Zivile Opfer durch Drohnenangriffe Uno verlangt Aufklärung von USA

Im Kampf gegen den Terror setzen die USA auf Drohnen - und töten immer wieder Unbeteiligte. Wie viele? Das ist geheim. Die Uno drängt die Amerikaner nun, ihre Daten offenzulegen.


New York - Die Vereinten Nationen machen Druck auf die USA wegen der Drohnenangriffe in Pakistan und anderen Teilen der Welt. Der Uno-Beauftragte für Terrorismusabwehr, Ben Emmerson, hat von Washington die Offenlegung der Daten ihrer Angriffe mit unbemannten Flugzeugen gefordert. Ansonsten könnten Berichte über zivile Opfer nicht überprüft werden.

Die Beteiligung des US-Geheimdienstes CIA an den Angriffen sei ein "unüberbrückbares Hindernis für die Transparenz", schrieb Emmerson am Freitag in einem Bericht für die Uno-Vollversammlung. Dies mache es unmöglich, die Zahl der zivilen Opfer in Pakistan, Somalia, dem Irak und dem Jemen abzuschätzen.

Erwägungen zur nationalen Sicherheit rechtfertigte es nicht, Daten dieser Art zurückzuhalten, schrieb Emmerson. Die Regierung von Präsident Barack Obama hält die Daten unter Verschluss, stellt die Zahl der zivilen Todesopfer jedoch als gering dar. Emmerson forderte auch Großbritannien und Israel auf, ihre Kriegsführung mit unbemannten Flugkörpern offenzulegen.

Pakistan berichtet von 400 getöteten Zivilisten

Dem Uno-Papier zufolge berichten pakistanische Behörden, dass es in ihrem Land seit 2004 mindestens 330 Drohnenangriffe gegeben habe, die meisten in den Grenzregionen zu Afghanistan. Dabei seien etwa 2200 Menschen getötet und 600 schwer verletzt worden - nach Angaben des unabhängigen Journalisten-Netzwerkes Bureau of Investigative Journalism in London sogar noch weit mehr.

Mindestens 400 der Todesopfer sollen pakistanischen Angaben zufolge Zivilisten gewesen sein, weitere 200 müssten als "Nichtkämpfer" betrachtet werden. Allerdings sei von 2012 zu 2013 über einen spürbarer Rückgang bei zivilen Opfern berichtet worden.

Pakistan will die Drohnenangriffe auch beim anstehenden Besuch von Premierminister Nawaz Sharif in Washington zum Thema machen. Das Land kritisiert die Einsätze auf ihrem Territorium, erst im Mai bezeichnete ein Gericht in Peschawar sie als Kriegsverbrechen. Auch die Vereinten Nationen haben die Angriffe bereits verurteilt.

Internationale Regeln für Drohneneinsatz gefordert

Die meisten Drohnenangriffe im Kampf gegen internationalen Terrorismus gehen auf das Konto der USA, die als Teil des Krieges in Afghanistan die pakistanischen Grenzgebiete angreifen, die militanten Muslimen als Rückzugsgebiete dienen. Im Einsatz sind jedoch auch Maschinen aus Großbritannien und Israel.

Drohnen sind unbemannte Flugzeuge, die tagelang in der Luft bleiben können. Sie folgen entweder einem programmierten Kurs oder werden von einer Bodenstation gesteuert, die Tausende Kilometer weg sein kann. Sie dienen nicht nur der Aufklärung, sondern können mit Luft-Boden-Raketen auch Ziele angreifen. Gesteuert werden diese Angriffe von einem Waffensystemoffizier in der Kontrollstation.

Der Uno-Beauftragte Emmerson sieht bei ihrem Einsatz "eine Reihe offener juristischer Fragen", die nur international beantwortet werden. Der Brite fürchtet, dass der Einsatz von Drohnen unkontrollierbar wird. Immer mehr Länder würden die unbemannten Flugkörper beschaffen.

sun/dpa/Reuters

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si tacuisses 19.10.2013
1. Dann frage mich angesichts dieser Erkenntnis:
Zitat von sysopUSAFIm Kampf gegen den Terror setzen die USA auf Drohnen - und töten immer wieder Unbeteiligte. Wie viele? Das ist geheim. Die Uno drängt die Amerikaner nun, ihre Daten offenzulegen. Zivilie Opfer durch Drohnenangriffe: Uno verlangt Aufklärung von USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/zivilie-opfer-durch-drohnenangriffe-uno-verlangt-aufklaerung-von-usa-a-928854.html)
Zitat : "Das Land kritisiert die Einsätze auf ihrem Territorium, erst im Mai bezeichnete ein Gericht in Peschawar sie als Kriegsverbrechen. Auch die Vereinten Nationen haben die Angriffe bereits verurteilt." Warum erhebt Pakistan nicht Anklage bein IGH in den Haag ? Auich wenn die USA den nicht anerkennen, weil sonst die halbe Nomenklatura der letzten 15 Jahre längst im Knast sässe.
frankarouet 20.10.2013
2. Beliebige Opfer sind Absicht
Wenn die USA sicher gehen wollen, dass sie den Richtigen treffen, schicken Sie ein Sondereinsatzkommando - wie etwa zur Exekution Bin Ladens. Die Drohenenmorde dienen den USA nicht dazu, den "Richtigen" zu ermorden. Dazu sind diese Waffen zu unpräzise. Vielmehr ist es den Mördern egal, wer stirbt. Die Drohnenexekutionen sollen vielmehr unberechenbar sein und auf diese Weise die Menschen ganzer Landstriche in Terror versetzen.
rotertraktor 20.10.2013
3. N(a)sa
UNO verlangt Aufklärung ... kommt mir doch irgendwie bekannt vor: UNO verlangen Erklärung nach NSA-Spähaktionen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-verlangen-erklaerung-nach-nsa-spaehaktionen-a-918749.html) Hat man das Ausspionieren der UNO etwa tatsächlich eingestellt, oder hat nur jemand bei der NSA gepennt? Solche Unverschämtheiten gegen die einzig verbliebene Weltmacht werden doch sonst schon im Vorfeld abgebügelt, bevor die internationale Presse etwas Negatives über god´s own country schreiben kann. Da wird es aber höchste Zeit, dass die NSA jetzt etwas Belastendes aus dem Privatleben von Ban Ki-Moon findet, um ihm das Maul zu stopfen, bevor er von der NASA auf den gleichnamigen Moon geschossen wird.
daten.waesche@gmail.com 20.10.2013
4. US-Opa wackelt
Urgroßmama GB Oma USA sie haben die Hand auf dem Geld, aber sind wackelig und schwach. Damit sie nicht mit dem Krückstock Feinde jagen müssen, tun sie es mit Drohnen und die sind wohl so zielgenau wie ihre alten Augen....go home go home.
Freidenker10 20.10.2013
5. optional
Glückwunsch an den friedensnobelpreisträger, er hat eine tollere art des mordens etabliert! Zivile opfer sind geheim, was für ein mieser witz!
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