Spekulationen um Janukowitschs Verbleib Im Bunker, auf See, in der Wüste

In Dubai soll er gesichtet worden sein, in Österreich hat er Geld gebunkert, bei Putin könnte er unterkommen: Seit Tagen fahndet die ukrainische Polizei nach Wiktor Janukowitsch, aber mehr als Spekulationen gibt es bislang nicht. Seine Spur verliert sich in Donezk.

Von Claudia Thaler

DPA

Kiew - In einem schlichten blauen Anzug, den Rücken zur Wand mit der Blümchentapete: Das waren die letzten Bilder des ukrainischen Ex-Präsidenten, zumindest die letzten vor seiner Flucht. Am Samstag erklärte sich Wiktor Janukowitsch einem russischen TV-Sender. "Niemals werde ich zurücktreten. Ich gebe nicht auf!", erklärte er. Seine Stimme klang dabei schon nicht mehr so fest wie früher, er war bereits auf der Flucht. Die Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew wollten Rache.

Aus der Hauptstadt hatte er sich schon kurz nach der Unterzeichnung des Abkommens mit der Opposition abgesetzt. Zuerst mit dem Hubschrauber in die Stadt Donezk im Osten, dann mit dem Auto stundenlang in den Süden auf die Krim. Eigentlich wollte Janukowitsch mit seinem Privatjet ins Ausland flüchten, Grenzpolizisten verweigerten ihm jedoch die Starterlaubnis. Offizielle Begründung: Dokumente und Papiere fehlten. Und mit dieser Information verliert sich auch die letzte Spur zu seinem Aufenthaltsort.

Seitdem fragen sich nicht nur die Menschen in der Ukraine, wo Janukowitsch sich versteckt. In den sozialen Netzwerken hat man ihn sogar bereits für tot erklärt - doch es liegen für keines der Gerüchte stichhaltige Belege vor. Indizien gibt es, plausible Erklärungen, nur eben keine Gewissheit.

SPIEGEL ONLINE zeigt die möglichen Aufenthaltsorte:

  • Wahrscheinlich ist, dass sich Janukowitsch noch immer in der Ukraine aufhält. Die Ausreise ist ihm wegen des Haftbefehls verwehrt, die Grenze hat Janukowitsch offiziell jedenfalls nicht überschritten. Aktuellen Gerüchten zufolge soll sich Janukowitsch derzeit wieder in Donezk aufhalten, wo er sich in einen dreistöckigen Bunker an der russischen Grenze zurückgezogen haben soll. Hier habe er Zuflucht bei seiner Geliebten Ljubov Poleschaj gefunden, will die ukrainische Tageszeitung "Kyiv Post" erfahren haben. Poleschaj führt in der ukrainischen Kleinstadt Wolnowacha einen Schönheitssalon und kennt Janukowitsch schon seit zehn Jahren. Gerüchte, wonach sich Janukowitsch in ein Kloster nahe Kiew zurückgezogen habe, dementierten Kirchenvertreter vehement.

  • Ein ukrainischer Fernsehsender berichtet, dass Janukowitsch sich auf der Krim am Schwarzen Meer aufhalten soll. Demzufolge wahrscheinlich in Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. Auch die Meldung, Janukowitsch hätte sich schon am Sonntag mit seiner Luxusyacht "Bandido" an die russische Schwarzmeerküste abgesetzt, halten sich hartnäckig in den ukrainischen Nachrichten. Augenzeugen wollen das Schiff an der türkischen Küste gesichtet haben.

  • Sollte es Janukowitsch inzwischen wirklich ins Ausland geschafft haben, ist Russland als Fluchtziel wahrscheinlich. Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinem Amtskollegen Janukowitsch Loyalität versprochen. Möglich ist also, dass er ihm Asyl gewährt. So meldeten ukrainische wie russische Medien in den vergangenen Tagen immer wieder, Janukowitsch habe sich schon auf den Weg nach Moskau gemacht.
  • Der Weg in das Nachbarland Weißrussland ist kürzer und ebenfalls vielversprechend: Dorthin hat sich am Samstag schon Witali Sachartschenko, Innenminister unter Janukowitsch, abgesetzt. Und der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko hat bereits Erfahrungen als Fluchthelfer gesammelt: 2010 nahm er den kirgisischen Ex-Präsidenten Kurmanbek Bakijew in Minsk auf, nachdem dessen Regierung gestürzt worden war.

  • Nach Österreich ist Ex-Ministerpräsident Nikolai Asarow ausgereist. Sein Sohn hat sich in Wien ein großes Vermögen aufgebaut und gewährt nun seinem Vater Unterschlupf. Als erster Politiker, der in der ukrainischen Krise sein Amt aufgab, konnte Asarow das Land Ende Januar noch ohne Probleme verlassen - gegen ihn liegt kein Haftbefehl vor. Nicht jedoch im Fall Janukowitschs. Er wird wegen Massenmordes an "friedlichen Demonstranten" offiziell gesucht. Janukowitsch pflegt in der Alpenrepublik wichtige Geschäftsbeziehungen und hat dort einen Teil seines Vermögens gebunkert. Das ukrainische Parlament will den Ex-Präsidenten allerdings vor den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bringen. Österreich wäre daher kein sicherer Aufenthaltsort für Janukowitsch.

  • Eine jedoch eher unwahrscheinliche Möglichkeit: Hinweise führen in die Vereinigten Arabischen Emirate nach Dubai. Selbst in der Wüste soll Janukowitsch schon gesichtet worden sein, berichten mehrere internationale Zeitungen. Ein Taxifahrer will den Ukrainer gesehen haben.



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insgesamt 3 Beiträge
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seoul77 26.02.2014
1. Man kann...
Zitat von sysopDPAIn Dubai soll er gesichtet worden sein, in Österreich hat er Geld gebunkert, bei Putin könnte er unterkommen: Seit Tagen fahndet die ukrainische Polizei nach Wiktor Janukowitsch, aber mehr als Spekulationen gibt es bislang nicht. Seine Spur verliert sich in Donezk. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wo-ist-janukowitsch-spekulationen-in-der-ukraine-a-955723.html
davon deutlch ausgehen, dass Janukovic nach Moskau gereist ist. Die beiden Naditen passen gut zusammen. Der Krawallmacher Putin hat den Kerl doch jahrelang gedeckt, nur weil er Pro Russland war. Lass er doch seine Armee einmaschieren..... die marschieren dann nach Jahren ähnlich wieder raus, wie aus Afghanistan. Die Mehrheit der Ukrainer hasst die Russen aus Russland..... auch wenn sie demnächst kein Gas mehr erhalten.
doubletrouble2 26.02.2014
2. Pontius Pilatus ging nach Rom zurück.
Er war bekannt für seien Gier und seine Grausamkeit. Seine brutale Zerschlagung eines jüdischen Demonstartionszuges führte im Jahre 36 zu seiner Absetzung. So wird es auch Janukowitsch ergangen sein und darum ist er in der Haupstadt des derzeitigen " oströmischen Reiches" zu vermuten. Ob man ihn dort zum Selbstmord zwingt, ist noch offen.
markusd09 27.02.2014
3. die mehrheit
ist nicht ein fehlgeleiteter Haufen Terroristen die mit Gewalt einen gewählten Präsidenten zum Sturz bringen.die freuen sich auf Europa???dann können sie sich das freuen direkt verkneifen...bald sind Wahlen...Dann war es das eh erstmal nachdem es einen gewaltigen rechtsruck in Europa geben wird. abgesehen davon denke ich das Herr J. schon längst mit genug Geld in einem schönen sonnigen Teil der Erde liegt
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