Extremist aus Mali Zerstörer von Timbuktu kommt vor Weltstrafgericht

Islamisten aus Mali hatten 2012 Mausoleen und Moscheen in Timbuktu vernichtet. Nun kommt einer von ihnen vor den Internationalen Strafgerichtshof. Erstmals verfolgt das Gericht damit die Zerstörung von Kulturgütern.

Die Ruinen eines Mausoleums in Timbuktu: Islamist nach Den Haag ausgeliefert
AFP

Die Ruinen eines Mausoleums in Timbuktu: Islamist nach Den Haag ausgeliefert


Ein mutmaßlicher Islamist, der an der Zerstörung jahrhundertealter religiöser Stätten in der malischen Wüstenstadt Timbuktu beteiligt gewesen sein soll, ist dem Internationalen Strafgerichtshof überstellt worden. Wie das Gericht am Samstag in Den Haag mitteilte, wurde Ahmad Al Faqi Al Mahdi von den Behörden Nigers ausgeliefert.

Es ist das erste Mal, dass das Gericht die Zerstörung von Kulturgütern verfolgt. Die Taten seien schwere Kriegsverbrechen, betonte die Chefanklägerin Fatou Bensouda in Den Haag. "Es geht um einen eiskalten Anschlag auf die Würde und Identität ganzer Bevölkerungen und ihrer religiösen und historischen Wurzeln."

Al Faqi, der auch unter dem Namen Abou Tourab bekannt ist und der Volksgruppe der Tuareg angehört, soll zwischen dem 30. Juni und dem 10. Juli 2012 an der Zerstörung von neun Mausoleen und einer Moschee in Timbuktu beteiligt gewesen sein. Er soll ein führendes Mitglied des Qaida-Verbündeten Ansar Dine sein. Die radikalen Islamisten betrachten die Verehrung von Heiligen als Götzendienst.

Wichtiges Kulturzentrum des Islam

Al Faqi soll eng mit einem islamistischen Gericht zusammengearbeitet haben, das die Zerstörung der Kulturstätten angeordnet hatte. Die Regierung von Mali hatte den Internationalen Strafgerichtshof mit den Ermittlungen beauftragt.

Der Norden Malis war im Zuge eines Putsches 2012 ins Chaos gerutscht. Islamisten und Tuareg-Rebellen hatten in der Region die Macht an sich gerissen. Erst durch ein Eingreifen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich im Januar 2013 konnten die Rebellen zurückgedrängt werden. Jedoch kommt es bis heute zu Anschlägen und Unruhen.

Die Wüstenstadt Timbuktu war jahrhundertelang ein wichtiges Kulturzentrum des Islam und erlebte ihre Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert. Die UN-Kulturorganisation Unesco, die Timbuktu zum Weltkulturerbe zählt, begann 2014 mit der Rekonstruktion der zerstörten Stätten.

lov/AFP/dpa



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