Zentralafrika Angst vor Gewalt bei der Kongo-Wahl

Schon um sechs Uhr öffneten landesweit mehr als 50.000 Wahlbüros: Im Kongo haben die ersten freien Wahlen seit 40 Jahren begonnen. In der Hauptstadt Kinshasa versuchen Truppen, Gewaltausbrüche wie in den vergangenen Wochen zu verhindern.


Kinshasa - "Das ist ein historischer Moment für uns, ich bin sehr bewegt", sagte die 46 Jahre alte Wählerin Rose Muderwa am Morgen mit Tränen in den Augen. "Es ist ein Wendepunkt, jetzt können wir wieder stolz sein, Kongolesen zu sein."

Wählerin in Goma: Ergebnis in drei Wochen
REUTERS

Wählerin in Goma: Ergebnis in drei Wochen

Wie sie sind mehr als 25 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihren Präsidenten und das Parlament neu zu bestimmen. Trotz eines von blutigen Unruhen überschatteten Wahlkampfs setzen viele in dem Land, das über Jahrzehnte hinweg unter Ausbeutung, Diktatur und Bürgerkriegen leiden musste, große Hoffnungen auf einen Neubeginn.

Die Oppositionspartei UDPS hat allerdings zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Amtsinhaber Joseph Kabila und Vizepräsident Jean-Pierre Bemba gelten als Favoriten bei der Wahl. Um die Präsidentschaft bewerben sich auch 30 weitere Kandidaten. Das Ergebnis soll in drei Wochen bekannt gegeben werden. Eine Stichwahl würde im Herbst stattfinden. Für die 500 Sitze im Parlament kandidieren mehr als 9000 Bewerber. In Kinshasa sind die Wahlzettel etwa so umfangreich wie ein Wandkalender.

Eine Milliarde Dollar Kosten

Die Bundeswehr hilft im Rahmen einer EU-Truppe mit 280 Mann in der Hauptstadt Kinshasa bei der Absicherung der Wahlen. Für die Vereinten Nationen ist es die größte Mission zur Unterstützung von Wahlen, die die Weltorganisation je auf den Weg gebracht hat. Schätzungen zufolge kostet die Wahl rund eine Milliarde Dollar. Im unruhigen Osten des Landes sollen die 17.000 Blauhelme der Uno-Mission im Kongo die Wahl absichern.

In den vergangenen Tagen war es immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Erst am Donnerstag starben dabei sechs Menschen. In einigen Regionen besonders im Osten ist die Abstimmung durch Gewalt von Rebellen und Milizen gefährdet. Oppositionsparteien protestierten gegen mutmaßliche Unregelmäßigkeiten.

Die aus 53 Ländern bestehende Afrikanische Union rief die Kongolesen am Samstag auf, in großer Zahl zu den Urnen zu gehen und sich dabei friedlich zu verhalten. In vielen schwer zugänglichen Teilen des Landes mit der Größe Westeuropas mussten die Wahlzettel in Rucksäcken oder Kanus zu den Wahllokalen gebracht werden.

itz/dpa/AP/AFP/Reuters



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