Putin attackiert USA "Wir haben nicht angefangen"

Der russische Präsident Putin legt in der Debatte um die Schuldfrage im Ukraine-Konflikt nach: Verantwortlich seien die USA, sagte er bei einer Konferenz in Sotschi. Wegen der Sanktionen werde er beim Westen "nicht betteln".

Russlands Präsident Putin: Moskau werde nicht "betteln"
DPA/ MIKHAIL KLIMENTYEV/ RIA NOVOSTI/ KREMLIN POOL

Russlands Präsident Putin: Moskau werde nicht "betteln"


Moskau/Sotschi- Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Ukraine-Konflikt schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben: Die Vereinigten Staaten trügen mit ihrem "einseitigen Diktat" eine große Mitverantwortung an der Lage in der umkämpften Ostukraine. Die "sogenannten" Sieger des Kalten Krieges wollten eine neue Weltordnung, die nur ihnen selbst passe. Seine Rede hielt Putin vor dem Diskussionsforum "Waldai-Club" im südrussischen Sotschi.

Das globale und regionale Sicherheitssystem sei durch den Ukraine-Konflikt geschwächt worden, sagte Putin vor der Versammlung internationaler Politologen. Schuld daran sei jedoch der Westen: "Wir haben nicht angefangen", sagte er. Vielmehr hätten die USA und die Europäische Union die Ukraine durch ihr Handeln ins Chaos gestürzt.

Putin behauptete weiter, dass er keine Wiedererrichtung eines "Imperiums" beabsichtige. Ebensowenig wolle er die Souveränität von Nachbarstaaten untergraben. Anderslautende Behauptungen seien nicht wahr.

Putin will wegen der Sanktionen nicht "betteln"

Russland sei jedoch auch zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges ein starker Staat, sagte Putin weiter. Er werde als Reaktion auf die vom Westen wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen nicht "betteln".

Die von den USA verursachte Eskalation des Konflikts habe, so Putin, auch das Risiko bewaffneter Konflikte zwischen Großmächten erhöht. Er rief zu internationalen Gesprächen darüber auf, unter welchen Bedingungen wie Streitkräfte künftig zum Einsatz kommen sollen.

Russland hatte im Zuge der Krim-Krise zu Jahresbeginn die ukrainische Halbinsel im Schwarzen Meer annektiert. Als sich der Konflikt später auf den Osten der Ukraine ausweitete, waren auch russische Kämpfer an den gewaltsamen Auseinandersetzungen beteiligt. Russland hat stets jede militärische Intervention bestritten.

Die Bundesregierung hatte zuvor deutlich gemacht, dass Russland erst dann mit einer Lockerung der Wirtschaftssanktionen rechnen könne, wenn wesentliche Fortschritte bei der Umsetzung des Ukraine-Abkommens zu verzeichnen seien. Putin hatte erst vor Kurzem die Hoffnungen auf eine baldige Deeskalation des Konfliktes gedämpft: Weder die Führung in Kiew noch die Separatisten in der Ostukraine würden die bisher erzielten Vereinbarungen völlig einhalten, sagte Putin am Rande des Europa-Asien-Gipfels (Asem) in Mailand.

mxw/Reuters/AP



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