US-Sanktionen gegen Russland Putin wirft Obama Erpressung vor

Die Sanktionen gegen Russland erzürnen Wladimir Putin. Der Kreml-Chef wirft den USA "Erpressungsversuche" vor - und behauptet: Am Konflikt in der Ukraine sei Washington schuld.

Präsidenten Putin und Obama (Archivbild): "Washington hat die Maidan-Proteste aktiv unterstützt"
AFP

Präsidenten Putin und Obama (Archivbild): "Washington hat die Maidan-Proteste aktiv unterstützt"


Moskau - Am Freitag wird Russlands Präsident Wladimir Putin zum Europa-Asien-Gipfel (Asem) in Mailand erwartet. Vorab hat der Kreml-Chef seinen US-Amtskollegen Barack Obama harsch kritisiert. Washington sei gegenüber Russland feindlich eingestellt, klagte Putin in einer Erklärung, die vom Präsidialamt in Moskau veröffentlicht wurde.

"Wir hoffen, unsere Partner begreifen die Rücksichtslosigkeit der Erpressungsversuche gegen Russland", erklärte Putin mit Blick auf die internationalen Wirtschaftssanktionen. Jeder müsse verstehen, dass ein Zerwürfnis zwischen zwei großen Atommächten Folgen für die Stabilität habe. Er warnte vor weiteren Sanktionen. Jeder Versuch, Russland zu erpressen, erschwere nur den Dialog.

Am Konflikt in der Ukraine seien schließlich die USA schuld, behauptete der Kreml-Chef. "Washington hat die Maidan-Proteste aktiv unterstützt und warf Russland vor, eine Krise zu provozieren, als seine Schützlinge in Kiew mit ihrem rabiaten Nationalismus bedeutende Teile der Ukraine gegen sich aufbrachten", erklärte Putin.

Angela Merkel sieht das anders: "Den entscheidenden Beitrag zur Deeskalation muss Russland leisten", sagte die Kanzlerin am Donnerstagmorgen in ihrer Regierungserklärung vor dem Bundestag. Die verhängten Sanktionen seien wichtig, aber auch kein Selbstzweck. "Wir suchen unvermindert immer noch den Dialog mit Russland", versicherte Merkel. "Das eine - Sanktionen - schließt das andere - Dialog - nicht aus."

Fahnenflüchtiger Bundeswehrsoldat soll in der Ukraine kämpfen

Der russische Staatschef soll am Freitag in Mailand mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zusammenkommen, um über eine Lösung des Konflikts in der Ostukraine zu sprechen. "Es hat sich eine echte Gelegenheit aufgetan, die militärischen Konfrontationen, im Grunde einen Bürgerkrieg, zu stoppen", erklärte Putin. Auch ein Treffen von Putin mit Merkel, Renzi, Cameron, Hollande sowie den EU-Spitzen Barroso, Van Rompuy und Mogherini ist für diesen Freitag in Mailand angesetzt.

Trotzdem des vereinbarten Waffenstillstands kommt es immer wieder zu Gefechten in der Ukraine, erst am Mittwoch kamen in Mariupol mehrere Menschen bei den Kämpfen ums Leben. Auch die von der EU beschlossene Verzögerung des Partnerschaftsabkommen mit der Ukraine hat die mit Putin verbündeten Kräfte im Osten des Landes nicht besänftigen können.

Trotzdem rief der Kreml-Chef Kiew zu einem "internen Dialog mit der Beteiligung von Vertretern aller Regionen und aller politischen Kräfte" auf. Am Samstag hatte Putin den Abzug von mehr als 17.000 Soldaten angeordnet, die seit Monaten für Manöver an der Grenze zur Ukraine waren.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich offenbar auch ein deutscher Elitesoldat den prorussischen Separatisten in der Ostukraine angeschlossen hat. Gegen den Fallschirmjäger der Bundeswehr wird wegen Fahnenflucht ermittelt.

syd/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 122 Beiträge
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Wunderläufer 16.10.2014
1. Peinlich - dümmlich
Diese Zuweisungen sind einfach nur peinlich. Zu Zeiten des Kalten Krieges waren solche gegenseitigen Schuldzuweisungen schon gang und gäbe. Auch damals dienten sie dazu, von der eigenen Verantwortung und eigenen Fehlern abzulenken. Seit damals hat sich an diesem Automatismus kein Jota geändert
phisiker 16.10.2014
2. Wenn Putin das behauptet ist es eine Sache
Es wird aber nicht nur behauptet, es ist von verschiedener Seite belegt. Das hat Spiegel schon wieder vergessen.
Holger Barov 16.10.2014
3. Aushaltbar
Putin ist sauer, weil er mit seinen Panzern nicht mehr ungestraft in Nachbarländer einfallen darf. Dabei ist ihm noch nicht aufgefallen, dass die USA ganz andere Prioritäten als Russland haben. Russlands europäische Nachbarländer allerdings, die haben eine feindliche Einstellung - und das ist mehr als verständlich.
godot75 16.10.2014
4. Ist ja klar
Der amerikanische Präsident ist ja traditionell an allem Schuld. Dann natürlich auch an diesem Konflikt...
dippegucker 16.10.2014
5. Na ja, wo er Recht hat...
..., hat er Recht. Daß der SPIEGEL die hinlänglich bekannten Tatsachen im Konjunktiv anführt, ändert auch nichts daran.
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