Rentenreform in Russland Putin unterzeichnet umstrittenes Gesetz

Die Russen müssen bald länger arbeiten: Präsident Putin hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet, obwohl die Rentenreform für großen Unmut sorgte.

Wladimir Putin
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Die Menschen in Russland müssen künftig fünf Jahre länger arbeiten. Ungeachtet des Unmuts vieler Bürger hat Russlands Präsident Wladimir Putin die umstrittene Rentenreform in Kraft gesetzt. Am Mittwoch unterzeichnete er das Gesetz zur Anhebung des Rentenalters, nachdem das Oberhaus der Vorlage zugestimmt hatte.

Die erste Erhöhung des Rentenalters in Russland seit fast 90 Jahren stößt auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung und hat auch Putins Popularität deutlich in Mitleidenschaft gezogen.

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Russen über die Rentenreform: Wladimir gegen Wladimir

Russlands Oberhaus, der Föderationsrat, verabschiedete die Vorlage am Mittwoch dennoch mit großer Mehrheit. Vergangene Woche hatten bereits die Abgeordneten der Duma die nach anhaltenden Protesten leicht abgemilderten Reformen durchgewunken.

Der russische Präsident hatte sich im August als Reaktion auf die Proteste in einer Fernsehansprache zu der Reform bekannt, aber zugleich eine Abschwächung verkündet.

Viele Russen werden Rentenalter nicht erreichen

Die am ersten Tag der Fußballweltmeisterschaft von Ministerpräsident Dmitri Medwedew präsentierten Rentenpläne sahen ursprünglich vor, das Renteneintrittsalter bei Frauen schrittweise von 55 auf 63 Jahre und bei Männern von 60 auf 65 Jahre anzuheben. In seiner geänderten Fassung sieht das Gesetz nun vor, dass sich das Renteneintrittsalter für Frauen um fünf anstatt acht Jahre erhöht. Frauen mit drei oder mehr Kindern dürfen außerdem früher in Rente gehen.

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Die Anhebung des Rentenalters hatte in den vergangenen Wochen massive Proteste hervorgerufen. Verbunden damit waren Umfrageeinbrüche für Putin. Die Reform dürfte dazu führen, dass viele Männer kaum mehr den Renteneintritt erleben - sie werden in Russland im Durchschnitt nicht älter als 65 Jahre.

In Russland sind die Renten niedrig. Sie sind oft allenfalls ein Zuschuss zum Leben, der älteren Menschen erlaubt weniger zu arbeiten. Laut offizieller Statistik arbeiten 40 Prozent der Rentner, viele aber tun es schwarz. Oftmals üben sie schlecht bezahlte Tätigkeiten als Wachleute oder Putzhilfen aus.

lie/AFP/dpa

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