Zusammenbruch auf Bergtour Britischer Ex-Außenminister Cook mit 59 Jahren gestorben

Der frühere britische Außenminister Robin Cook ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Der Labour-Politiker brach auf einer Bergtour in Schottland zusammen und wurde per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus eingeliefert, teilte die schottische Polizei am Abend mit.


Cook im März 2003 nach seinem Rücktritt als Labour-Fraktionschef: "Krieg ohne internationale Unterstützung"
REUTERS

Cook im März 2003 nach seinem Rücktritt als Labour-Fraktionschef: "Krieg ohne internationale Unterstützung"

London - Cook starb fünf Minuten nach seiner Einlieferung in die Notaufnahme. Der Politiker war von 1997 bis 2001 Außenminister der Regierung von Premierminister Tony Blair. Danach wurde er Fraktionschef der Labour-Abgeordneten im Unterhaus. Zwei Tage vor dem Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 brach er mit Blair und trat aus Protest gegen die britische Beteiligung an dem Krieg zurück. Der als begeisterter Wanderer bekannte Cook habe zusammen mit seiner Frau Gaynor und einigen Begleitern den Berg Ben Stack in Schottland besteigen wollen, teilte die Polizei mit. Kurz vor Erreichen des 721 Meter hohen Gipfels sei er zusammengebrochen. Seine Mitwanderer hätten die Küstenwache alarmiert, die Cook mit einem Helikopter in ein Krankenhaus nach Inverness gebracht habe. Nach Angaben der Klinik starb der Politiker gut anderthalb Stunden nach seinem Zusammenbruch. Er sei fünf Minuten zuvor in das Hospital eingeliefert worden. Im Londoner Parlament wurde Cook als glänzender Debattenredner bewundert und gefürchtet. Mit seiner geschliffenen, mitunter auch scharfen Rhetorik drückte er vielen Sitzungen des Unterhauses seinen Stempel auf. Seinen wohl spektakulärsten Auftritt hatte er im März 2003, als er aus Protest gegen Blairs Irak-Politik sein Amt als Fraktionschef aufgab. Vor dem Unterhaus sagte er damals: "Einen Krieg ohne internationale Unterstützung und ohne Rückhalt im Inland kann ich nicht unterstützen." Der Amtsverzicht trug ihm in Großbritannien und im Ausland großen Respekt ein. In zahlreichen öffentlichen Äußerungen hatte sich Cook immer wieder über das Verhältnis von Politik und Moral Gedanken gemacht. In seinen vier Jahren als Chef des Londoner Foreign Office war es nach eigenem Bekunden sein Ziel, die britische Außenpolitik von ethischen Grundsätzen leiten zu lassen. Cook unterstützte 1999 den Kosovo-Krieg der NATO gegen Jugoslawien, um die Unterdrückung der Kosovoalbaner durch die serbische Führung zu beenden. Trotz des Zerwürfnisses mit Blair kandidierte Cook bei der Parlamentswahl im vergangenen Mai erneut und verteidigte seinen Wahlkreis in Schottland klar. Seit seinem Rücktritt hatte sich Cook als gefragter Kommentator in den britischen Medien etabliert. Beobachter sagten ihm Chancen auf einer Rückkehr in hohe Ämter voraus - spätestens wenn Blair den Posten des Premierministers an den derzeitigen Finanzminister Gordon Brown abtreten würde.



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