Protest gegen Haftbedingungen: Gefangene randalieren in Guantanamo

Gefangene in Guantanamo (Symbolbild): Protest gegen HaftbedingungenZur Großansicht
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Gefangene in Guantanamo (Symbolbild): Protest gegen Haftbedingungen

Im Gefangenenlager Guantanamo ist es zu Zusammenstößen zwischen Häftlingen und Wärtern gekommen. Mindestens ein Gefangener wurde von Gummi-Projektilen getroffen, wie das US-Militär mitteilte. Einige der Inhaftierten sind seit Monaten im Hungerstreik.

Miami/San Juan - Beim Versuch mehrere Gefangene in Einzelzellen zu verlegen, ist es im Gefangenenlager Guantanamo zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. "Einige Häftlinge haben mit improvisierten Waffen Widerstand geleistet, als Reaktion wurden vier nicht-tödliche Projektile abgefeuert", sagte Navy-Captain Robert Durand.

Weder Wärter noch Gefangene seien ernsthaft verletzt worden. Ein Armeesprecher sagte, einer der Häftlinge sei von einem Gummigeschoss getroffen worden. Er habe jedoch lediglich Prellungen davongetragen.

Viele der Häftlinge sind seit Wochen oder sogar Monaten im Hungerstreik. Sie protestieren damit gegen die Beschlagnahmung von persönlichen Dingen wie Briefen oder Fotos, wie die Anwälte mehrerer Gefangener mitteilten.

Bei den Durchsuchungen im Februar sollen Wärter zudem unangemessen mit Koranausgaben umgegangen sein. Das US-Verteidigungsministerium hatte die Vorwürfe scharf zurückgewiesen: "Kein Koran wurde entweiht oder in irgendeiner Form unrechtmäßig behandelt", sagte der zuständige US-General John Kelly.

Angst vor Eskalation

Zu den jüngsten Auseinandersetzungen kam es laut dem US-Militär, nachdem mehrere Häftlinge Fenster und Überwachungskameras in Gemeinschaftsbereichen verhängt hätten. Daraufhin seien die Wärter eingeschritten. Einer der Anwälte der Gefangenen verurteilte das Vorgehen der Aufseher: "Das ist genau das Gegenteil von dem, was sie tun sollten", sagte Carlos Warner, der mehrere Gefangene vertritt. "Das Militär sorgt für die Eskalation des Konflikts."

Derzeit werden in dem Lager noch 166 Häftlinge festgehalten, die meisten noch aus der Zeit des "Kriegs gegen den Terror" vor mehr als zehn Jahren. Etwa 80 bis 100 der Gefangenen sind laut dem US-Militär in einem Gebäude mit mittlerer Sicherheitsstufe untergebracht. Dort können sie auch die Gemeinschaftsräume nutzen.

An dem Hungerstreik beteiligen sich demnach 43 Menschen, 11 seien zwangsernährt worden. Nach Angaben der Anwälte weigern sich jedoch nahezu alle Gefangenen zu essen.

Das Pentagon hat indes angekündigt, einen neuen Kommandeur nach Guantanamo zu schicken. Admiral Richard W. Butler soll den bisherigen Truppenchef John W. Smith ablösen. Der Wechsel geschehe im Rahmen der üblichen Rotation, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

usp/AP/Reuters

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insgesamt 70 Beiträge
SonOfAnnwn 13.04.2013
Warum bitte dürfen die USA nach wie vor diese Gestapo-Methoden anwenden und Menschen ohne ordentliches Gerichtsverfahren über Jahre einsperren, foltern und quälen?!? Der grösste Hohn ist, dass der Diktator dieser Nation Uch noch [...]
Warum bitte dürfen die USA nach wie vor diese Gestapo-Methoden anwenden und Menschen ohne ordentliches Gerichtsverfahren über Jahre einsperren, foltern und quälen?!? Der grösste Hohn ist, dass der Diktator dieser Nation Uch noch den Friedensnobelpreis erhalten hat. Ich hoffe, dass die Yrechnung dafür eines Tages noch sehr schmerzhaft wird!!!!!!!!
peter0pf9 14.04.2013
Das wahre Gesicht der amerikanischen Rechtstaatlichkeit! Diese Leute fordern von andere Demokratie, bei meinem schlechten Englisch bin ich mir nicht mal sicher ob es die Worte "Recht, Gesetz und Unschuldsvermutung" auf [...]
Das wahre Gesicht der amerikanischen Rechtstaatlichkeit! Diese Leute fordern von andere Demokratie, bei meinem schlechten Englisch bin ich mir nicht mal sicher ob es die Worte "Recht, Gesetz und Unschuldsvermutung" auf Ämärikänisch gibt! Viel Erfolgt unseren Freunden in Übersee beim "Kampf" gegen die Waffenlobby! Wie hoch war eigentlich deren Spendenanteil bei der letzten Obamawahl???
topodoro 14.04.2013
sind auch die E-Mails der Verteidiger vom US-Verteidigungsministerium abgegriffen worden. Von einem fairen Verfahren kann da wirklich nicht mehr gesprochen werden. Im Besprechungszimmer der Verteidiger waren Wanzen im [...]
sind auch die E-Mails der Verteidiger vom US-Verteidigungsministerium abgegriffen worden. Von einem fairen Verfahren kann da wirklich nicht mehr gesprochen werden. Im Besprechungszimmer der Verteidiger waren Wanzen im Feuerlöscher versteckt, etc... Was schreibt der Spiegel darüber ?
Tamarind 14.04.2013
War das nicht ein Wahlversprechen Obamas, Guantanamo gebührend einem Rechtsstaat zu schließen? Nun, das war vor fünf Jahren. Hat nicht Obama u.a. unter dieser Prämisse - allerdings ohne jede vorherige Prüfung des Komitees - den [...]
War das nicht ein Wahlversprechen Obamas, Guantanamo gebührend einem Rechtsstaat zu schließen? Nun, das war vor fünf Jahren. Hat nicht Obama u.a. unter dieser Prämisse - allerdings ohne jede vorherige Prüfung des Komitees - den Friedens-Nobelpreis bekommen? Also, ohne, dass nur eines der Versprechen eingehalten wurden?
nite_fly 14.04.2013
Die Amis, die der restichen Welt diktieren wollen, wie die Welt in Ihren Augen funktionieren sollte, stinken mir langsam gewaltig! Vilelleicht werde werde ich alleine aufgrund dieser Aussage morgen nach Guantanao [...]
Die Amis, die der restichen Welt diktieren wollen, wie die Welt in Ihren Augen funktionieren sollte, stinken mir langsam gewaltig! Vilelleicht werde werde ich alleine aufgrund dieser Aussage morgen nach Guantanao "entführt", ohne jede Möglichkeit auf Rechtsmittel auf unbestimmte Zeit festgehalten... Die USA ist allmächtig, und kann sowas! Und die ganze Welt sieht da zu, und traut sich nicht, etwas zu sagen! Wer bitte hat die USA zum Maßstab der Welt erklärt?? Die knallen sich gegenseitig in ihren Städten ab. Das ist nach dem zweiten Verfassungszusatz ja auch deren Recht! Doch wirtschaftlich sind sie komplett am Boden! Doch warum nur??
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  • Samstag, 13.04.2013 – 23:25 Uhr
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