Französische Rechtspopulistin Putin empfängt Le Pen in Moskau

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl hat sich Rechtspopulistin Le Pen mit Kreml-Chef Putin getroffen. Man wolle keinen Einfluss auf die Wahl nehmen, erklärte Moskau - doch die Präferenzen sind eindeutig.

Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, Wladimir Putin
DPA

Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, Wladimir Putin


Ein Bild mit Symbolkraft: Wladimir Putin hat die Vorsitzende des rechtspopulistischen Front National (FN), Marine Le Pen, in Moskau empfangen. Es ist das erste Treffen des russischen Präsidenten und der Präsidentschaftskandidatin. In wenigen Wochen beginnen in Frankreich die Wahlen. Putin behauptete, dass Moskau "auf keinen Fall" Einfluss auf die politischen Ereignisse in Frankreich nehmen wolle. "Aber wir behalten uns das Recht vor, mit allen politischen Kräften des Landes zu kommunizieren."

Es sei interessant, sich mit der FN-Chefin über die Entwicklung der bilateralen Beziehungen auszutauschen, sagte Putin nach dem Termin. Sie repräsentiere ein "politisches Spektrum" in Europa, das sich rasch entwickle.

Die EU-Gegnerin Le Pen setzt sich schon lange für gute Verbindungen nach Moskau ein. Anfang des Jahres hatte sie gesagt, die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland sei aus ihrer Sicht nicht illegal. Dafür war sie von der Ukraine kritisiert worden.

Spätestens seit den Vorwürfen einer russischen Einflussnahme auf die US-Wahl gibt es die Befürchtung, Moskau könne versuchen, sich auch in die Präsidentenwahl in Frankreich und die Bundestagswahl in Deutschland einzumischen.

Für Wirbel sorgte jedoch ein Tweet des russischen Senders LifeNews, der zu einem Bild der beiden Politiker offenbar titelte: "Moskau wird Le Pen helfen, Wahlen zu gewinnen". Inzwischen ist der Tweet gelöscht, ein Screenshot davon kursiert aber noch im Netz.

Le Pen bemüht sich um internationales Profil

Vor ihrem Gespräch mit Putin hatte Le Pen bereits Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin getroffen. Dabei schlug sie vor, Geheimdienstinformationen im Kampf gegen Terrorgruppen auszutauschen. Zudem kritisierte sie die EU-Sanktionen gegen Russland. "Meine Position zu den Beziehungen unserer zwei Länder ändert sich nicht, und ich hoffe, dass ich diese Haltung in zwei Monaten vorantreiben werde", sagte Le Pen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete Putins Treffen mit Le Pen als "normale Praxis". Tatsächlich trifft der Kreml-Chef laut Protokoll aber eher den Staats- oder Regierungschef.

Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Le Pens Partei bemühe sich um einen Kredit in Russland. Peskow erklärte, darüber sei nicht gesprochen worden. FN-Vize Florian Philippot sagte dem Sender France Info, die Partei werde für ihre Wahlkampffinanzierung keinen Kredit bei einer russischen Bank aufnehmen.

Der Moskau-Besuch soll der Rechtspopulistin Le Pen jedenfalls helfen, sich öffentlichkeitswirksam ein internationales Profil zuzulegen. Im Februar wurde sie im Libanon von Präsident Michel Aoun empfangen, Anfang dieser Woche reiste sie in den Tschad und traf dort Präsident Idriss Déby Itno.

Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl findet am 23. April statt, eine Stichwahl ist für Anfang Mai vorgesehen. Le Pen liegt zwar laut Umfragen in der ersten Runde der Wahl vorne. In der zweiten Wahlrunde würde sie jedoch derzeit gegen den proeuropäischen Kandidaten Emmanuel Macron verlieren.

vks/dpa/AFP/Reuters



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insgesamt 67 Beiträge
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gersco 24.03.2017
1. Da zeigt sich mal wieder, wie die rechten Ränder in Europa ticken. Petry wird vor Neid zwar platzen, aber in...
...Frankreich wie in Deutschland oder anderswo sollte man sich gut überlegen, ob Protest sich an der Wahlurne so ausdrücken sollte, in dem man seine Stimme nicht nur verschenkt, sondern sich selbst an der Brandstiftung im eigenen Haus aktiv beteiligt. Putin kann das nur recht sein, sein Interesse besteht sowieso u.a. in der Schwächung Europas und in den rechten Radikalen hat er seine willfährigen Erfüllungsgehilfen.
Pixopax 24.03.2017
2. Ist doch gut!
So macht sie sich ein bisschen mehr unwählbar. Eine ziemlich dumme Aktion so kurz vor der Wahl.
humorrid 24.03.2017
3. Marine und der Bonaparte
Ich verstehe nur nicht warum man im Artikel so oft das Wort "Rechtspopulist" einsetzt und auch die Le Pen als "Rechtspopulistin" abtut, ist es jetzt Mode? Die FN ist in den Kommunen bereits sehr stark vertretten und nur weil die Marine bestimmte Sachen etwas geschickter verpackt als ihr Vater wird die Partei und deren Ansichten nicht weniger radikal oder nationalistisch. Oder hat man Angst zuzugeben, dass in Europa inzwischen offen rechte Parteien zur Etablierten gehören? Und Putin ist natürlich für jede Möglichkeit die Beziehungen zu verbessern, im Klartext Sanktionen zu lockern, dankbar und bereit für seine Interessen jeden zu empfangen. Die Ansichten der Le Pen ist für Ihm dabei kein Hindernis. Aber ist es auch für die EU kein Hindernis gewesen bestimmte rechte Kräfte z.B. in der Ukraine zumindest offen zu tolerieren, wenn nicht zu unterstützen. Also die EU und die Politik sind heutzutage ein ... sagen wir mal geschichtlich sehr interessantes und verwobenes Konstrukt.
latimer 24.03.2017
4. Logisch...
... denn beide wollen Europa zerstören. Dass Russland an einem schwachen Europa und einem marginalisierten Frankreich interessiert sein muss, ist klar. Dass die Franzosen glauben, dass es ihnen so besser geht, setzt sich aber doch wohl hoffentlich nicht durch...
Alias_aka_InCognito 24.03.2017
5. Tief gesunken.
Putin galt mal als Hoffnungsträger. Nun empfängt er nur noch rechte Randpolitiker aus Europa - und Seehofer. Russland hätte es haben können, sich in Europa zu integrieren und die amtierenden Staatsoberhäupter Europas zu empfangen und keine rechten Provinzpolitiker, aber man entschied sich, zur Schutzmacht aller Diktaturen und Antiwestler zu werden und selbst eine neue groteske Ideologie der russischen Seele zu etablieren, die auch noch Europa mit einbezieht. Sie wird in der abgemilderten Formulierung "Postwestliches Zeitalter" genannt. Damit dürfte Putin auch den Beschwichtigern, Anhängern und Prorussen die Argumente genommen haben, dass man mit Russland reden und kooperieren müsse, da Russland der Schlüsselstaat für die Zukunft Deutschlands und Europas sei. Postwestliches Zeitalter bedeutet Zersetzung, Infiltration, Subversion und Indoktrination durch russische Propaganda aus allen Poren des Netzes und des Äthers mit dem Zweck der russischen Vorherrschaft und der Vernichtung des Liberalismus, also die Freiheit des Individuums in seinem Geist und Handeln. Das russische Handeln ist daher destruktiv und nihilistisch. Durch die massive Aufrüstung seitens Russland wird auch noch gedroht nach dem Motto "Entweder ihr mögt oder respektiert uns, oder es gibt ein paar in die Fresse". Das typische Handeln eines Halbstarken, der von Minderwertigkeitskomplexen zerfressen ist und damit hadert, nicht gemocht zu werden. Als Folge davon folgt das destruktive und kontraproduktive Handeln.
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