Große Pressekonferenz in Moskau Putin schließt Versöhnung mit Erdogan aus und mag Trump

Wladimir Putin hat nach eigenen Aussagen "keine Hoffnung" auf eine Besserung der Beziehungen mit der Türkei. Der Kreml-Chef unterstellt den USA, Ankara zum Abschuss des russischen Kampfjets angestachelt zu haben.


Wladimir Putin hat kurz vor Weihnachten zu seiner Jahrespressekonferenz geladen. Der Andrang ist groß: 1400 Reporter sind nach Moskau gekommen, viele halten Schilder und Plakate hoch, um auf sich aufmerksam zu machen. Vier Stunden lang soll der Kreml-Chef Rede und Antwort stehen.

"Ich weiß gar nicht, was ich erzählen soll. Alles Wichtige habe ich vor zwei Wochen schon gesagt", sagte Putin zum Auftakt. Deshalb ließ er sich sofort befragen. Zuerst ging es um die Wirtschaft, dann standen die Beziehungen zur Türkei und die Lage in Syrien im Mittelpunkt.

"Der Abschuss des Flugzeugs war ein feindlicher Akt", sagte Putin über den Vorfall Ende November, bei dem die türkische Luftwaffe einen russischen Jet über Syrien abschoss.

Er beklagte sich darüber, dass die türkische Regierung nach dem Abschuss zuerst mit der Nato und erst dann mit der russischen Regierung gesprochen habe. "Wenn wir doch zeigen, dass wir bereit sind zusammenzuarbeiten, warum ist es so schwer, bei Problemen zum Hörer zu greifen? Niemand hat was gesagt, auch nicht über militärische Kanäle."

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Russland: Journalisten feilschen um Putins Gunst
Putin deutete an, dass die USA die Türkei zu dem Abschuss angestachelt habe. "Jemand in der türkischen Führung wollte den Amerikanern in eine bestimmte Stelle kriechen", sagte der Kreml-Chef. Anwesende Journalisten quittierten die Äußerung mit Gelächter.

Im Syrienkonflikt forderte Putin eine friedliche Lösung. Alle Konfliktparteien müssten sich bewegen. Russland werde seine militärischen Aktionen so lange fortsetzen, solange die syrischen Regierungstruppen im Einsatz seien. Der Kreml werde auch die Oppositionskräfte aus der Luft unterstützen, die an der Seite der Truppen von Präsident Baschar al-Assad gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) kämpften.

Putin sagte, er sei nicht sicher, ob Russland in Syrien einen Militärstützpunkt wirklich brauche. Wenn Russland jemanden angreifen wolle, könne es dies auch ohne Stützpunkt tun. Seit den Siebzigerjahren unterhält Moskau eine Marinebasis in der syrischen Mittelmeerstadt Tartus, seit einigen Wochen hat die russische Armee zudem Soldaten und Kampfjets auf einem Flugfeld bei Latakia stationiert.

Er habe kein Interesse daran, den Konflikt mit der Ukraine weiter zu verschärfen, sagte Putin. Er wolle eine Lösung, aber nicht auf Kosten der Menschen in der Ostukraine. Er plane keine Sanktionen gegen die Ukraine, Handelserleichterungen werde es für das Land ab 1. Januar 2016 aber nicht geben.

Putin äußerte sich sehr positiv über Donald Trump, der die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner anstrebt. Trump wolle eine neue Ebene in den Beziehungen zu Russland, und er begrüße das, sagte Putin.

"Er ist ein sehr auffälliger Mann und ohne Zweifel sehr talentiert", lobte der Kremlchef. "So wie es aussieht ist er der große Favorit im Präsidentschaftsrennen."

syd/vek/Reuters



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