Woodwards neues Buch Bushs Geheimplan für den Irak-Krieg

Der Enthüllungsjournalist Bob Woodward erhebt in seinem neuen Buch schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung. Schon im Dezember 2001, nur drei Monate nach den Terror-Angriffen auf die USA, habe US-Präsident Bush den Irak-Krieg planen lassen.


US-Präsident Bush: Geheime Kriegsplanungen ab Dezember 2001
REUTERS

US-Präsident Bush: Geheime Kriegsplanungen ab Dezember 2001

Washington - George W. Bush hat nur drei Monate nach den Angriffen auf das Pentagon und den World Trade Center einen Geheimplan für die Invasion des Irak in Auftrag gegeben, schreibt Woodward in seinem neuen Buch "Plan of Attack". Im Dezember 2001 steckten die USA noch mitten im Afghanistan-Krieg und betonten in der Öffentlichkeit immer wieder, im Irak eine diplomatische Lösung zu suchen.

Aus Angst, seine Irak-Pläne könnten ihn als kriegslüstern in Verruf bringen, weihte Bush laut Woodward nur wenige Mitglieder des nationalen Sicherheitsteams ein. Bush selbst dementierte die Darstellung des renommierten Journalisten, der schon für die Enthüllung des Watergate-Skandals von 1974 mitverantwortlich war. "Ich hatte Afghanistan im Kopf und habe mich erst später auf den Irak konzentriert", sagte der Präsident.

Journalist Woodward: Pikante Interna aus der Regierung
STEVEN GEYER

Journalist Woodward: Pikante Interna aus der Regierung

Bushs Sprecher Scott McClellan bestätigte jedoch, dass der Präsident noch während der Kämpfe in Afghanistan mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld über Vorbereitungen auf einen Irak-Krieg sprach. Das heiße aber nicht, dass ein Krieg zu der Zeit schon beschlossen worden sei. "Es gibt eine Unterschied zwischen Planungen und dem Treffen einer Entscheidung", sagte McClellan.

In Woodwards Buch, das kommende Woche auf den US-Markt kommt, wird Bush mit den Worten zitiert: "Ich wusste, was passieren würde, sollten die Leute glauben, wir würden einen Angriffsplan für Irak entwickeln. (...) Es hätte ausgesehen, als wäre ich bestrebt, einen Krieg zu führen."

Bush und seine engsten Mitarbeiter sehen sich nach wie vor dem Verdacht ausgesetzt, wegen der Vorbereitungen auf einen Irak-Krieg den Kampf gegen al-Qaida zu spät, nämlich erst nach den Anschlägen vom 11. September, aufgenommen zu haben. Die Recherche Woodwards über die 16 Monate vor Kriegsbeginn verstärken diesen Eindruck: Sie zeigen, wie die Kabinettsmitglieder, insbesondere Vizepräsident Richard Cheney, von Beginn der Amtszeit an auf den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein fixiert waren.

US-Präsident Bush, Minister Powell und Cheney: Gespielte Einigkeit
DPA

US-Präsident Bush, Minister Powell und Cheney: Gespielte Einigkeit

Cheney, den Woodward mit einer "mächtigen Dampfwalze" vergleicht, war demnach der Anführer einer Gruppe innerhalb der Regierung, die Bush zum Krieg gegen den Irak drängte. Cheney habe dies derartig nachdrücklich betrieben, dass einige Kollegen von einem "Fieber" geredet hätten. Die Einschätzung der CIA, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen und könne nur mit Krieg aus dem Amt entfernt werden, habe zur "Eigendynamik" des Entscheidungsprozesses beigetragen.

Woodwards Buch enthält auch pikante Details über das Beziehungsgeflecht innerhalb der US-Regierung. Das Verhältnis zwischen Cheney und dem eher moderaten Außenminister Colin Powell sei nach kurzer Zeit dermaßen zerrüttet gewesen, dass die beiden kaum noch miteinander geredet hätten.

Powell, der nie öffentlich gegen den Kurs Regierung Stellung bezog, habe den Präsidenten intern mit deutlichen Worten vor einem neuen Golfkrieg gewarnt. "Sind sie sicher?", soll Powell Bush gefragt haben, als dieser am 13. Januar 2003 im Oval Office seine Entscheidung zum Krieg gegen den Irak dargelegt habe. "Sie kennen die Konsequenzen?", habe der Außenminister insistiert. "Sie wissen, dass sie dieses Land besitzen werden?"



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