischen Europa und Russland, aber dazu ist es eben primär Russland das sein Verhalten ändern muss.
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