Interview Putin kann sich Asyl für Assad in Russland vorstellen

Russlands Präsident Putin hat in einem Interview Syriens Machthaber verteidigt - Assad kämpfe keineswegs gegen die eigene Zivilbevölkerung. Von der Nato fühlt sich der Kreml-Chef in den internationalen Krisen verschmäht.

Kreml-Chef Putin: "Das können wir beweisen"
DPA

Kreml-Chef Putin: "Das können wir beweisen"


Russlands Präsident Wladimir Putin sieht den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad weiter als den legitimen Machthaber in seinem Land an, verlangt aber eine rasche Verfassungsreform. "Assad bekämpft nicht die eigene Bevölkerung sondern diejenigen, die bewaffnet gegen die Regierung vorgehen", sagte Putin in einem Interview der "Bild"-Zeitung. Wenn dadurch auch die Zivilbevölkerung leide, sei dies nicht die Schuld Assads, sagte Putin. Durch die Fassbomben der Regierungstruppen sind Tausende Zivilisten in Syrien ums Leben gekommen.

Seine Parteinahme für Assad bedeute aber nicht, dass in Syrien alles beim Alten bleiben könne, sagte Putin. "Wenn die Stabilisierung des Landes vorankommt, müssen eine Verfassungsreform folgen und danach vorgezogene Präsidentschaftswahlen", forderte der russische Präsident. Seine Unterstützung für Assad begründete er mit der Bedeutung regionaler Stabilität. "Wir wollen nicht, dass Syrien so endet wie der Irak oder Libyen."

Auch die Gewährung politischen Asyls für Assad in Russland schloss Putin nicht aus, nannte die Frage aber verfrüht. "Dafür ist die Zeit noch nicht reif. Aber es war sicherlich schwieriger, Herrn Snowden Asyl in Russland zu gewähren, als es im Fall von Assad wäre", sagte Putin mit Blick auf den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, dem Russland Asyl gewährt hat.

Russland will laut Putin keine Supermacht sein

Die Bundesregierung hatte bereits 2012 die Aufnahme Assads in Russland ins Spiel gebracht, doch hatte Moskau die Idee, ihm Asyl zu gewähren, damals als "Witz" zurückgewiesen. Putin sagte nun, er sei der Meinung, "dass Präsident Assad viel falsch gemacht hat im Laufe dieses Konflikts. Aber dieser Konflikt hätte niemals eine solche Größe gewonnen, wenn er nicht von außerhalb Syriens befeuert würde - mit Waffen, Geld und Kämpfern".

Putin bezeichnete Vorwürfe, russische Luftangriffe in Syrien würden auch moderate Gegner von Machthaber Assad treffen, als Lüge. "Die vermeintlichen Videobeweise für diese Behauptung sind entstanden, noch bevor die russischen Streitkräfte ihren Einsatz überhaupt begonnen hatten", sagte er der "Bild". Und weiter: "Das können wir beweisen, auch wenn es unsere Kritiker nicht wahrhaben wollen."

Die russische Luftwaffe unterstützt seit Ende September die syrische Armee. Nach Putins Darstellung nehmen die Kampfjets dabei die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und mit ihr verbündete Gruppen unter Beschuss. Syrische Aktivisten und die USA bezweifeln dies - und haben Russland jüngst die Bombardierung einer Schule vorgeworfen und die Tötung hunderter Zivilisten vorgeworfen.

Putin will wieder an G8-Treffen teilnehmen

Durch ihr militärisches Engagement im Syrien-Konflikt hat sich die Atommacht Russland trotz harscher Kritik aus dem Westen wieder als zentraler Verhandlungspartner ins Spiel gebracht. Eine Rolle als Supermacht strebe er für den größten Flächenstaat der Erde aber nicht an, erklärte Putin. "Das ist viel zu teuer und unnötig."

Zugleich lehnte der Kremlchef den Begriff "Regionalmacht" vehement ab. Russland liege teils in Europa, grenze im arktischen Ozean an Kanada und sei im Osten Nachbar der USA und Japans. "Wer die Bedeutung Russlands in der Welt trotzdem herabsetzen will, der will in Wahrheit nur sich und sein eigenes Land erhöhen. Das ist ein Fehler."

Gleichzeitig sagte Putin, sein Land wolle gerne wieder mit der Nato zusammenarbeiten. "Gründe und Gelegenheiten gäbe es genug", so der Kreml-Chef im Interview. Aber es sei wie im richtigen Leben: "Eine glückliche Liebe ist nur eine, die erwidert wird. Wenn man nicht mit uns zusammenarbeiten will, na bitte, dann eben nicht."

Der russische Präsident betonte auch seine Bereitschaft, wieder an G-8-Treffen teilzunehmen. Die Treffen "waren alles in allem durchaus nützlich, denn es ist immer gut, alternative Meinungen auszutauschen und Russland zuzuhören". Die G7-Staaten hatten die Teilnahme Russlands an den Treffen ausgesetzt, nachdem es wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland im Frühjahr 2014 zu starken Spannungen gekommen war.

anr/dpa/Reuters/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gott777 12.01.2016
1. Man mag halten
Man mag von Putin und Russlands Politik halten was man mag aber es sieht so aus, als ob man nicht ohne sie den Konflikt in Syrien befrieden könnte. Kaum ein Land der Welt würde Assad aufnehmen, in Russland könnte er wohl weiter frei in Luxus schwelgen. Ohne diese Option wäre er wie ein in die Enge gedrängter Tiger, so gibt es einen möglichen Ausweg.
auweia 12.01.2016
2. Endlich etwas Konstruktives
Mit dieser Bemerkung hat Putin etwas Boden gutgemacht. Die Asylmöglichkeit für Assad wird mMn mehr bewirken als alle Bomben der russischen und alliierten Luftwaffen. Wenn Assad diese Möglichkeit tatsächlich nutzen sollte bevor er gewaltsam entfernt wird sollte von einer Strafverfolgung abgesehen werden.
G-Punkt 12.01.2016
3. russische Wirtschaft stärken
Um eine Supermacht zu sein, sollte er die Wirtschaft Russlands stärken. Er hat zwar die chaotischen Jelzin-Jahre beseitigt, und Dank hohem Öl-Preis auch mal Russland schuldenfrei gemacht. Aber es wurde keine Alternative zu Öl, Gas und Waffen etabliert. Russland muss sogar weiterhin Nahrung importieren.
stefan.putt 12.01.2016
4.
Es hatte nicht zu weit kommen soll, wenn alle miteinander Staat gegeneinander waren. Schon 2012 war Putin's Assad Plan Abgewiesen. War es in 2012 zu ein Abkommen gekommen, war das Flüchtlingskreise möglicherweise nicht passiert. Putin wollte in der NATO in 2013. Abgewiesen. NATO Osterweiterung gegen 2 + 4 Vertrag. War diese anders war es schon möglich das der Ukraine Kreise nicht passiert war.
hans.lotz 12.01.2016
5. Ohne Russland läuft nichts, gar nichts
Das sollte mittlerweile allen Strategen sonnenklar sein. In der Region hat der Westen eine ganze Menge mehr Dreck am Stecken als Putin. Welche Gründe liegen objektiv vor, die gegen eine Zusammenarbeit mit Russland sprechen um wenigstens den grausamen Wahnsinn in Syrien zu stoppen. Wer sind die wirklichen Friedensverhinderer oder Kriegstreiber.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.