Genf - Zehntausende Syrer sitzen nach Uno-Angaben vielerorts wegen anhaltender Kämpfe in ihren Wohnungen in der Falle. Aus Angst, ins Kreuzfeuer zu geraten oder gar gezielt beschossen zu werden, trauten sie sich nicht mehr auf die Straße, sagte die Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Melissa Fleming.
Derzeit seien innerhalb des Bürgerkriegslandes etwa 1,5 Millionen Menschen "entwurzelt und als Flüchtlinge entweder bei Gastfamilien oder in provisorischen Nothilfelagern" untergekommen. Diesen Menschen Hilfe zu leisten, sei angesichts der gefährlichen Lage im Lande immer schwieriger.
Vor allem in der umkämpften Großstadt Aleppo sei die Sicherheitslage "dramatisch". Auch aus der Hauptstadt kämen Berichte über Explosionen und eine Ausweitung der Gewalt. So seien in einem älteren Lager für palästinensische Flüchtlinge bei einem Beschuss mit Mörsergranaten mindestens 20 Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden. Kämpfe wurden auch aus Hama, Daraa und der Hauptstadt Damaskus gemeldet.
Auch das Kinderhilfswerk Unicef schlägt Alarm. "Allein aus Aleppo sind 200.000 Menschen geflohen. Über 16.000 haben dort in Schulen, Moscheen und öffentlichen Gebäuden Zuflucht gesucht. Jeden Tag sterben Kinder, verlieren ihre Angehörigen oder sind Zeuge schrecklicher Gewalt." Schätzungsweise zwei Millionen Syrer seien inzwischen unmittelbar von der Gewalt betroffen. Eine Reporterin des arabischen Fernsehsender al-Dschasira berichtet, Aleppo stehe vor einer humanitärer Katastrophe. Vor den wenigen verbliebenen Bäckereien bildeten sich lange Schlangen. Gas zum Kochen sei Mangelware.
Aus der Stadt Hama berichten Aktivisten von einem neuen Massaker der Regierungstruppen mit 62 Opfern. Unter den Toten im Stadtteil al-Arbain seien auch Frauen und Kinder, teilten die Lokalen Koordinationskomitees mit, ein Dachverband örtlicher Aktivisten. Das Militär habe auf den Dächern Scharfschützen postiert. Die Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.
Uno sucht neuen Vermittler für Syrien
Nach dem Abgang des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan bemüht sich die internationale Gemeinschaft nun um Handlungsfähigkeit. Die Suche nach einem neuen Vermittler läuft. Die Uno-Vollversammlung will an diesem Freitag das Regime von Machthaber Baschar al-Assad erneut per Resolution verurteilen.
Die Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat beschuldigten sich gegenseitig, für das Scheitern von Annans Vermittlungsbemühungen verantwortlich zu sein. Die USA gaben Russland und auch China eine Mitschuld am Rückzug des Sondergesandten. Russland dagegen warf dem Westen indirekt vor, Annan aus dem Spiel genommen zu haben, um freie Hand für den Einsatz von Gewalt zu haben. China will im Syrien-Konflikt eine politische Lösung unterstützen.
ffr/dpa/Reuters
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