Politische Haarmode in China Warum Xi Jinping plötzlich sein graues Haar zeigt

Bei einem öffentlichen Auftritt ist Chinas Machthaber mit natürlicher Haarfarbe zu sehen. Damit bricht Xi Jinping mit einer jahrzehntelangen Tradition - aus gutem Grund.

Xi Jinping
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Xi Jinping


Beim jährlichen Volkskongress in Peking ist Xi Jinping mit grauen Strähnen im Haar aufgetreten. Der 65-Jährige bricht mit seinem veränderten Aussehen nach Jahrzehnten der Einheitlichkeit mit einer ungeschriebenen Regel - traditionell färben chinesische Machthaber ihr Haar tiefschwarz.

Der Regelbruch ist wohl keine Modeerscheinung, sondern vor allem politische Strategie. Xi, der sich im vergangene Jahr seine Macht auf Lebenszeit sicherte, will damit Volksnähe beweisen - und sich von seinen gefärbten Parteigenossen absetzen, so ein Bericht von CNN. Die schwarze Haarfarbe solle Geschlossenheit innerhalb der Partei beweisen und den meist älteren Delegierten ein möglichst jugendliches Image verleihen.

"Xi Jinping will diese Tradition loswerden, um mehr wie ein durchschnittlicher Chinese zu wirken, ein Mann des Volkes", sagte Willy Lam von der Universität Hongkong dem Sender. Lam ist Experte für chinesische Politik.

"Es könnte eine Strategie sein, Kritik entgegenzuwirken, dass Xi einen Mao-ähnlichen Personenkult um sich aufbaut", so Lam. "Es ist eine Art Ablenkungstechnik, um ihn im chinesischen Sinne weniger aristokratisch erscheinen zu lassen."

Zuletzt hatte es immer wieder Berichte von einer Krise der chinesischen Wirtschaft gegeben, auch der Handelsstreit mit den USA schwelt weiterhin. Vor wenigen Tagen erst lieferte Premierminister Li Keqiang einen kritischen Regierungsbericht ab, indem er nicht ausschloss, dass China seine Wirtschaftsziele verfehlen könnte.

Bisher war es abgetretenen Politikern vorbehalten, ihre natürliche Haarfarbe zu zeigen. Xis neue Frisur könnte nun auch andere inspirieren: Vizeministerpräsident Liu He und Außenminister Wang Yi wurden zuletzt mit ergrautem Haar gesichtet.

lmd



insgesamt 5 Beiträge
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claus7447 11.03.2019
1.
Nun mancher Chinese (und die anderen Asiaten auch) bringen das auch mit einer gewissen "Erschlaffung" im Unterhaus in Verbindung.
dasfred 11.03.2019
2. Männer und Haare
Ich habe meine vierzig Jahrelang in allen möglichen Farben getragen und jetzt, wo ich keine Lust mehr zum Färben habe, wachsen sie grau nach. Also kommt im Winter ein Hut drauf und im Frühjahr kommen sie ab. Thema durch. Zuletzt ging doch Schröder als der vermeintlich Gefärbte durch die Medien. Da haben sich die Chinesen wenigstens auf eine einheitliche Färbung verständigt.
mhuz 11.03.2019
3.
Jetzt macht auch die ewig Braune Haare von Schröder ein Sinn - er wollte etwas besseres sein.
bikerheart 11.03.2019
4. Aus gesundheitlichen Gründen?
Vielleicht will er sich die Belastung mit den Chemikalien, die mit dem Faerben verbunden sind erparen und gutes Vorbild für die Bürger sein.
labellen 11.03.2019
5. die Haarmode dürfte
das geringste Problem bei dem Herrn sein. "Parteichef auf Lebenszeit" und "Wiederwahl ohne Gegenstimme" lassen einen da schon eher ins Grübeln geraten.
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