Tränen im YouTube-Clip: Vierjährige hat genug von Romney und "Bronco Bamma"

Die vierjährige Abigael kann nicht mehr: Immer geht es nur um die US-Wahl, ständig plappern Obama und Romney im Radio. Da können einem schon die Tränen kommen. Das Video des entnervten Kindes ist ein YouTube-Hit - genauso wie ihr Spitzname für den Präsidenten.

YouTube-Ausschnitt: Abigael wird wohl vorerst kein Politik-Fan mehr Zur Großansicht
Elizabeth Evans

YouTube-Ausschnitt: Abigael wird wohl vorerst kein Politik-Fan mehr

Fort Collins - Abigael Evans ist vier Jahre alt und hat genug vom US-Wahlkampf. So richtig die Nase voll von Barack Obama. Absolut keine Lust mehr auf Mitt Romney. Und was macht Mama Elizabeth auf dem Weg zum Supermarkt? Das blöde Radio an. Und worum geht es beim Sender NPR (National Public Radio)? Natürlich um die Wahl, um Obama und Romney. Da kann Abigael nicht mehr, sie lässt alles raus.

Das Video des in Tränen aufgelösten Mädchens aus dem US-Bundesstaat Colorado hat sich binnen Stunden zum YouTube-Hit entwickelt, knapp eine Million Mal wurde der Clip schon angeklickt. Kult ist auch die Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter auf dem Parkplatz - und vor allem die Weise, in der Abigael den Namen von US-Präsident Barack Obama ausspricht.

"Ich mag nicht mehr", sagt die Kleine: "Ich hab genug von Bronco Bamma und Mitt Romney."

"Und deshalb weinst du?", fragt Mutter Elizabeth. Ihre Tochter nickt, während ihr die Tränen über die Wangen kullern.

"Ohh… es ist bald vorbei, Abby. Okay?", versucht Elizabeth ihr Kind zu beruhigen. "Die Wahl ist bald vorbei."

"'kay", sagt Abigael und schnieft. Das "O" verschluckt sie.

Fünf Tage vor der Wahl um das Weiße Haus scheinen eine Menge Amerikaner die Gefühlslage des jungen YouTube-Stars zu teilen. In Foren und bei Twitter gibt es Tausende Einträge zum Thema: "Wir sind alle Abigael Evans." Und dass sich die Netzgemeinde auf den Namen "Bronco Bamma" stürzen würde, ist wohl auch keine Überraschung.

Für Mobilnutzer: Das YouTube-Video finden Sie hier.

Inzwischen hat auch der Sender NPR reagiert. Redakteur Mark Memmott wendet sich in einem offenen Brief an die Vierjährige: "Im Namen von NPR und allen anderen Medienunternehmen möchten wir uns bei Abigael entschuldigen - und bei allen, die ähnlich fühlen. Wir müssen zugeben, dass auch für uns der Wahlkampf jetzt lange genug gegangen ist. Lasst uns nur immer wieder sagen: 'Nur noch ein paar Tage. Nur noch ein paar Tage. Nur noch ein paar Tage.'"

Um das Nervenkostüm ihrer Tochter zu schonen, hat Elizabeth Evans auf dem Rückweg vom Supermarkt übrigens einen Song von Rocklegende Neil Young laufen lassen.

jok

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insgesamt 74 Beiträge
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1.
GinaBe 01.11.2012
Gestern Abend wurde im ZDF "Zoom" ausgestrahlt, um 22.45h, das reiche dem armen Amerika gegenübergestellt. Letztendlich wäre es egal, wer gewählt wird zum Präsidenten, denn die Not und Armut würde von beiden nicht berührt und gelindert werden, war die Aussage des Filmes.
2.
ebberat 01.11.2012
Zitat von sysopElizabeth EvansDie vierjährige Abigael kann nicht mehr: Immer geht es nur um die US-Wahl, ständig plappern Obama und Romney im Radio. Da können einem schon die Tränen kommen. Das Video des entnervten Kindes ist ein YouTube-Hit - genauso wie ihr Spitzname für den Präsidenten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/youtube-vierjaehrige-abigael-evans-hat-genug-vom-us-wahlkampf-a-864628.html
Da kann die arme Abigael aber echt froh sein, dass sie nicht in Europa wohnt. Denn ich kann die Berichte über die Eurokrise nicht mehr hören.
3.
Indigo76 01.11.2012
Zitat von sysopElizabeth EvansDie vierjährige Abigael kann nicht mehr: Immer geht es nur um die US-Wahl, ständig plappern Obama und Romney im Radio. Da können einem schon die Tränen kommen. Das Video des entnervten Kindes ist ein YouTube-Hit - genauso wie ihr Spitzname für den Präsidenten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/youtube-vierjaehrige-abigael-evans-hat-genug-vom-us-wahlkampf-a-864628.html
Dass eine Vierjährige so reagiert, ist verständlich. Dass aber tausende erwachsene Amerikaner sich dieser Meinung anschließen, lässt tief blicken.
4. recherche beim spiegel...
merlingun 01.11.2012
NPR steht für "national public radio" und ist eben gerade KEIN privatsender sondern öffentlich finanziert. einfach mal googlen würde den redatkeuren helfen: http://de.wikipedia.org/wiki/National_Public_Radio
5. Oh mein Gott...
myxx 01.11.2012
...eine Vierjährige hat also keine Lust mehr auf Politik. Nicht, dass sie da nicht vielen Leuten aus der Seele sprechen würde, aber warum genau ist das eine Meldung auf einer eigentlich doch recht seriösen Seite wert? -.- Mal ernsthaft: Welches vierjährige Kind guckt schon gerne Wahlkampfdebatten im Fernsehen? Und bloß weil sie das jetzt im Internet tut wird sie jetzt zur Heldin hochstilisiert, weil sie ja nur die Wahrheit ausspricht und bla bla bla... Ich glaub's nicht. WIe wäre es mal mit Berichten über die Mädchen, die in Afghanistan und im Irak jeden Tag unter Einsatz ihres Lebens (wie ja vor kurzem wieder leider festgestellt werden musste) zur Schule gehen? Vielleicht sollte man die mal fragen, was sie so von den US-Präsidentschaftskandidaten halten, anstatt einer trotzig-verzogenen Vierjährigen das Ego ihres Lebens einzureden...
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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Fotostrecke
Obama vs. Romney: Schmutziger Wahlkampf ums Weiße Haus
Twitter zur Präsidentschaftswahl


US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.