Zerstörung im Irak IS-Milizen sprengen antike Königsresidenz der Assyrer

Ihr Kampf gegen die Vergangenheit kennt kein Erbarmen: Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" haben nun auch in der irakischen Stadt Chorsabad begonnen, die Ruinen einer antiken Königsfestung zu sprengen.

Tempelanlage in der Königszitadelle Dur Scharrukin: Herrschersitz um 700 v. Chr.
Getty Images/ Heritage Images

Tempelanlage in der Königszitadelle Dur Scharrukin: Herrschersitz um 700 v. Chr.


Mossul - Am Sonntag hätten die IS-Kämpfer damit begonnen, die Ruinen der Festungsanlage Dur Scharrukin im heutigen Chorsabad zu sprengen. Das berichteten Mitarbeiter der Altertumsbehörde in Ninive der Nachrichtenagentur dpa. Chorsabad liegt rund 12 Kilometer nördlich der IS-Hochburg Mossul in der Provinz Ninive im Norden des Irak.

Dur Scharrukin war für kurze Zeit Sitz des assyrischen Herrschers Sargon II, der das antike Reich um 700 vor Christus regierte. Die Festung galt zu ihrer Zeit als größte Zitadelle im orientalischen Raum. Sargon residierte nur wenige Monate in Dur Scharrukin, er starb zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung. Um 612 vor Christus wurde die Anlage von Babyloniern und Medern zerstört.

Als Fundort von Artefakten, die Aufschluss über das Leben der altorientalischen Kultur bieten, gilt Dur Scharrukin unter Archäologen als unschätzbar wertvoll. Doch in ihrem Krieg gegen die Götzenbilder der Vergangenheit macht der "Islamische Staat" vor keinem noch so kostbaren Kulturdenkmal halt.

Seit Wochen betreiben die Terrormilizen ihr zerstörerisches Werk. Erst am Samstag verwüsteten und plünderten sie die Ruinen der assyrischen Stadt Hatra, die zu den Kulturdenkmälern der Unesco zählt, zuvor zertrümmerten sie Jahrtausende alte Statuen und sprengten Grabungsstätten in der ehemaligen assyrischen Metropole Nimrud.

bor/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cloud_shouting 08.03.2015
1. Unersetzbarer Verlust
Wie lange will es sich die halbwegs zivilisierte (dazu zähle ich uns und den Westen generell) Weltgemeinschaft noch ansehen, wie diese Barbaren die eigene Vergangenheit, die auch die unsere ist, unwiederbringlich auslöschen? Gibt es gar keine Möglichkeit diese Kulturdenkmäler zu schützen?
AndreHa 08.03.2015
2.
Es gibt wohl keine Geiseln mehr, die man enthaupten kann? Dann eben den Frust an ein paar Steinen auslassen. Was für erbärmliche Gestalten.
ornitologe 08.03.2015
3. Wenn diese
gekauften Terroristen Zeit und Muße haben, militärisch belanglose Anlagen zu sprengen, dies auch immer mit einem "Islamischen Staat" in Zusammenhang gebracht wird, muss man sich fragen, welchem zweck solche Kulturbarbarei dienen soll. Der Islam konnte Jahrhunderte ohne die Zerstörung alter Kulturbauten auskommen, im Gegenteil er war anderen Religionen meist offen und tolerant gegenüber. Dass diese Verbrecher etwas mit dem Islam zu tun haben sollen, wird immer unwahrscheinlicher. Es scheinen diejenigen die wirklichen Verbrecher zu sein, die dieser gekauften Bande den Namen "Islamischer Staat" gaben und sie zu solchen Untaten anstiften.
michael1971 08.03.2015
4. Zerstörung von Bauwerken die von den eigenen Urahnen errichtet wurden..
das tut man mit Sicherheit nicht, wenn einem bewusst ist, dass es auch die eigene Vergangenheit ist. Sinnlose Zerstörungswut der eigenen Kultur, besonders in der Region mit so einem reichen kulturellen Erbe wie Ostsyrien und Irak ... und Teile der Vergangenheit sind unwiderbringlich verloren.
MrWitzig 08.03.2015
5. Der Name....
"Islamischer Staat" ist eigentlich die größte Beleidigung des Islam. Mich wundert das nicht alle islamischen Länder mit vereinter Kraft gegen diese "Barbaren" vorgehen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.