TV-Fragestunde Putin warnt Ukraine vor Angriffen während der WM

Wenige Tage vor Beginn der Fußball-WM droht Russlands Präsident Wladimir Putin der Ukraine. Sollte es während des Turniers im Osten des Landes Angriffe auf die Separatisten geben, habe das "sehr schwere Folgen".

Wladimir Putin bei der TV-Fragestunde
REUTERS

Wladimir Putin bei der TV-Fragestunde


Nichts soll die große vierwöchige Show in seinem Land stören: Wladimir Putin hat die Ukraine deshalb vor "Provokationen" während der in der kommenden Woche in Russland beginnenden Fußball-WM gewarnt. Der Kremlchef drohte der Regierung in Kiew, falls sie in dieser Zeit militärische Angriffe auf Separatistenstellungen im Osten der Ukraine versuchen sollte.

"Ich hoffe, dass es nicht zu solchen Provokationen kommt", sagte Putin in Moskau bei seiner jährlichen TV-Fragestunde. "Wenn das passiert, wird es, so sehe ich das, sehr schwere Folgen für die ganze ukrainische Staatlichkeit haben."

Die Frage bei der weitgehend inszenierten Show stellte ihm der Schriftsteller Sachar Prilepin, der als Freiwilliger aufseiten der von Russland unterstützten Separatisten kämpft. In dem Konflikt sind seit 2014 mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Offiziell gilt ein Waffenstillstand, der aber von beiden Seiten verletzt wird. Gerade im Mai hatte es verstärkten gegenseitigen Artilleriebeschuss gegeben.

Die Außenminister aus Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine werden am kommenden Montag in Berlin einen neuen Versuch machen, den Stillstand bei der Konfliktlösung zu überwinden.

Zur der TV-Sendung wurden russischen Nachrichtenagenturen zufolge mehr als 1,4 Millionen Fragen eingereicht. Einige andere Statements von Putin aus der Fragestunde:

  • Der Präsident sieht die Wirtschaft des Landes auf einem guten Weg. "Wir haben die Kurve hin zu einem robusten Wirtschaftswachstum in Russland genommen", sagt er. Es sei zwar ein geringes Wachstum, aber es sei auch kein Rückgang.
  • Der Westen betrachte Russland als Bedrohung und als Konkurrenten. Durch einseitige Sanktionen würden aber keine Probleme gelöst. Der Westen wolle durch Strafmaßnahmen und Vorwürfe des Fehlverhaltens die Entwicklung Russland hemmen.
  • Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal sei in Großbritannien nicht mit einem militärischen Kampfstoff vergiftet worden, sagt Putin. Russland wolle an den Ermittlungen beteiligt werden.
  • Zum Militäreinsatz in Syrien zur Unterstützung von Präsident Baschar al-Assad sagte Putin, dass die Truppen so lange dort blieben, wie es im Interesse Russlands sei. Sein Land werde zudem bald weitere Waffensysteme vorstellen. Kurz vor seiner Wiederwahl im März hatte Putin bereits den Ausbau des russischen Atomarsenals angekündigt.
  • Zu einem möglichen Nachfolger im Präsidentenamt äußerte sich Putin nicht. Dies werde das russische Volk entscheiden. Die vierte Amtszeit des 65-jährigen endet 2024. Die Verfassung lässt nicht mehr als zwei Amtszeiten in Folge zu.

Im Video: Gefangen von Separatisten - Die Qualen eines ukrainischen Soldaten

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als/dpa/Reuters



insgesamt 127 Beiträge
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micromiller 07.06.2018
1. Sicherlich verständlich
und nachvollziehbar. Die Ukraine sollte sich zurückhalten und gemeinsam mit der EU eine friedliche Llsung finden.
hk1963 07.06.2018
2. Ich dachte, die Russen hätten damit nichts zu tun
Und in Russland ist schon Werbung für Separatismus schwer strafbar. Russland hat entgegen ausdrücklicher schriftlicher Verträge die territoriale Integrität der Ukraine nicht nur verletzt, sondern sogar zerstört und betreibt dieses Spiel immer noch. Die Verlogenheit der russischen Regierung steht der Verlogenheit der amerikanischen Regierung in nichts nach. Aber die Amis reissen sich wenigstens nicht Teile anderer Länder unter den Nagel.
Riven 07.06.2018
3. Was kümmert es Putin?
Was kümmert es Putin, wie und wann die Ukraine gegen Rebellen auf ihrem eigenen Staatsgebiet vorgeht? Was will Putin machen, wenn die Ukraine sich nicht wunschgemäß fügt? EInen Angriffskrieg beginnen?
bayerns_bester 07.06.2018
4.
"Wenn das passiert, wird es, so sehe ich das, sehr schwere Folgen für die ganze ukrainische Staatlichkeit haben." Soso, er will also damit sagen, dass die russischen Urlauber, die sich versehentlich auf ukrainisches Territorium verirrte hatten, dann dauerhaft ihre Zelte in der Ukraine aufschlagen werden?
arr68 07.06.2018
5. ähm
Eine friedliche Lösung hat Russland aber bisher auch nicht gewollt. Im Moment läuft der Bürgerkrieg auf noch auf die feigste Weise die es gibt, mit Artillerie und Luftangriffen. Beide Seiten gefärden dadurch nur die Zivilbevölkerung.
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