Von Marc Pitzke und Gregor Peter Schmitz
New York/Hamburg - Der Dienstag ist in den USA der Tag der Entscheidung. Bei den Midterm Elections, den Halbzeitwahlen, wird ein Drittel des Senats neu gewählt, das gesamte Repräsentantenhaus und Dutzende Gouverneure. Doch es steht vor allem eines zur Abstimmung: die Politik von Barack Obama.
Der US-Präsident taucht auf keinem Wahlzettel auf, und doch ist er eine der Hauptpersonen dieses Urnengangs. Die Midterm Elections sind eine Volksabstimmung über die bisherige Amtszeit jenes Mannes, der im November 2008 die Massen mobilisierte, der den "Wandel" versprach und Millionen Menschen auf der ganzen Welt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft gab. Die Ansprüche waren hoch.
In der Zwischenzeit hat die Realität die Regierung Obama eingeholt. Der versprochene Wandel stockte allzu oft in Ausschüssen und Gremien, scheiterte am Widerstand des politischen Gegners. Nun wird diese Wahl darüber entscheiden, ob der Handlungsspielraum des Präsidenten durch einen republikanisch kontrollierten Kongress noch mehr eingeengt wird. Jüngste Umfragen sagen einen Erdrutschsieg der Opposition voraus, sie könnte im Repräsentantenhaus um bis zu 50 Sitze zulegen. Schon 39 Sitze Zugewinn würden den Konservativen genügen, um dort die Mehrheit zu erringen. Im Senat gilt das Rennen als ausgeglichener, die meisten Beobachter erwarten, dass Obamas Partei dort ihre Mehrheit knapp behaupten wird.
Vor allem aber sind die Wahlen der sicherste Gradmesser, ob Obama auf eine weitere Amtszeit im Weißen Haus hoffen kann - und wie sehr er seinen eigenen Kurs anpassen muss, um dieses Ziel zu erreichen. Amtsvorgänger wie Bill Clinton mussten nach dramatischen Niederlagen in den Zwischenwahlen auf die Opposition zugehen, um ihr politisches Überleben zu sichern.
Doch Obama hat vorgesorgt - zumindest rhetorisch. Mit kleinlicher Politik halte er sich nicht auf, betont er gern, es gehe ihm um echte Veränderungen in Amerika. "Ich regiere lieber wirklich gut eine Amtszeit, als ein mittelmäßiger Präsident mit zwei Amtszeiten zu sein", beteuert er.
Doch was hat der Präsident unter den bisherigen Bedingungen, mit einer Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus, politisch geleistet? SPIEGEL ONLINE analysiert die erste Halbzeit der Regierung Obama (klicken Sie auf die Themenfelder).
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