Zeitungsbericht Israel soll Nuklearschlag gegen Iran planen

Die USA planen einen Atomangriff auf iranische Atomanlagen, hieß es im Frühjahr 2006 - was die Regierung Bush damals dementierte. Jetzt meldet die "Sunday Times", Israel bereite einen solchen Angriff vor. Die Piloten sollen bereits trainieren.


London - Israel plane mit einem einzigen Angriff Atomanlagen in Iran auszuschalten. Dabei sollten Bunkerbrechende Bomben eingesetzt werden, berichtete die "Sunday Times" heute unter Berufung auf mehrere Quellen in der israelischen Armee. Dem Bericht zufolge bereiten sich zwei Luftwaffen-Geschwader auf den Einsatz vor. In den vergangenen Wochen seien die Piloten mehrmals nach Gibraltar geflogen, um den 2000-Meilen-Flug zu trainieren.

Satellitenaufnahme von der Anlage in Arak
AFP

Satellitenaufnahme von der Anlage in Arak

Der Plan: Lasergesteuerte konventionelle Raketen öffnen "Tunnel" zu den eigentlichen Zielen in den Bunkeranlagen. Mini-Nuklearwaffen mit einem fünfzehntel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe werden anschließend in diese Tunnel abgefeuert.

"Sobald wir grünes Licht haben, wird die Mission gestartet. Ein Schlag - und das iranische Atomprogramm wird zerstört sein", zitierte die "Sunday Times" eine Quelle. Ein Nuklearschlag wird nach Angaben des Blattes erwogen, da konventionelle Waffen möglicherweise nicht ausreichten, um die gut geschützten Ziele zu zerstören. Die Anlagen liegen teilweise unter einer 20 Meter dicken Betonschicht.

Die Atomwaffen würden tief unter der Erdoberfläche explodieren, um das Risiko eines nuklearen Niederschlags zu minimieren.

Dieser Plan ähnelt einem vom US-Magazin "New Yorker" im April beschriebenen angeblichen Vorhaben der USA. Das Weiße Haus hatte den Bericht zurückgewiesen, den US-Starjournalist Seymour Hersh damals verfasste.

Nach Informationen der "Sunday Times" haben sich israelische Verantwortliche wiederholt mit US-Experten getroffen, um einen solchen Militäreinsatz zu erörtern. Die Zeitung spekulierte, dass die Offenlegung eines solchen Angriffsplans das Ziel haben könnte, Druck auf den Iran auszuüben, damit dieser sein Atomprogramm einstelle.

Dem Bericht zufolge gelten als Hauptziele:

  • Das Forschungslabor und die Produktionsstätten in Natans - dort lagen Tausende Zentrifugen, die zur Urananreichung benötigt werden

  • Die Reaktoranlage bei Isfahan. Dort lagern nach Angaben des iranischen Vizepräsidenten 25 Tonnen Gas, die zur Urananreicherung benötigt werden

  • Die Produktionsstätten in Arak, wo künftig waffenfähiges Plutonium hergestellt werden könnte.

Die Iraelis glauben dem Bericht zufolge, dass ein Ausschalten dieser Ziele das Atomprogramm des Iran auf unbestimmte Zeit verzögern würde.

Die Regierung hat in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass Iran Atomprogramm nicht hingenommen würde. Schließlich ist Iran Präsident Mahmud Ahmadineschad ein erklärter Feind Israels.

Israel wies die angaben der "Sunday Times" über die angeblichen Angriffspläne zurück. Ein ranghoher israelischer Regierungsbeamter nannte den Zeitungsbericht am Sonntag "absurd". Israel plane nach wie vor keinen militärischen Angriff gegen den Iran, sondern unterstütze die vom Uno-Sicherheitsrat gegen Teheran verhängten Sanktionen. Israel hatte allerdings bereits 1981 einen Angriff gegen einen irakischen Atomreaktor geführt.

Iran warnte Israel vor Angriffen auf sein Territorium drohte und mit Gegenangriffen. Außenamtssprecher Mohammed Ali Hosseini erklärte in Teheran, jegliche Militäraktion gegen die Islamische Republik werde "nicht ohne Antwort bleiben". Der "Agressor" werde seine Tat "sehr schnell bereuen".

jul/phw/AFP/reuters



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