Mission in Zentralafrika Bundeswehr verbietet Soldaten Zutritt zum EU-Lager

Die deutsche Beteiligung an der EU-Mission in Zentralafrika startet mit einem Flop: Weil das Lager der Soldaten kontaminiert sein könnte, dürfen die Deutschen vorerst nicht mehr ins Camp. Die Truppe fürchtet nun den Spott der Partner-Nationen.

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Soldat der EU-Mission am Flughafen Bangui in Zentralafrika: "Missliche Lage"
AFP

Soldat der EU-Mission am Flughafen Bangui in Zentralafrika: "Missliche Lage"


Berlin - Wenn es um die neue Rolle Deutschlands und mehr Verantwortung geht, erwähnt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als Beispiel sehr gern Zentralafrika. In dem afrikanischen Krisenland, so analysierte die Ministerin im Januar, entfalte "sich ein blutiger Krieg". Deswegen, so die damals ganz frische Befehlshaberin, könne man "nicht zulassen, dass der Konflikt die ganze Region in Flammen setzt".

Mit der düsteren Prognose rechtfertigte von der Leyen damals ihre Entscheidung, dass sich die Bundeswehr an einer EU-Mission von rund 1000 Soldaten beteiligt. Die von der EU entsandte Truppe soll wenigstens rund um den Flughafen Bangui für ein bisschen Ruhe sorgen. Die Bundeswehr hingegen kümmert sich bei der neuen Auslandsmission nur per Flugzeug um die Logistik, zudem stellt die deutsche Armee eine Handvoll Stabssoldaten für das Hauptquartier der EU-Einheiten.

Selbst der deutsche Mini-Einsatz jedoch ist mit einem Flop gestartet. So verbot die Bundeswehr nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ihren gerade mal vier Soldaten in Bangui kürzlich bis auf Weiteres das Betreten des Feldlagers der EU-Mission, da auf dem Gelände akute Vergiftungsgefahr herrsche. Über das sogenannte "Betretungsverbot" unterrichtete der Generalinspekteur vergangene Woche den Verteidigungsausschuss.

Offenbar wurden giftige Stoffe jahrelang einfach verklappt

Hintergrund des Verbots ist demnach eine mögliche Giftstoff-Kontaminierung des Geländes, auf dem die EU-Truppe ihr Lager aufbaut. Auf dem riesigen Areal, vom Flughafen nur wenige Minuten entfernt, hatten erste Messungen eine Belastung durch gesundheitsschädliche aromatische Kohlenwasserstoffe ergeben. Früher stand dort die Textilfabrik UCATEX, während der Produktion wurden giftige Stoffe offenbar jahrelang einfach verklappt.

Mit dem Verbot reagierte die Bundeswehr nun auf eine mögliche Gefahr für die deutschen Soldaten. Zwar hatte man zunächst die Messungen angezweifelt und auch ein Risiko dementiert. Nachdem aber Medien von dem Fall Wind bekamen, entschloss man sich zum Handeln. Nun will die Truppe die mögliche Belastung durch eigene Untersuchungen überprüfen. So lange müssen die Soldaten erst mal draußen bleiben.

Der Truppenführung macht der verstolperte Start des deutschen Engagements Sorgen. Die Truppenführung spricht von einer "misslichen Lage", da die deutsche Regelung bei den anderen EU-Nationen als übervorsichtig interpretiert werden könnte. Die anderen Nationen haben demnach keine Probleme wegen des Gift-Risikos. Erste hämische Kommentare über die "Weicheier" aus Deutschland sollen schon gefallen sein.

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Seite 1
schmusel 07.07.2014
1. Mal sehen...
... ob die Partner auch noch hämisch sind wenn irgendwann die ersten Krankheitsfälle auftreten sollten. Was daran jetzt peinlich für die deutsche vier Mann Truppe sein soll, verstehe ich nicht. Darf man sich denn grundsätzlich nicht um die Gesundheit von Soldaten sorgen - also abseits von Kampfhandlungen?
13-0-46 07.07.2014
2. Richtig so
Mal abgesehen davon ob diese Mission jetzt sinnvoll ist oder nicht und ob Deutschland wirklich mehr Soldaten in sogenannte Krisengebiete schicken sollte. Die Entscheidung zum Schutz der Soldaten ist absolut richtig. Lächerlich macht sich hier lediglich derjenige, der das Lager auf einer Giftmülldeponie geplant hat. Wäre ja noch schöner, wenn bei einer Mission, die im Nachhinein vermutlich mehr im Land zerstört hat, als verbessert, unsere Soldaten durch Vergiftungen verletzt wurden.
chris wolfy 07.07.2014
3. contamination ID
Hallo, Ohne nachzuforschen nehme ich mal an dass die "aromatisieren Wasserstoffe" PAH (polycyclic aromatic hydrocarbons") sind also Kohlenwasserstoffe auf der Basis von mehreren fusionierten Benzolringen. die spezielle Elektronenverteilung im Benzolring wird als "aromatisch" bezeichnet. PAH sind krebserregend (wie z.B. die PAH im Tabakrauch). Wenn die Bundeswehr hier vorsichtig ist denke ich ist das kein Fehler.
druck_im_topf 07.07.2014
4. Absolut richtig
Die Weichei-Diskussion findet immer im Vorfeld statt. Hinterher interessiert es keinen mehr, ob man persönlichen Schaden genommen hat. Die Liquidatoren von Tschernobyl oder die Veteranen der US-Kriege sind gute Beispiele für harte Männer, die nun als unnutze Wesen ihr Dasein fristen müssen! Einen schönen Tag noch.
specialsymbol 07.07.2014
5. Interessant
Für die Soldaten ist die Gesundheitsgefährdung zu hoch. Für normale Menschen anscheinend nicht..
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