Nach Fiasko in Kanada Putin wirft G7 "Gelaber" vor - und will Trump treffen

Spaltung auf der einen, Annäherung auf der anderen Seite: Russlands Staatschef Wladimir Putin will möglichst bald mit US-Präsident Donald Trump zusammenkommen.

Wladimir Putin in Qingdao
SERGEI CHIRIKOV/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Wladimir Putin in Qingdao


Russlands Präsident Wladimir Putin hat scharfe Kritik an der G7-Gruppe geübt und ein baldiges bilaterales Treffen mit US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen. Er wolle mit Trump zusammenkommen, sobald Washington dazu bereit sei, sagte Putin am Sonntag.

Die Kritik der G7 an seinem Land tat er als "kreatives Gelaber" ab, das nun aufhören müsse. "Ich glaube, nun müssen wir uns den konkreten Fragen einer realen Zusammenarbeit zuwenden."

US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor aus Verärgerung über Äußerungen des G7-Gastgebers Kanada seine Zustimmung zu der gemeinsamen Abschlusserklärung widerrufen. Nach diesem Fiasko erscheint die G7 so gespalten wie noch nie in ihrer Geschichte.

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Bilder aus Kanada: Gipfel mit Nebenwirkungen

Putin äußerte sich vor Reportern im chinesischen Qingdao, wo er ein Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit besuchte. Er sagte dort laut Nachrichtenagentur AP, mehrere Staaten hätten bereits angeboten, Gastgeber eines Treffen zwischen ihm und Trump zu sein - unter anderem Österreich.

Erst eine direkte Unterredung

Russland war 2014 nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen worden, die damit von der G8 zur G7 wurde. Trump hatte sich zum Auftakt des Gipfels in Kanada überraschend dafür ausgesprochen, Russland wieder aufzunehmen.

Chancen auf Erfolg hat der Vorschlag nicht, weil ein solcher Beschluss nur einstimmig fallen kann. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada haben sich offen dagegen ausgesprochen, sollte es in der Ukraine keine Fortschritte geben.

Ein bilaterales Treffen zwischen Putin und Trump bahnt sich schon länger an. Im April hatte der Kreml mitgeteilt, dass der US-Präsident den russischen Staatschef nach Washington eingeladen habe. Die beiden haben sich erst einmal, am Rande des G20-Gipfels 2017 in Hamburg, zu einer Unterredung getroffen.

Innenpolitisch ist das Verhältnis zwischen den USA und Russland ein heißes Thema. Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass Moskau sich durch Hackerangriffe und Propaganda in den Wahlkampf 2016 einmischte. Die US-Regierung verhängte deshalb im März Sanktionen gegen fünf russische Firmen und Organisationen.

Putin lobt US-Nordkorea-Gipfel

Putin kritisierte am Sonntag in Shanghai den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Washingtons Entscheidung könnte sich "destabilisierend" auf die Situation in der Region auswirken, sagte er. Gleichzeitig bekräftigte er, dass Russland sich an das Abkommen halten werde.

Genau wie Deutschland, Frankreich und andere EU-Staaten hatten Russland und China den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran scharf kritisiert.

Den geplanten Gipfel von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur begrüßte Wladimir Putin. Es sei eine positive Entwicklung, dass Pjöngjang, Seoul und Washington die Absicht hätten, sich um eine umfassende Beilegung der Krise zu bemühen.

Russland und China hätten stets die Wichtigkeit von Gesprächen betont, um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu verringern. China habe einen großen Beitrag zur Beilegung der Krise geleistet. In Singapur will Trump das abgeschottete kommunistische Regime Nordkoreas dazu bewegen, vollständig atomar abzurüsten.

lov/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 42 Beiträge
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ttvtt 10.06.2018
1. Bärendienst
der alte Taktiker Putin hat sich mit der Annexion der Krim einen Weg verbaut. Wie frei könnte er jetzt agieren, wenn er die Krim nicht besetzt hielte und im Donbas Krieg führen würde. Russland könnte wirklich einen wichtigen und respektierten Beitrag zur Welt leisten. Aber so wird das nichts.
Cluedo 10.06.2018
2. Trump dilettiert sich durch die Weltpolitik ....
.... klar, dass Putin wenigstens genauso prominent behandelt werden möchte wie der kleine dicke Diktator aus Nordkorea, der darf ja auch zu einem "Gipfel" mit Trump anreisen - so viel Ehre sollte doch auch der Russenzar verdient haben. Er muss allerdings damit rechnen, dass Trump schon auf dem Rückflug alles über den Haufen schmeißt, was verabredet wurde, aber das kennt man ja .... Dass Putin die G7, von denen er ausgeschlossen wurde, herunterputzt, dürfte niemanden überraschen.
HeisseLuft 10.06.2018
3. Na, da haben sich doch zwei gefunden
... auch was die "diplomatische" Ausdrucksweise angeht. Ganz klar zwei aufrechte "Kämpfer gegen das Establishment" und gegen die Oligarchen... Mafiapate und Immobilienhai.
arago 10.06.2018
4. Trump isoliert EU
Erst wird Russland in einer langen Periode systematisch von Europa abgetrennt, dann kommt Trump und verbrüdert sich mit diesem Land gegen die EU. Perfide Logik, gegen die aber die derzeitige politische Dummheit nicht helfen wird.
jfpublic 10.06.2018
5. Jeder für sich
Außer Frau Merkel haben alle erkannt, dass Trump eine historische Chance ist. Wenn Trump mit Putin ein "gutes Gefühl" hat, dann werden die Amerikaner wieder gute Geschäfte mit den Russen machen und wir werden weiter auf Sanktionen pochen; die Italiener reden Trump schon jetzt nach dem Mund und suchen auch Chancen in Russland ... die Engländer ebenso .... jeder für sich. Der risikoloseste Weg für die Europäer (und .v.a für die deutsche Autoindustrie) wäre, wenn die Europäer nur noch über die Institutionen der EU mit den Amerikanern und Russen verhandeln würden -- aber mit der Brüssler Combo ist das nicht wahrscheinlich ein frommer Wunsch.
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