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Unicef schlägt Alarm: Millionen Kinder in Zentralafrika "massiv bedroht"

Verängstigtes Kind mit Mutter in Bangui: "Man fragt sich, ob hier die Menschlichkeit völlig verloren gegangen ist" Zur Großansicht
REUTERS

Verängstigtes Kind mit Mutter in Bangui: "Man fragt sich, ob hier die Menschlichkeit völlig verloren gegangen ist"

Unicef hat für Zentralafrika die höchste Notfallstufe ausgerufen: Millionen Kinder seien in Gefahr. Sie werden gezielt getötet oder verstümmelt, sexuell missbraucht und von Milizen als Kindersoldaten rekrutiert.

Bangui - Von dem blutigen Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik sind nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef rund 2,3 Millionen Kinder betroffen. Sie seien durch die Gewalt direkt und "massiv bedroht", sagte der Unicef-Kommunikationsbeauftragte für Zentralafrika, Daniel Timme. Kinder würden gezielt getötet oder verstümmelt, sexuell missbraucht und von bewaffneten Gruppen als Kämpfer rekrutiert.

In der Zentralafrikanischen Republik, wo seit einem Putsch im vergangenen Jahr ein Bürgerkrieg tobt, leben insgesamt rund 5,3 Millionen Einwohner; knapp die Hälfte davon sind laut CIA World Factbook jünger als 14 Jahre.

Die Zustände seien "katastrophal", das Leid das Kinder sei "sehr, sehr groß", sagte Timme, der seit März für Unicef in Zentralafrika im Einsatz ist. Das einzige Kinderkrankenhaus in der Hauptstadt Bangui "platzt aus allen Nähten". Dort würden Kleinkinder behandelt, die "mit Granatsplittern übersät und mit Macheten verstümmelt" seien oder Schusswunden im Gesicht hätten.

"So wenig Respekt vor Leben"

"Man fragt sich, ob hier die Menschlichkeit völlig verloren gegangen ist, wenn erwachsene Menschen durch die Straßen laufen, Kindern ins Gesicht schießen und dafür nicht einmal belangt werden", sagte Timme, der auch schon im Kongo und nach dem Tsunami in Indonesien gearbeitet hat. Dass es in Zentralafrika nur noch "so wenig Respekt vor Leben" gebe, nehme ihn sehr mit.

In der Zentralafrikanischen Republik hatte das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Séléka 2012 einen Aufstand begonnen und im März 2013 Staatschef François Bozizé gestürzt. Der Putsch riss das Land in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen, in deren Verlauf bereits Tausende Menschen getötet wurden. Rund eine Million Menschen sind auf der Flucht.

Die Flüchtlinge seien besonderen Risiken ausgesetzt, sagte Timme. Sie müssten teilweise im Freien übernachten, außerdem mangele es an Nahrung, sauberem Wasser und Sanitäranlagen. Viele Kinder seien durch Mangelernährung akut vom Tode bedroht. Im Krankenhaus von Bangui habe sich die Zahl der mangelernährten Kinder zuletzt verdreifacht. Krankheiten wie Malaria und die mit dem bevorstehenden Beginn der Regenzeit drohende Cholera seien ein weiteres großes Problem.

Unicef hat für die Krise in Zentralafrika die höchste Notfallstufe ausgerufen, die Zahl der Mitarbeiter wurde verdoppelt. Das Hilfswerk versorgt unter anderem Flüchtlinge mit Planen, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikeln. Kinder, die Gewalt erlebt haben, bekommen eine psychosoziale Betreuung. Nach Verhandlungen mit Milizen wurden laut Timme seit Jahresbeginn zudem rund tausend Kindersoldaten freigelassen, die Unicef nun betreut und unterstützt.

Timme hatte kürzlich in einem ZDF-Interview gesagt, Unicef benötige im laufenden Jahr etwa 80 Millionen Dollar, um beim Noteinsatz in Zentralafrika "vernünftig arbeiten" zu können. Davon würden noch rund 60 Millionen fehlen.

rls/AFP

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insgesamt 114 Beiträge
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1. Wer hat sie denn bewaffnet???
wilckinson 29.05.2014
Ja wer ist denn Verantwortlich dafür, dass ganz Afrika schwer Bewaffnet ist? Was nützt die UNO wenn Grossmächte (inkl. Deutschland) nur noch Waffen verkaufen? Das ist die grösste HEUCHELEI ALLER ZEITEN. Soll unsere Frieden nur auf gegenseitige Aufrüstung beruhen? Das ist GRUNDFALSCH, man sieht wie diese Kriminellen diese Waffen einsetzen.
2. Lieber wilckinson
justice005 29.05.2014
über 90% der Waffen dort unten sind vom Typ Kalaschnikow. Wenn Sie schon so einfach gestrickt Ursachenforschunge betreiben wollen, dann führt sie die Marke des Gewehrs auch zu den Verantwortlichen.
3. 80 Millionen Dollar sind doch ein Trinkgeld
w.heinlein 29.05.2014
Jeder Monat, in dem der vielleicht noch fertig zu bauende Flughafen Berlin-Brandenburg als Baustelle vor sich hingammelt kostet 30 Millionen Euro - nur mal so zum Fenster hinausgeschmissen! In zwei Monaten hätte man da das Geld zusammen (60 Mill. Euronen etwa gleich 80 Mill Dollares) um was Sinnvolles zu bezahlen.
4. Wie menschlich sind wir?
balmy_matrix 29.05.2014
Na super, 2.3 Millionen Kinder sind akut gefährdet. Sie werden mit Granaten beschossen oder die Hände mit Macheten abgehackt. Anstatt das über dieses unendliche Leid mal breit berichtet, bekommen wir fast jeden Tag eine Meldung über Boko Harams Schulmädchen und die "powerful" Tweets Prominenter #bringbackourgirls vorgesetzt. Wie menschlich sind wir noch?
5. Vorschlag ?
Phil C 29.05.2014
Und was schlagen Sie denn vor ? Einen Bundeswehreinsatz ? Noch so eine Erfolgsstory with in Afghanistan / Irak / Libyen...... Und hinsichtlich der Waffen trifft uns sicherlich eine grosse Schuld, aber dafuer, dass die Menschlichkeit völlig verloren gegangen ist, sind die Afrikaner selbst verantwortlich.
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Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten

Eigenname: Zentralafrikanische Republik

Offizieller Eigenname: République Centrafricaine

Staatsoberhaupt:
Faustin Archange Touadéra
(seit März 2016)

Regierungschef: Mathieu Simplice Sarandji (seit April 2016)

Außenminister: Charles Armel Doubane (seit April 2016)

Staatsform: Präsidialrepublik

Mitgliedschaften: Uno, AU

Hauptstadt: Bangui

Amtssprache: Französisch, Sango

Religionen: mehrheitlich Christen (etwa 25% Katholiken und 25% Protestanten)

Fläche: 622.984 km²

Bevölkerung: 4,803 Mio. Einwohner (2015; geschätzt)

Bevölkerungsdichte: 7,7 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 2,0%

Fruchtbarkeitsrate: 4,5 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 1. Dezember

Zeitzone: MEZ -0 Stunden

Mehr Informationen bei Wikipedia

Wirtschaft
Währung: CFA-Franc

Bruttosozialprodukt: 1,577 Mrd. US$

Wachstumsrate des BIP: 6,9%

Anteile am BIP: Landwirtschaft 54%, Industrie 14%, Dienstleistungen 32%

Inflationsrate: 2,5% (2015; geschätzt)

Handelsbilanzsaldo: -105,1 Mio. US$ (2012; ohne Dienstleistungen)

Export: 116,1 Mio. US$ (2012; ohne Dienstleistungen)

Hauptexportgüter: Diamanten, Edelsteine, Edelmetalle (30,5%), Holz und Holzprodukte (11,8%) (2012)

Hauptausfuhrländer: Belgien (23,6%) (2012)

Import: 221,2 Mio. US$ (2012; ohne Dienstleistungen)

Hauptimportgüter: Maschinen und Elektrogeräte (20,0%), Fahrzeuge und Transportmittel (15,0%) (2012)

Hauptlieferländer: Frankreich inklusive Monaco (25,2%), Volksrepublik China (11,4%) (2012)

Landwirtschaftliche Produkte: Baumwolle, Kaffee, Vieh, Tabak, Maniok, Süßkartoffeln, Holz

Rohstoffe: Diamanten, Gold, Uran, Eisenerz, Kupfer, Zinn, Zink
Gesundheit, Soziales, Bildung
Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 3,8%

Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (am BIP): 1,2%

Medizinische Versorgung: Ärzte: 0,0/1000 Einwohner

Säuglingssterblichkeit: 91/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 890/100.000 Geburten

Lebenserwartung: Männer 47 Jahre, Frauen 51 Jahre

Schulpflicht: 6-14 Jahre
Energie, Umwelt, Tourismus
Geschützte Gebiete: 18,0% der Landesfläche

CO2-Emission: 264.000 t

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 1%, Industrie 16%, Haushalte 82%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 92% der städtischen, 51% der ländlichen Bevölkerung

Tourismus: 53.821 Besucher (2010)

Einnahmen aus Tourismus: 7,2 Mio. US$ (2010)
Militär
Streitkräfte: 2150 Mann (Heer 2000, Luftwaffe 150)

Militärausgaben (am BIP): 2,6%
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