Wirtschaftskrise: Zehntausende Spanier protestieren gegen Sparkurs

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Protest in Madrid: Kundgebungen fanden am Samstag in 80 Städten statt

"Das Gesundheitswesen ist nicht zu verkaufen", "Rajoy, mach es dem Papst nach und trete zurück" war auf ihren Plakaten zu lesen. Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag in mehreren Städten Spaniens gegen die konservative Regierung Mariano Rajoys .

Madrid - Im ganzen Land sind sie auf die Straße gegangen, um ihrem Frust Ausdruck zu verleihen. In Spanien haben am Samstag Zehntausende Menschen gegen soziale Einschnitte, die Privatisierung von öffentlichen Dienstleistungen und Korruption in der Politik demonstriert. Kundgebungen fanden in rund 80 Städten statt.

Allein in Madrid marschierten am späten Abend nach Medienschätzungen mehrere Zehntausend Menschen zur Hauptveranstaltung am Neptunplatz in der Nähe des Parlaments. Große Demonstrationen gab es auch in Barcelona, Gran Canaria und La Coruna.

Zu dem Protest hatte die Initiative "Marea Ciudadana" (Bürgerflut) aufgerufen. An den Aktionen beteiligten sich unter anderem Sympathisanten der Linkspartei Izquierda Unida und von Umweltgruppen, Feuerwehrmänner und Minenarbeiter sowie Menschen, die von Zwangsräumung ihrer Wohnung oder Massenentlassungen betroffen waren.

Die Demonstranten forderten zum Teil den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Auf Plakaten war zu lesen "Das Gesundheitswesen ist nicht zu verkaufen" oder "Rajoy, mach es dem Papst nach und trete zurück". Die Kundgebungen wurden auch vom sozialistischen Oppositionsführer Alfredo Pérez Rubalcaba unterstützt. Er forderte Rajoy auf, die Demonstranten "nicht zu unterschätzen".

Die Regierung fährt einen der schärfsten Sparkurse in der Geschichte der spanischen Demokratie. Rajoy will verhindern, dass das hochverschuldete Land unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss - und sich dann Auflagen der Geldgeber beugen muss. Für die Bevölkerung brachte diese Politik in den letzten Jahren viele Entbehrungen mit sich.

Die Proteste verliefen in Madrid und in anderen Städten friedlich bis festlich. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, wurden in der Hauptstadt rund 2000 Polizeibeamte aufgeboten. Unter Anspielung auf den 32. Jahrestag des missglückten Putsches vom 23. Februar 1981 standen die Proteste unter dem Motto "Nein zum finanziellen Staatsstreich". Die Menschen werfen der Regierung vor, zu großzügig zur Finanzbranche zu sein. Spanien stehe heute einem "Finanz-Putsch" gegenüber, hieß es.

Die Arbeitslosenquote hat in Spanien einen Rekordstand von 26,9 Prozent erreicht und ist damit eine der höchsten in Europa.

kha/dpa/AP/ Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Das ist der Unterschied zwischen einem
ratschbumm 23.02.2013
Zitat von sysopGetty Images"Das Gesundheitswesen ist nicht zu verkaufen", "Rajoy, mach es dem Papst nach und trete zurück" war auf ihren Plakaten zu lesen. Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag in mehreren Städten Spaniens gegen die konservative Regierung Mariano Rajoys . http://www.spiegel.de/politik/ausland/zehntausende-spanier-protestieren-gegen-sparkurs-a-885220.html
gebeutelten und einem vollgefressen satten Volk. Was war noch an Sarrazzins Thesen so falsch ? Ach so, sie waren nicht an die Kirchentür in Wittenberg genagelt. Richtig waren sie totzdem.
2.
Stäffelesrutscher 24.02.2013
Zitat von sysopGetty Images"Das Gesundheitswesen ist nicht zu verkaufen", "Rajoy, mach es dem Papst nach und trete zurück" war auf ihren Plakaten zu lesen. Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag in mehreren Städten Spaniens gegen die konservative Regierung Mariano Rajoys . http://www.spiegel.de/politik/ausland/zehntausende-spanier-protestieren-gegen-sparkurs-a-885220.html
Können wir uns darauf verständigen, dass die Demonstranten am Neptunbrunnen auf der Plaza de Cánovas del Castillo versammelt waren?
3. mit recht, denn . . .
wurzelbär 24.02.2013
nicht das Volk, der Staat ist das Problem - wie auch in den anderen Ländern, wie Frankreich, Portugal, Griechenland, Deutschland, Zypern, Spanien etc. etc. Es sind allein die Politiker und die Regierungen mit den Banken die diese Probleme geschaffen und verursacht haben, aber das Volk soll für diese Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit als Problemlöser herhalten. Das wird nicht funktionieren. Auch nicht unter der geplanten "Diktatur" von Brüssel ! Politiker und die Regierungen müssen selber die Verantwortung für IHR handeln übernehmen ! (Wie die "Machtabtretung" zur EU - die kein Bürger will. Die Bürger müssen das diesen "Verursachern" klar und deutlich zu verstehen geben !
4.
Onkel_Karl 24.02.2013
Zitat von sysopGetty Images"Das Gesundheitswesen ist nicht zu verkaufen", "Rajoy, mach es dem Papst nach und trete zurück" war auf ihren Plakaten zu lesen. Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag in mehreren Städten Spaniens gegen die konservative Regierung Mariano Rajoys . http://www.spiegel.de/politik/ausland/zehntausende-spanier-protestieren-gegen-sparkurs-a-885220.html
Die Realität in Europa holt uns ein und wir sehen Früchte unserer Politik die gescheitert ist,in Italien vertrauen Menschen lieber einem Komiker und einem Bunga Bunga Man als einem realen Politiker. In Spanien gehen hunderttausende Menschen auf die Strassen weil sie nichts mehr mit Brüssel zu tun haben wollen,sie haben erkannt was es bedeutet einen Kredit aufzunehmen und sich somit auf Jahre versklaven ohne eine Perspektive. Griechenland zeigt ja was es bedeutet einen Aufpasser der Troika an der Seite zu haben. EU bricht auseinander und nur die Kredite halten die Zone noch am Leben aber es wird nicht mehr lange dauern und erster Mitglied wird aussteigen und somit den Dominoeffekt auslösen,die anderen werden dem folgen und endlich haben wir ein Schrecken mit ende..
5. Aufstand
roger13 24.02.2013
Die Spanier machen Druck auf ihre Regierung. Rajoy hat sich selbst als Handlanger von Brüssel entlarvt. Die undemokratische EU versucht jetzt in Italien nochmals einen ihne verpflichteten Paladin zu installieren. Hoffentlich gewinnen Grillo und Berlusconi. Das wäre auch ein Sieg der Menschen in Spanien über die EU-Krake.
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Bevölkerung: 46,196 Mio.

Fläche: 505.988 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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