Näherin droht Haft WM-Maskottchen als Polizeifalle

Als Kunden getarnte Polizisten bestellten bei einer Näherin Kostüme vom russischen WM-Maskottchen Zabivaka. Der Frau drohen nun bis zu zwei Jahre Gefängnis.

WM-Maskottchen Zabivaka
REUTERS

WM-Maskottchen Zabivaka

Von Maxim Kireev


Bei der Eröffnungsfeier der WM sprach der Staatschef vom "humanistischen Potenzial" des Fußballs. Russland möchte sich als gastfreundliches und offenes Land zeigen. Bisher durchaus mit Erfolg, denn die Stimmung in den WM-Städten ist locker, größere Zwischenfälle gibt es kaum.

Doch während Wladimir Putin die Weltmeisterschaft als Chance begreift, das Image seines Landes zu verbessern, backen die Polizisten in der Millionenstadt Kasan kleinere Brötchen. Sie wollten offenbar ihre Statistik mit einem weiteren schnell gelösten Fall aufpolieren. Aber: Ohne die Polizisten hätte es das Verbrechen gar nicht gegeben.

Irina Singarowa, einer Näherin aus Kasan, die ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Tierkostümen verdient, drohen nun im schlimmsten Fall zwei Jahre Haft. Sie hatte eine Bestellung für drei Wolfskostüme angenommen. Der Kunde stellte sich als Mitarbeiter einer Werbefirma vor. Die Kostüme, erinnert sich Singarowa, sollten dem WM-Maskottchen Zabivaka nachempfunden sein, einem Wolf mit Shirt und Sonnenbrille.

Bei der Abholung der fertigen Kostüme dann die große Überraschung: Polizisten stürmten den Nähsalon. Es waren sie, die die Zabivaka-Kostüme in Auftrag gegeben hatten. Sie wollten Singarowa damit der wiederholten, illegalen Nutzung einer eingetragenen Marke überführen.

Während der Herstellung soll der Kunde immer wieder Korrekturen gefordert haben, weil die Kostüme dem WM-Wolf aus seiner Sicht nicht ähnlich genug sahen. Der Fifa soll nach Angaben der Polizei dadurch ein Schaden von umgerechnet etwa 4500 Euro entstanden sein. Derzeit prüfe ein Gutachter in Moskau, wie sehr die angefertigten Kostüme dem echten Fifa-Maskottchen ähneln.

Auf Singarowa aufmerksam wurde die Polizei, weil sie im Frühjahr bereits zwei Wolfskostüme, die allerdings nur entfernt an Zabivaka erinnern, anfertigte. Das Video dazu stellte sie online in ihr VKontakte-Profil, Russlands meistgenutztem Social Network. Doch erst der von der Polizei provozierte Wiederholungsfall machte die Sache für Singarowa jetzt richtig brenzlig.



insgesamt 14 Beiträge
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Ein_denkender_Querulant 16.06.2018
1. Polizisten rufen zu Straftaten auf
Leider ein übliches Verfahren, auch bei uns. Es gibt Polizisten, die drogen verkaufen und auch vermummte Polizisten auf Demonstrationen, wegen denen eine Demonstration abgesagt wird. So ist das heute.
Post.Scheibe@freenet.de 16.06.2018
2. Tolle Meldung
Es fehlen generell positive Berichte aus den WM-Ausrichtungsstädten, aber diese Meldung findet natürlich Platz.Negativmeldungen über Rußland sind eben in Deutschland angesagt.
Lethbanen 16.06.2018
3. Nicht ganz richtig
Zitat von Ein_denkender_QuerulantLeider ein übliches Verfahren, auch bei uns. Es gibt Polizisten, die drogen verkaufen und auch vermummte Polizisten auf Demonstrationen, wegen denen eine Demonstration abgesagt wird. So ist das heute.
Diese Praxis ist in der Tat in einigen Ländern zulässig und kommt in Deutschland auch immer wieder vor, allerdings wird spätestens bei der Verhandlung das Verfahren eingestellt, sollte diese "Verführung zu einer Straftat" festgestellt werden.
kalsu 16.06.2018
4. Viel Lärm um... eine Markenschutzverletzung!
"Polizisten stürmten den Nähsalon." Wegen illegalen Nutzung einer eingetragenen Marke? Wohl kaum. Aber anders lässt sich das wohl nicht an den Mann oder die Frau bringen. So nebenbei: Die "arme" kleine Näherin (mit eigenem Nähsalon) hätte den Auftrag auch ablehnen können. Als ihr bewusst wurde, dass das Ganze in Richtung Markenschutzverletzung geht, ablehnen müssen. Das hat sie aber nicht. Die Praxis, durch Aufträge eine Markenschutzverletzung zu provozieren ist weltweit üblich - weniger durch die Polizei sondern durch vom Markeninhaber beauftragte Unternehmen. Aber andere Länder, andere Sitten.
cookie1 16.06.2018
5. Markenschutz
Ein Herr Maxim Kireev ,Namen noch nie gehört, schreibt einen Russland Artikel, mit in der Überschrift da Wort "Polizei" dachte ,jetzt es wird spannend,aber es waren Marken Ermittler.
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