Unruhen in Zentralafrika Christliche Milizen nehmen Rache an Muslimen

Der Präsident ist zurückgetreten, doch die Gewalt dauert an. In der Zentralafrikanischen Republik machen christliche Milizen Jagd auf Muslime. Der abgesetzte Staatschef Michel Djotodia ist auf der Flucht in Richtung Benin.

Straßenszene in Bangui: "Jetzt ist die Zeit für Vergeltung"
AFP

Straßenszene in Bangui: "Jetzt ist die Zeit für Vergeltung"


Bangui - Der Rücktritt von Präsident Michel Djotodia hat die Lage in der Zentralafrikanischen Republik nicht beruhigt. Obwohl der Staatschef sein Amt am Freitag auf Druck der Nachbarstaaten aufgeben hatte, ist die Gewalt in der Hauptstadt Bangui erneut eskaliert.

Christliche Milizionäre machen nach Djotodias Machtverzicht Jagd auf Muslime. Er war der erste Muslim an der Spitze des multikonfessionellen Staats, auch seine Anhänger gehörten größtenteils dem Islam an.

Am Samstag plünderten die Gegner des Ex-Präsidenten trotz einer Ausgangssperre zahlreiche muslimische Geschäfte in Bangui. Mindestens drei Menschen wurden dabei getötet. Auch einige Moscheen seien angegriffen worden. Französische Truppen und Soldaten der Afrikanischen Union patrouillierten mit gepanzerten Fahrzeugen in den Straßen der Hauptstadt, konnten jedoch die Gewalt nicht stoppen. "Die Muslime haben uns getötet und misshandelt. Jetzt ist die Zeit für Vergeltung", sagte ein Bewohner von Bangui.

2,2 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe

Der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik tobt seit Beginn des vergangenen Jahres. Im März 2013 hatten Rebellen unter Djotodias Führung den damaligen Präsidenten François Bozizé gestürzt. Christliche Gruppen fühlten sich von Djotodias muslimischen Kämpfern drangsaliert und stellten rüsteten daraufhin Milizen auf.

In den vergangenen Wochen eskalierte die Gewalt zwischen den verfeindeten Volksgruppen. Bei den Kämpfen wurden mehr als tausend Menschen getötet, hunderttausende Menschen flohen vor der Gewalt. Auch zehntausende Immigranten aus dem Tschad verließen das Land. Ein Militäreinsatz der französischen Armee hat die Lage bislang auch nicht befrieden können.

Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen 2,2 Millionen Menschen, die Hälfte der Landesbevölkerung, humanitäre Hilfe.

Auch Djotodia selbst ist inzwischen auf der Flucht. Am Samstag soll er im westafrikanischen Benin eintreffen. Dort hatte er bereits vor seiner Amtsübernahme mehrere Jahre verbracht, viele Verwandte leben in dem Land an der Atlantikküste.

syd/Reuters/AFP/dpa



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