Zentralafrikanische Republik EU bekommt Afrika-Truppe nicht zusammen

Gegen das Morden in Zentralafrika will die EU eine Militäreinheit schicken. Doch die Mission geht nur schleppend voran - weil es an Soldaten und Logistik fehlt. Die Außenbeauftrage Ashton sieht die Glaubwürdigkeit der Europäer in Gefahr.

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Französische Truppen in Bangui: Viele Zusagen, wenig Personal
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Französische Truppen in Bangui: Viele Zusagen, wenig Personal


Berlin - Die Planungen für die EU-Stabilisierungsmission in der Zentralafrikanischen Republik geraten kurz vor dem geplanten Start massiv ins Stocken. Der Kommandeur des Einsatzes, der französische General Philippe Pontiès, weigert sich, den Marschbefehl zu erteilen. Denn bisher kommen aus den EU-Nationen bei weitem nicht die nötigen Soldaten für die Operation mit rund tausend Mann. Sowohl bei den Soldaten als auch bei der benötigten Logistik, so EU-Diplomaten, gebe es bisher noch große Lücken.

In Berlin sind die Probleme seit Wochen bekannt. Bei einem Briefing für ausgewählte Bundestagsabgeordnete berichtete der Generalinspekteur der Bundeswehr kürzlich von "erheblichen Problemen" bei der "force generation". So nennen Militärs die Angebote für Soldaten aus einzelnen EU-Nationen. Zunächst habe die Zahl der zugesagten Soldaten nur bei knapp 150 gelegen. Nach einer letzten Runde der EU-Staaten Ende Februar kam man durch viele aber meist kleine Angebote von insgesamt zwei Dutzend Ländern zumindest auf knapp 800 Mann.

Größere Probleme gibt es allerdings noch bei der Logistik wie dem Lufttransport der Truppe, die hauptsächlich den Flughafen der Hauptstadt Bangui sichern soll. Hier sind nur 20 Prozent der benötigten Zusagen bisher erreicht. Deutschland hat für die Mission bisher Luftransportfähigkeiten und eine Handvoll Stabssoldaten für die Hauptquartiere der EU-Truppe zugesagt. Wegen der schleppenden Zusagen aus anderen Ländern verschob die Regierung bereits das geplante Bundestagsmandat für den Auslandseinsatz, dies soll nun erst am 19. März vorgelegt werden.

Frankreich fordert die EU-Partner aktuell recht deutlich auf, sich endlich zu bewegen und die nötigen Zusagen zu tätigen. Auch die Außenbeauftragte der EU, Cathrine Ashton, machte kürzlich in einer Art Brandbrief Druck. "Langfristig droht die EU ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Denn unser Einsatz wurde den Partnern in der Zentralafrikanischen Republik und der Region angekündigt", mahnte sie. "Die Zeit ist gekommen, um zu liefern und um die internationale Gemeinschaft im Bemühen zu unterstützen, die Zentralafrikanische Republik zu einem sicheren Platz zu machen", so der Brief von Ashton.

Keine Kampftruppen der Bundeswehr

Die mühselige Aufstellung der Truppe zeigt wieder einmal, wie schwer sich die EU in der Realität bei Militärmissionen tut. Zwar sagten mehr als ein Dutzend Nationen bereits Truppen zu, meist aber handelt es sich nur um Kontingente von rund 30 Mann. Wenn nicht Georgien, das als Nicht-EU-Land an der Mission teilnehmen will, ganze 150 Soldaten angeboten hätte, wäre man von der magischen Grenze von tausend Mann noch sehr viel weiter entfernt. Bei den Militärs sorgt die Zurückhaltung mittlerweile für einigen Spott. "Im Reden ist die EU immer groß", so ein Top-Nato-Mann, "wenn es ans Liefern geht, halten sich dann aber alle gepflegt zurück".

Wegen der kritischen Situation wollen die EU-Außenminister das Thema nun am kommenden Montag auf ihren Treffen in Brüssel noch einmal auf die Tagesordnung heben. Mit dem politischen Druck von Frankreich und Ashton, so die Hoffnung, könne die Truppe doch noch auf den letzten Drücker zusammenkommen.

In Berlin fürchtet man schon, dass auf die Bundeswehr neue Anfragen zukommen könnten, wenn sich andere EU-Nationen nicht zur Ausweitung ihrer Angebote entscheiden. Kanzlerin Angela Merkel hatte allerdings die Entsendung von Kampftruppen der Bundeswehr von Beginn an kategorisch ausgeschlossen.

Die EU-Truppe war bereits vor Monaten auf Wunsch Frankreichs beschlossen worden, um die in der Krisenrepublik eingesetzten französischen Truppen zu unterstützen. Sie bemühen sich, Gewalt zwischen christlichen und islamischen Milizen zu verhindern. Eigentlich sollte die EU-Truppe bereits ab Ende März in Afrika operieren. Dieser Zeitplan erscheint angesichts der Probleme jedoch in weiter Ferne.

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insgesamt 13 Beiträge
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JKStiller 14.03.2014
1. Frankreich als ehemalige Kolonialmacht
hat doch die Legion Entrangere. Die sind auch im Dschungelkampf ausgebildet. Ich vermag mir das Chaos gar nicht vorzustellen, wenn zum Schluss zehn Länder Soldaten ohne französische Sprachkenntnisse dahin schicken. Und was macht eigentlich die Afrikanische Union? In den vergangenen Jahrzehnten gab es genug Kriege in Afrika, so dass dort Militär mit Kampferfahrung ist. Was ist mit Südafrika? Für mich ergibt das alles keinen Sinn.
carlymeanslove 14.03.2014
2. Außenwirkung
Die Europäer möchten überall am großen Rad drehen und ernst genommen werden. Dabei sind sie nur ein Haufen völlig zerstrittener Waschweiber. Das ist jedenfalls die Außenwirkung. Was den Europäern fehlt, ist eine gemeinsame Regierung, die wirklich respektiert wird. Auch von der eigenen Bevölkerung. Aber so ist es nicht, und die Wahlbeteiligung bei den diesjährigen Europawahlen wird diese These untermauern.
bodybodyhead 14.03.2014
3. Trauerspiel EU Battlegroup
Die EU sollte sich sehr genau überlegen wie lange sie sich ein nichts tun in Afrika leisten kann. Krisenprävention allein mit Militärischen Mitteln ist nicht zielführend , aber um ein Arbeiten für NGO's zu ermöglichen ist ein sicheres Umfeld notwendig. Die Probleme werden sich nicht von alleine lösen und die Flüchtlingsströme werden nicht abreißen .
Berufskritiker 14.03.2014
4. Die EU Labertaschen!
Zitat von sysopREUTERSGegen das Morden in Zentralafrika will die EU eine Militäreinheit schicken. Doch die Mission geht nur schleppend voran - weil es an Soldaten und Logistik fehlt. Die Außenbeauftrage Ashton sieht die Glaubwürdigkeit der Europäer in Gefahr. http://www.spiegel.de/politik/ausland/zentralafrika-eu-bekommt-truppen-nicht-zusammen-a-958728.html
Die Wahlen werden zeigen wohin der Wind inzwischen in Europa weht! Ein spanischer Familienvater verdient einen Bruchteil dessen was ein EU mitarbeiter am Fotokopierer verdient. Von einer Leitungsfunktion ganz zu schweigen. Macht den Labertschenclub endlich wieder zu, genauso wie die Grenzen und die Währung!
ichsagwas 14.03.2014
5. Die Franzosen sollen es alleine machen
Lassen wir doch die Afrikaner ihre Probleme alleine lösen, sollen sie doch selbst Friedenstruppen aufstellen, und wenn sie nicht fähig dazu sind, dann eben keine. Wenn sich die Menschen dort gegenseitig massakrieren, ist das sehr hässlich. Ich finde aber nicht, dass wir Europäer in irgendeiner Weise verpflichtet sind, dort einzugreifen. Wenn die Franzosen mit ihren postkolonialen Ambitionen Soldaten in die Zentralafrikanische Republik schicken möchten - dann können sie es gerne tun. Aber bitte alleine.
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