Russlands Drogenpolitik Zur WM ein kleiner Rausch

Russland liberalisiert zur WM seine Drogenpolitik, Polizei und Drogenfahnder drücken ein Auge zu. Das dürfte mit dem letzten Abpfiff des Turniers wieder vorbei sein.

Kokain
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Kokain

Von Maxim Kireev, St. Petersburg


Wenn sich Russlands Außenministerium um internationales Recht sorgt, lohnt sich ein genauerer Blick. So protestierten Moskaus Diplomaten gestern gegen die Legalisierung von Cannabis in Kanada. Diese Art von "Drogen-Liberalisierung" rücke das Ziel einer drogenfreien Gesellschaft in weite Ferne und widersprechen zudem Uno-Konventionen, wonach Drogen lediglich zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden sollen.

In Russland selbst - zumindest wenn das Land gerade nicht im Fokus der Weltöffentlichkeit steht - ist die medizinische Nutzung von Cannabis verboten. Lediglich zur WM wurden einige Bestimmungen gelockert. Wer ein russischsprachiges Rezept oder eine notariell beglaubigte Übersetzung eines Rezeptes an der Grenze vorzeigen kann, darf ansonsten verbotene Mittel ins Land einführen und sogar mit ins Stadion nehmen.

Auf der Liste der medizinischen Drogen stehen neben Cannabis auch Amphetamine und Kokain, sowie etwa 100 andere Mittel, für die man in Russland normalerweise mit Gefängnisstrafen rechnen muss. Auch sonst heißt es aus Szenekreisen, dass die Polizei in den vergangenen Tagen zumindest Kleinkonsumenten nicht mehr behelligt.

Doch trotz der offiziellen und inoffiziellen WM-Lockerung sitzen noch immer Zehntausende Russen wegen teils geringer Drogenvergehen im Gefängnis. Jedes Jahr landen gut 40.000 Russen hinter Gittern, wobei es sich bei den meisten nicht um Verkäufer, sondern um Konsumenten handelt.

Die Polizei steht zudem seit Jahren in der Kritik, weil sie im Kampf gegen Drogen selbst zu illegalen Methoden greift. So haben Forscher der Petersburger European University festgestellt, dass die mit Abstand am häufigsten beschlagnahmte Menge Marihuana knapp über sechs Gramm beträgt. Just die Menge, die nach russischen Gesetzen für eine Gefängnis- bzw. Bewährungsstrafe ausreichend ist. Für Experten ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Polizisten das Gewicht der beschlagnahmten Drogen häufig manipulieren, um vor Gericht eine härtere Strafe zu erreichen.



insgesamt 3 Beiträge
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RamBo-ZamBo 23.06.2018
1. asdf
Und hier werden Cannabis Konsumenten nicht verfolgt, weil unsere Gesellschaft liberal ist? Schön wär's. Dazu heißt es vom deutschen Hanfverband (DHV): "Noch nie gab es - mit großem Abstand - so viele Strafverfahren gegen Cannabiskonsumenten in Deutschland wie im Jahr 2017! Im Zeitraum vom 1.Januar bis zum 31. Dezember 2017 wurde in insgesamt 204.904 (2016: 183.015) Fällen wegen Cannabis ermittelt. 166.236 (2016: 145.915) Fälle davon waren sogenannte Konsum- und Besitzdelikte, bei den restlichen 42.279 (2016: 37.100) Fällen ging es um Handel, Schmuggel und den Besitz nicht Geringer Mengen."
Vex 23.06.2018
2.
"Diese Art von "Drogen-Liberalisierung" rücke das Ziel einer drogenfreien Gesellschaft in weite Ferne und widersprechen zudem Uno-Konventionen, wonach Drogen lediglich zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden sollen." Ist in Russland die am weitesten verbreitete Droge Alkohol den verboten ? Würde mich stark wundern ...
Pickle_Rick 25.06.2018
3.
In einem Land, welches sich kollektiv totsäuft und in dem ganze Städte Heroin drücken, dürfte die Legalisierung von Cannabis in Kanada ein eher geringes Problem darstellen. Ansonsten hat es natürlich eine tragische Komik, wenn heute noch irgendjemand an eine drogenfreie Gesellschaft glaubt. Ja klar nur noch ein paar Jahrzehnte Drogenkrieg und dann wird das bestimmt was...
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