Abstimmung über Sparpaket: Protest, Brandsätze und Tränengas in Athen

Mehr als 70.000 Menschen haben in Athen gegen das geplante Sparprogramm protestiert. Dabei kam es zu Ausschreitungen, Vermummte warfen Brandflaschen auf Polizisten. Diese setzten Blendgranaten und Tränengas ein. Gegen Mitternacht soll das Parlament über das Sparpaket abstimmen.

Demo in Athen: Mit Molotow-Cocktails gegen das Sparpaket Fotos
REUTERS

Athen - Vor dem Parlament in Athen haben am Mittwochabend Zehntausende gegen das 13,5 Milliarden Euro schwere Sparprogramm demonstriert. An den größten Protesten in Griechenland seit Monaten nahmen allein in der Hauptstadt Polizeiangaben zufolge mehr als 70.000 Menschen teil. Zu der Kundgebung hatten die Gewerkschaften des privaten und staatlichen Bereichs, GSEE und Adedy, sowie linke Parteien aufgerufen.

Am Rand der Demonstration kam es zu Ausschreitungen. Etwa 200 zum Teil vermummte Demonstranten schleuderten mehrere Brandflaschen auf die Polizei in der Nähe des Parlaments. Die Beamten setzten Blendgranaten und Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben.

Das öffentliche Leben kam derweil erneut zum Erliegen. U-Bahnen und Straßenbahnen standen bis zum Nachmittag still, vom Hafen Piräus lief keine Fähre zu den Inseln aus. Die meisten Banken und Postämter blieben ebenso geschlossen wie Museen und antike Stätten. Auch Schulen blieben zu, Taxis fuhren nicht. Ärzte behandelten in Krankenhäusern nur Notfälle. Schon am Dienstag waren Hunderttausende dem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt, in den Ausstand zu treten. Auf den Straßen türmte sich derweil unabgeholter Müll.

Oppositionelle wettern: "Ihr zerstört das Land - Geht jetzt weg"

Im Parlament in Athen soll am späten Abend in namentlicher Abstimmung über das Sparprogramm entschieden werden. Dieses sieht unter anderem Kürzungen von Renten bis 15 Prozent vor. Das Rentenalter wird zudem von 65 auf 67 Jahre angehoben. Staatsbediensteten wird abermals der Lohn gekürzt, bis zu 20 Prozent.

Griechische Medien rechneten mit einer knappen Mehrheit für das Sparpaket. Bei einem Nein wäre Griechenland praktisch pleite. Stimmen die Abgeordneten jedoch zu, erfüllt Griechenland die Forderungen der internationalen Geldgeber und kann mit den dann ausgezahlten Hilfen Schulden bezahlen, die noch in diesem Monat fällig werden.

Abgeordnete des oppositionellen Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) hängten vor das Parlament ein großes Transparent mit dem Spruch "Ihr zerstört das Land - Geht jetzt weg". Anschließend gingen sie zu den Demonstranten und begrüßten sie. Demonstranten forderten ein Nein zum Sparprogramm: "Schafft es ab und haut ab", skandierten sie in Richtung Parlament. "Es schlägt die Stunde des Umsturzes", riefen andere Demonstranten.

leh/dpa/Reuters

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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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