Wunsch des Übergangsrats: Libyen will Nato länger behalten
Das Gaddafi-Regime ist gestürzt, doch auf den Einsatz der Nato will die libysche Übergangsregierung noch nicht verzichten: Sie bat das Militärbündnis, ihn um mindestens einen Monat zu verlängern. Eine Entscheidung darüber wurde auf Ende der Woche verschoben.
Tripolis/Brüssel - Die libysche Übergangsregierung hat die Nato offiziell gebeten, ihren Militäreinsatz in Libyen um einen Monat zu verlängern. "Nachdem wir den Sieg errungen haben, hofft das libysche Volk, dass die Nato ihren Einsatz bis mindestens zum Ende des Jahres fortführt", sagte der Präsident des Übergangsrats, Mustafa Abd al-Dschalil, am Mittwoch in Doha. Eine Fortsetzung komme Libyen und den Nachbarländern zugute.
Die Nato verschob daraufhin ihre Entscheidung, die eigentlich für Mittwoch geplant war auf Freitag. "Es scheint uns sinnvoll zu sein, noch etwas länger mit den Libyern und auch mit den Vereinten Nationen zu beraten", hieß es in Brüssel. Zudem soll Russland zunächst Beratungen im Uno-Sicherheitsrat zur Lage in Libyen verlangt haben.
Direkt nach dem Tod des Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi hatte das Bündnis verkündet, seinen Militäreinsatz in Libyen zum 31. Oktober beenden zu wollen. Die Botschafter der 28 Nato-Staaten hatten am vergangenen Freitag einen vorläufigen Beschluss getroffen. Die endgültige Bestätigung war am Mittwoch vorgesehen.
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stehe sowohl mit Dschalil als auch mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kontakt, hieß es in Brüssel weiter. Die Nato hoffe auf eine rasche Entscheidung der Uno über eine mögliche Nachfolgemission für Libyen.
Konferenz zur Zukunft Libyens
Dschalil nimmt am Mittwoch in Katar an einer internationalen Planungskonferenz zur Zukunft Libyens teil. Gastgeber ist die Hauptstadt Doha. Zu dem Treffen wurden Vertreter des Westens, aus den Golfstaaten sowie der Nato erwartet. Katar war ein führender Unterstützer des Aufstands zum Sturz Gaddafis in der arabischen Welt. Das Emirat stellte Kampfflugzeuge für die Nato-Luftangriffe zur Verfügung, um die Truppen des langjährigen Machthabers zu schwächen.
Die Nato bombardierte monatelang Ziele in Libyen, um nach eigener Darstellung die Bevölkerung zu schützen. Kurz vor Gaddafis Gefangennahme in der vergangenen Woche griffen französische Kampfflugzeuge seine Wagenkolonne an. Der Machthaber wurde von libyschen Kämpfern gefangen genommen und kam kurze Zeit später unter bisher ungeklärten Umständen zu Tode.
Erste Revolutionstruppen lösen sich auf
Nach dem Ende der Kämpfe lösen sich die ersten Verbände der Revolutionstruppen auf. Als Beispiel nannte die libysche Zeitung "Qurayna al-Jadida" die "Rote Brigade", eine 600 Mann zählende Einheit aus der Stadt Misurata. Die Einheit habe dies in einem Brief an Dschalil angekündigt. Die Entwaffnung der Zivilbevölkerung wird voraussichtlich noch mehrere Monate dauern.
heb/dpa/Reuters/AFP
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