Weltkriegsgedenken Serbien erwartet Putin zu Militärparade

Hundert Panzer und neue Raketen: Serbien plant eine große Militärschau - mit Wladimir Putin als Stargast. Für die EU ein Grund zur Sorge.

Russlands Präsident Wladimir Putin
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Russlands Präsident Wladimir Putin


Russlands Präsident Wladimir Putin kommt offenbar zu einer pompösen Militärparade nach Serbien. Das berichtet die serbische Regierungszeitung "Novosti". Mit der Heerschau soll am 11. November an die Opfer und das Ende des Ersten Weltkrieges erinnert werden - mit hundert Panzern und neuen Raketen.

Österreich-Ungarn hatte Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg erklärt. In den folgenden vier Jahren starben fast ein Viertel aller Serben - kein Staat hatte im Ersten Weltkrieg gemessen an seiner Bevölkerung mehr Opfer zu beklagen.

Putins Besuch in Belgrad kann als Signal des russischen Einflusses auf das Land betrachtet werden. Serbien pflegt ein enges Verhältnis zu Moskau. Zugleich will das Land EU-Mitglied werden. Gemeinsam mit den fünf weiteren Westbalkan-Staaten Montenegro, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Albanien und dem Kosovo führt Belgrad mit Brüssel Beitrittsverhandlungen.

Doch die EU blickt skeptisch auf die serbisch-russischen Beziehungen. Das Land hatte in den vergangenen Jahren mehrere Verträge mit Russland und Weißrussland zum Kauf von Militärflugzeugen und Flugabwehrraketen geschlossen. Erst im Oktober schenkte Russland dem Land sechs Kampfflugzeuge.

"Diese Demonstration von Militärkraft in Anwesenheit des Chefs des größten Staates der Erde wird sicher die Nervosität im Westen anheizen", zitierte "Novosti" Funktionäre der heimischen Militärführung. Der Analyst Dragomir Andjelkovic spekulierte ebenfalls in diese Richtung: "Putin auf der Tribüne der Parade wird die Position Serbiens gegenüber den Westmächten stärken."

mje/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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herbert 17.08.2018
1. Wann begreift die EU endlich, dass Serbien immer ein Freund Russland
war und ist. Es ist nahe zu irre Serbien in die EU aufzunehmen und zu glauben, dass man Russland dann abharkt. Serbien mit seinem Militärwahn passt gut zu Russland aber nicht in die EU
kajosch55 17.08.2018
2. Und wenn Putin nicht auf der Gästeliste
stehen würde wahrscheinlich überhaupt keine Meldung wert. Obwohl, mal wieder, an Hirntätigkeit bei serbischen Politikern gezweifelt werden muss. Eine Militärparade zum Gedenken an einen Krieg, den man selbst mit zu verantworten hat, ist mehr als pervers.
karit 17.08.2018
3. Es wäre vermutlich ratsam, keines der Balkanländer ...
... in die EU aufzunehmen. Die Verhandlungen mit der Türkei sollten der Ehrlichkeit halber ganz beendet werden. Das würde viel Geld sparen und die EU als solche wieder glaubhafter machen. Und der Staatsbesuch des Despoten vom Bosporus würde ich ebenfalls absagen. Erstmal auf niedriger zwischenstaatlicher Ebene überhaupt ausloten, was noch möglich ist und dem türkischen Präsidenten nicht so eine Werbung verschaffen!
Schöneberg 17.08.2018
4. Sorge
Also ich würde mir ja eher sorgen machen wegen der Uranmunition, die die NATO dort verschossen hat. Weitaus mehr, als wer da jetzt bei wlecher Parade zuschaut. Wenngleich ich den Sinn und Nutzen solcher Militärparaden stark bezweifle, sind die "Sorgen" der EU doch bei weitem an den Haaren herbeigezogen. In Wahrheit gilt die Sorge nur der eigenen Einflusssphäre.
PeterMüller 17.08.2018
5. Aufnahme der Balkanländer in die EU
Wann wird die EU es eigentlich lernen? Erst sollte mal die EU sich innerhalb seiner selbst darum kümmern, seine Institutionen demokratischer zu machen (EU-Parlament: 1 Stimme eines deutschen Wählers muss soviel Gewicht haben wie 1 Stimme eines maltesischen Wählers, der Regio-Ausgleich könnte über einen EU-Senat laufen), sich neu zu strukturieren und festzulegen, welche Themen die EU bearbeiten soll, welche nicht, und welche dieser EU-Themen dann mit einfacher, mit qualifizierter, mit doppelt--qualifizierter oder nur einstimmig beschlossen werden kann. Dazu eine kurze, knackige Verfassung, über die alle 512 Millionen Bürger der EU abstimmen in jedem einzelnen Land. Dazu Senkung der nationalen Steuern und in gleicher Höhe Einführung einer Steuer auf eine Quelle, über die nur das EU-Parlament entscheidet. Wenn das alles fertig ist, haben Neumitglieder auch die Möglichkeit, sich aktiv und bewusst für die EU zu entscheiden und nicht erstmal Mitglied zu werden, ohne zu wissen, worauf man sich einlässt.
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