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Ankara: Mehr als zehntausend Demonstranten protestieren gegen Erdogan

Demonstranten in Ankara: "Tschüss Tayyip" Zur Großansicht
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Demonstranten in Ankara: "Tschüss Tayyip"

Mehr als zehntausend Menschen sind in Ankara gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan auf die Straße gegangen. Im Parlament kam es bei Beratungen zur Justizreform zu Tumulten, bei denen mit Akten und Wasserflaschen geworfen wurde.

Ankara - Auf ihre Plakate hatten sie "Tschüss Tayyip" geschrieben. Ihre Händen hielten sie zur Faust geballt in die Höhe. Einige von ihnen zeigten falsche Dollar-Scheine mit einem Foto des türkischen Regierungschefs. Mehr als zehntausend Menschen demonstrierten am Samstag in der türkischen Hauptstadt Ankara gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Eine Gewerkschaft hatte zu dem Protest aufgerufen.

Beratungen im türkischen Parlament über die von Erdogan geplante Justizreform, nach der die Regierung mehr Einfluss bei der Ernennung von Richtern und Staatsanwälte erhalten soll, sind am Samstag indes in Tumulten untergegangen. Während einer Sitzung des Justizausschusses sei ein Abgeordneter auf einen Tisch gesprungen und habe nach einem Kollegen getreten, berichtete ein Augenzeuge.

Mehrere Abgeordnete hätten daraufhin aufeinander eingeschlagen und mit Akten, Wasserflaschen und einem Tablet-Computer um sich geworfen. Der Streit sei ausgebrochen, nachdem ein Vertreter eines Juristenverbandes vergeblich versucht hatte, eine Petition einzubringen, in der die Reform als verfassungswidrig bezeichnet wird.

Seit Wochen kämpft die Regierung Erdogans mit einer Bestechungsaffäre, die den Premier vor die größte Herausforderung seiner elfjährigen Amtszeit stellt. Erdogan versucht, die Affäre in den Griff zu bekommen. Dabei nimmt er neben dem Polizeiapparat, aus dem schon Hunderte Beamte zwangsversetzt wurden, auch die Justiz verstärkt ins Visier.

Erst am Donnerstag hatte ein Staatsanwalt schwere Vorwürfe gegen Erdogan erhoben. Der Ministerpräsident soll den Anwalt unter Druck gesetzt haben, um die Korruptionsermittlungen gegen die Regierung einzustellen. Wenn er sich weigere, werde das "schwerwiegende Folgen haben", hatte die Botschaft des Ministerpräsidenten gelautet. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück.

kha/Reuters

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1. Einen Diktator wie Erdogan
erdogan-r 12.01.2014
würden nicht eine Million Menschen beeindrucken. Nach dem Streit mit der Gülenbewegung versucht er jetzt den "Parallelstaat" durch eigene Leute zu besetzen. Einsicht hat Erdogan nicht, abgewählt wird er auch nicht, weil die Mehrheit des ungebildeten und unpolitischen Volkes ihn wiederwählen wird. Ein Dillema für die Türkei. Die Türkei ist unter Erdogan mindestens fünfzig Jahre zurückgegangen hat nur noch die antidemokratischen islamischen Länder im Blickpunkt.
2.
muffelkopp 12.01.2014
Zitat von sysopREUTERSMehr als zehntausend Menschen sind in Ankara gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan auf die Straße gegangen. Im Parlament kam es bei Beratungen zur Justizreform zu Tumulten, bei denen mit Akten und Wasserflaschen geworfen wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/zehntausend-menschen-demonstrieren-in-ankara-gegen-erdogan-a-943064.html
Könnte SpOn mehr Infos liefern? Ich habe keine Ahnung, was von Gülen initiiert ist und was von Erdogan. Ich fände beides sehr schlecht. Beides sollte in der Türkei keinen Fuß fassen.
3. Türkei?
guildos 12.01.2014
Ich bin mir nicht so ganz sicher ,ob alle die Ihr hier schreibt, die Türkei überhaupt kennt.Wenn ja, dann müsstet ihr euch mal fragen das der Erdogan die demokratischen Wahlen dort mit weit über 50 % der Stimmen gewonnen hat, undzwar zweimal hintereinander.Bei einer Wahlbeteiligung von rund über 70 %.Dann könnt ihr euch nochmal fragen, ob alle diese Wähler dämlich sind und einen skrupellosen und hoch korrupten Mann immer wieder an die Spitze dieses Staates wählen.Die Türkei hat eine Bevölkerung von 76 Millionen im Inland und fast 7 Millionen insgesamt im Ausland.Ich bitte all diejenigen,die einfach mal lust bekommen gegen Erdogan und auch gegen die Türkei irgendetwas sinnloses loszuwerden, sich erstmal mit den einfachtsten details der Türkei auseinanderzusetzen. Erdogan ist es in 10 Jahren Amtszeit gelungen aus einem Drittland der Erde ein Ehrenvolles und wirtschaftlich erfolgreiches Land zu formen. Leider gibt es für diese Erfolge viel zu viele Neider im In sowie Ausland, die bei solchen turbulenten Zeiten eines erfolgreichen Landes, sich due Hände reiben und sich daran erfreuen und sich versuchen daran zu bereichern. Zu früh gefreut!!!
4. schlechter bericht
4646 12.01.2014
der staatsanwalt, der diese vorwürfe macht hat vor ca. 3 / 4 monaten einen luxus urlaub gemacht in dubai im wert von ca. 30.000 ?. dies hat einer der festgenommenen unternehmer mit mehreren rechnungen bewiesen. außerdem wurde dieser mann wieder und der staatsanwalt hat gute kollen von zu dem unternehmer geschickt damit er quittiert, dass er das geld vom staatsanwalt erstattet bekommen hat. video aufnahmen beweisen es. bitte berichten s?e aufklärungs mit allen details die noch fehlen. hier zu lande gibt es auch demos mit tausenden teilnehmern. ist die brd eine bannanenrepublick? soll dann jedesmal die regierung zurück tretten? natürlich man geht zur wahl und wählt ab. das ist demokratie.
5. Läuft doch!
Bad_Species 12.01.2014
Ich find' das alles recht positiv. Hoffentlich zerstreiten sich die Konservativen weiter untereinander. Und zwar solange, bis auch noch ihr letzter Rest Ansehen bei der Bevölkerung flöten gegangen ist und Erdogan zurücktreten muss. Dann ist der Weg frei für Neuwahlen, die hoffentlich von den Gezi-Leuten gewonnen werden. Wenn das passiert hab' ich kein Problem mehr mit einer EU-Mitgliedschaft der Türkei.
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Fläche: 783.562 km²

Bevölkerung: 77,696 Mio.

Hauptstadt: Ankara

Staatsoberhaupt:
Recep Tayyip Erdogan

Regierungschef: Binali Yildirim

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