WM statt Urlaubsreise Die Russen bleiben lieber zu Hause

Russland steht bereits im Viertelfinale, im Gastgeberland der WM herrscht eine große Euphorie. Doch nicht alle im Land sind davon begeistert.

WM im russischen TV
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Von Maxim Kireev, Sankt Petersburg


Millionen Russen werden am Samstag vor dem Fernseher verfolgen, ob die Sbornaja im Viertelfinale der WM auch Kroatien besiegt. Vor einigen Wochen wäre eine solche Begeisterung für das Team fast undenkbar gewesen. Doch mittlerweile genießt die früher wegen ihrer hölzernen Spielweise belächelte Mannschaft einen Heldenstatus.

Doch nicht alle freuen sich über den Erfolg des russischen Teams - zum Beispiel Wladimir Worobjow, Chef des von der Pleite bedrohten Reiseanbieters Natali Tours. Seit Beginn der WM verkaufe sein Unternehmen weniger Reisen und habe deshalb Liquiditätsprobleme, sagte er der Zeitung "RBK".

"Die Erfolge unserer Nationalmannschaft führten dazu, dass immer mehr Russen zu Hause blieben. Dadurch sanken die Verkaufszahlen nach unseren Beobachtungen noch einmal um 40 Prozent", erklärte der Unternehmer. Dabei habe Natali Tours die Anzahl der Charterflüge während der WM ohnehin schon um die Hälfte gekürzt. Als Konsequenz seien von der Firma alle bereits verkauften Reisen bis in den September hinein storniert worden.

Der Reiseanbieter, gegründet 1992, gehört zu den ältesten Unternehmen der Branche. Nach Angaben der Tourismusbehörde Rosturizm befinden sich derzeit noch bis zu 4000 Kunden der Firma in Spanien und können die gebuchte Heimreise nicht antreten. Bei dem ebenfalls in Bedrängnis geratenen Reiseunternehmen DSBW Tours soll es sich um etwa 1000 Touristen handeln, die im Ausland festsitzen.

Neben der Weltmeisterschaft machen Brancheninsider auch den seit Beginn des Jahres gefallenen Rubelkurs für die finanziellen Probleme der auf Europa spezialisierten Reiseunternehmen verantwortlich. Bereits im April seien die Buchungen zurückgegangen. Notierte der Euro noch im März bei rund 70 Rubel, sprang der Kurs im April auf 74 Rubel pro einen Euro und hat sich bis heute nicht merklich erholt.



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