Zuma besucht Beck Al Capone im Leopardenfell

18 Kinder von sieben Frauen, ein Vergewaltigungsprozess, Anklage wegen Korruption: Das ist Jacob Zuma, für manche Südafrikas schillerndster Politiker, für andere ein Verbrecher. Der ANC-Vorsitzende und mögliche Nachfolger von Staatspräsident Mbeki besucht an diesem Montag SPD-Chef Beck in Berlin.

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt


Kapstadt - Diesem Lachen kann kaum jemand widerstehen - diesem herzlichen, warmen Lachen, das tief aus dem Bauch zu kommen scheint. Dann funkeln Jacob Zumas Augen so lustig-listig, dann sieht sein Gesicht so gütig und zugleich so verletzlich aus, dass niemand ihm richtig böse sein mag, geschweige denn, ihm Böses zutraut. Dieser Mann ist der geborene Menschenfischer.

Aber es gibt auch die andere Seite an ihm, die dunkle, die ihn zur schillerndsten Figur auf Südafrikas politischer Bühne werden ließ, verstrickt in Korruptionsaffären, maßlos in Auftreten und Anspruch. "Eigentlich ist er ein netter Kerl," sagt selbst die Vorsitzende der oppositionellen "Demokratischen Allianz", Kapstadts Oberbürgermeisterin Helen Zille, über diesen massigen Mann, der voraussichtlich schon im nächsten Jahr als Nachfolger Thabo Mbekis Staatspräsident der Kaprepublik sein wird – wenn er dann nicht schon im Gefängnis sitzt. Denn im August soll Jacob Zuma vor Gericht erscheinen. Anklage: Korruption, Geldwäsche, Betrug, Steuerhinterziehung.

"Er ist ein Mann, der in zwei Welten lebt," beschreibt die Publizistin Nomfundo Mcetywa das Phänomen Jacob Gedleyihlekisa Zuma: In der traditionellen Zulu-Welt ebenso wie in der des internationalen Polit-Jetsets. Sein Zulu-Name "Gedleyihlekisa" symbolisiert die ganze Zwiespältigkeit des ANC-Präsidenten: "Der, der mit Dir lacht, während er Dir Leid zufügt", heißt er übersetzt. Zuhause in seinem Heimatdorf Inkandla tanzt er mit seinem Zulu-Stamm im traditionellen Leopardenfellkostüm. Beim Weltwirtschaftstreffen in Davos tritt er ebenso selbstverständlich im feinen Nadelstreifen auf.

"Al Capone Südafrikas"

"Warmherzig, liebevoll, menschlich, gütig" nennt ihn seine Frau Sizakele, seine Jugendliebe, die fast 40 Jahre mit ihm verheiratet ist, zu der er immer wieder zurückkehrt. Für die Zeitungen seines Landes ist er schlichtweg der "Al Capone Südafrikas", hemmungslos, brutal, korrupt. Er hat 18 Kinder von sieben Frauen. Zurzeit ist er offenbar mit drei Frauen gleichzeitig verheiratet. Die 33 Jahre jüngere Nompumenelo Ntuli, mit der er allerdings schon zwei Kinder hat, heiratete er im Januar dieses Jahres. Verlobt ist er auch noch mit der Swazi-Prinzessin Sebentile Dlmamini, für die er bereits zehn Kühe als Brautpreis gezahlt hat.

Doch sein Negativ-Image will Jacob Zuma jetzt mit Macht aufpolieren, vergessen machen. Nichts soll ihn noch einmal stolpern lassen auf dem Weg an die Spitze, ins Amt des Staatspräsidenten. Er nimmt Medientraining, hat sich mit einem exquisiten Kreis von Beratern umgeben, tourt durch die Welt, redet mit Investoren, mit Präsidenten, Parteichefs, Bankern und Unternehmern. An diesem Montag ist er in Berlin zu Gast bei der SPD-Spitze: Kurt Beck, Frank-Walter Steinmeier, seine Genossen von der deutschen Bruderpartei. Auch mit dem indischen und brasilianischen Spitzengenossen will er in Berlin beratschlagen. In London trifft er Gordon Brown, in Paris Nicolas Sarkozy.

Zuma hat Glück: Je erfolgloser sein blutleerer Erzrivale Thabo Mbeki auf nationaler und internationaler Ebene agiert, desto heller strahlt sein Stern. Er hat es geschafft, von ganz unten so hoch zu steigen, dass ihm überall in der Welt wieder der rote Teppich ausgerollt wird.

Zehn Jahre auf der Gefängnisinsel Robben Island

Seine Biografie passt in die Reihe der Tellerwäscherkarrieren von Bill Clinton bis Gerhard Schröder und Joschka Fischer: Als Dreijähriger verlor er seinen Vater. Seine Mutter musste die Familie als Putzfrau durchbringen. Als andere Kinder in die Schule gingen, hütete der kleine Zulu-Junge Jacob Kühe, um zum Familieneinkommen beizutragen. Mit Gelegenheitsarbeiten brachte er für seinen jüngeren Bruder Michael das Schulgeld zusammen. Der sollte es einmal besser haben als er selbst. Mit 14 Jahren schloss Jacob Zuma sich 1956 der Befreiungsbewegung ANC an. 1963 wurde er verhaftet, kam für zehn Jahre auf die Gefängnisinsel Robben Island – für einen südafrikanischen Freiheitskämpfer der Adelsschlag.

Die Zelle wurde Zumas Studierstube: Thabo Mbekis Vater Govan, der dort ebenso wie Nelson Mandela eingekerkert war, unterrichtete den jungen Genossen, der keine Schulbildung genossen hatte. Nach seiner Freilassung ging "JZ" erst in den Untergrund, dann ins Exil. In Swaziland traf er Thabo Mbeki, den Sohn des verehrten Lehrers von der Gefängnisinsel. Ausgerechnet Thabo Mbeki habe ihm damals das Schießen beigebracht, erzählte Zuma später einmal, eine seiner vielen Geschichten. Schließlich wurde Zuma im sambischen Exil ANC-Geheimdienstchef. Aus dieser Zeit weiß er vieles über seine Genossen, auch manches, was wohl niemand wissen sollte.



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