Russland und Kroatien Ganz ohne Hass geht es offenbar nicht

Nach dem Sieg über die Sbornaja irritierte Kroatiens Abwehrspieler Vida mit Äußerungen über die Ukraine. In Russland sorgte das für wütende Reaktionen.

Kroatiens Domagoj Vida
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Kroatiens Domagoj Vida

Von Maxim Kireev, Sankt Petersburg


Für die Sbornaja und ihre Fans hätte es trotz des Ausscheidens gegen Kroatien kaum besser laufen können. Ein Team, an das so gut wie keiner geglaubt hat, bewies nicht nur Kampfgeist, sondern auch Nähe zu den Fans. Mit Tränen kämpfend sagte Stürmer Artjom Dsjuba nach dem Spiel, dass das er und seine Mitspieler ihr ganzes Leben davon träumten, das Land stolz zu machen.

Diesen Traum haben sich die Spieler der Sbornaja erfüllt. Prominente wie der Comedian Semjon Slepakow entschuldigten sich für den Spott vor der WM. Er hatte in einem Lied vorgeschlagen, den tschetschenischen Gewaltherrscher Ramzan Kadyrow zum Trainer des Teams zu machen. Die Fans bereiteten ihrer Mannschaft in der Fan-Meile an den Moskauer Sperlingsbergen einen warmen Empfang.

Ganz ohne Hass und Enttäuschung ging es jedoch nicht. Opfer waren jedoch nicht wie so oft früher die eigene Mannschaft, sondern zwei Kroaten: Spieler Domagoj Vida und Trainerassisten Ognjen Vukojevic. Vida hatte nach dem Spiel einen kurzen Clip veröffentlicht, in dem er "Slawa Ukraine" ("Ehre für die Ukraine") sagt. Das war einst ein Ruf ukrainischer Nationalisten, der jedoch nunmehr zu einem Symbol der Maidan-Revolution 2014 geworden ist. Vukojevic ergänzte auf Russisch, dass er den Sieg der Ukraine und seinem alten Club Dynamo Kiew widme. Vida wurde vom Weltfußballverband Fifa anschließend verwarnt.

In Russland wurde der Vorgang als politische Geste aufgenommen. Die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew sind seit der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim 2014 und der Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine zerrüttet. So behauptete in einer Talkshow Franz Klinzewitsch, Mitglied des Föderationsrats Russlands, die Kroaten seien schon immer Verräter der slawischen Welt gewesen und spielte auf das Bündnis Kroatiens mit dem Dritten Reich an.

Auch unabhängige Stimmen und Kroatien-Fans wie der prominente Kommentator Wasilij Utkin kritisierten Vidas Clip zwar. Er werde deshalb aber nicht aufhören, mit Kroatien zu sympathisieren, sagte Utkin.



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