YouTube-Fragen im US-Wahlkampf "Klarer Gewinner war das Format"

Erstmals sind Präsidentschaftskandidaten in einer TV-Debatte per Internet-Videoclip befragt worden. Die acht Bewerber der Demokraten stellten sich 39 YouTube-Eigenproduktionen von US-Bürgern. Besonders punkten konnte keiner der Aspiranten, dafür aber die Art der Befragung.


Charleston - "In welchen Punkten werden Sie anders sein?". Mit dieser Frage eröffnete ein junger Mann die Veranstaltung in einer Universität in South Carolina. "Eine der Sachen, die ich mitbringe, ist eine Perspektive", antwortete Senator Barack Obama. "Washington muss sich verändern." Senatorin Hillary Rodham Clinton verwies darauf, dass sie in ihrer langjährigen politischen Arbeit stets für Veränderungen gestanden habe. "Das Thema ist, wer von uns von Tag eins an bereit sein wird", sagte sie.

Demokraten-Debatte: Clinton und Co. ließen sich Fragen via Internet stellen
REUTERS

Demokraten-Debatte: Clinton und Co. ließen sich Fragen via Internet stellen

Viele der Fragen drehten sich um soziale Belange und Nöte, etwa im Zusammenhang mit dem amerikanischen Gesundheitssystem. Nur eine Handvoll beschäftigte sich mit dem Irak-Krieg.

Dennoch lieferten sich Hillary Clinton und Obama vor allem in der Außenpolitik einen Schlagabtausch. Der Senator aus Illinois verwies darauf, dass er von Anfang an gegen den Einmarsch im Irak gewesen sei, während Clinton 2002 für den Krieg gestimmt hatte.

Auf eine Frage, ob er bereit sei, im ersten Jahr seiner Präsidentschaft die politischen Führer von "feindlichen" Staaten wie Iran, Syrien, Venezuela, Kuba oder Nordkorea zu treffen, sagte Obama "Ja". Clinton, die Senatorin von New York, verwies dagegen darauf, sie wolle nicht "für Propagandazwecke missbraucht" werden. Stattdessen würde sie hochrangige Vertreter in die angesprochenen Länder schicken.

In einem Video aus einem Flüchtlingslager der sudanesischen Krisenregion Darfur wurden die Kandidaten gefragt, wann die "leeren Versprechungen" endlich ein Ende hätten. Während Senator Joseph Biden sich leidenschaftlich für einen dortigen Einsatz der US-Armee aussprach, plädierte Hillary Clinton dagegen.

Acht Kandidaten debattierten

Außer Clinton, Obama und Biden stellten sich der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, Senator Chris Dodd, die ehemaligen Senatoren John Edwards und Mike Gravel sowie Dennis Kucinich, Mitglied des Repräsentantenhauses, den Fragen der YouTube-Nutzer. Die größten Chancen auf eine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl 2008 bei den Demokraten hat aktuellen Umfragen zufolge Hillary Clinton.

"Können Sie als Politiker tatsächlich Fragen beantworten, statt nur um den heißen Brei herumzureden?", wollte ein anderer Internetnutzer wissen. Die Antwort aller Kandidaten: Natürlich. Senator Edwards präsentierte sich während der Debatte als Förderer der Frauen. Gouverneur Richardson sprach sich für gleiche Rechte für Homosexuelle aus, während Senator Dodd versprach, "die Menschen zusammenzubringen".

Zuvor war jeder Kandidat aufgefordert worden, einen eigenen Videofilm zu produzieren. Edwards machte sich darüber lustig, wie viel Aufmerksamkeit seinen teuren Haarschnitten gewidmet wurde. Zur Musik des Musicals "Hair" waren zahlreiche Nahaufnahmen seiner Frisur zu sehen, danach folgten Bilder aus dem Irak. Zum Schluss wurde die Frage gezeigt: "Was ist wirklich wichtig? Du entscheidest." Clintons Video endete mit dem Satz: "Manchmal ist der beste Mann für einen Job eine Frau".

Bewertung fiel unterschiedlich aus

Die Bewertung der von CNN als "historisch" bezeichneten Debatte fiel derweil unterschiedlich aus: Ein Wähler, der seine Frage per Videoclip eingeschickt hatte, befand: "Es war im Großen und Ganzen schon unterhaltsam. Aber war es auch informativer?". Der frühere Präsidentenberater David Gergen sagte dagegen: "Klarer Gewinner (der Debatte) war das Format." Da die Fragen schwer vorauszuberechnen gewesen seien, hätten sich die Kandidaten kaum vorbereiten können.

Die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner wollen sich ebenfalls den Fragen der YouTube-Gemeinde stellen. Ihre Veranstaltung ist für den 17. September im US-Bundesstaat Florida vorgesehen.

flo/AFP/dpa/AP

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