Politisches Asyl Zwei weitere türkische Militärs nach Griechenland geflüchtet

Waren sie an einem Mordkomplott gegen Präsident Erdogan beteiligt? Die griechische Polizei meldet den Asylantrag von zwei türkischen Militärs. Ihre genaue Identität ist unklar.

Türkische Soldaten in der Nacht des Putschversuches in Istanbul (Archiv)
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Türkische Soldaten in der Nacht des Putschversuches in Istanbul (Archiv)

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Zwei türkische Militärs sollen nach Griechenland geflüchtet sein und dort politisches Asyl beantragt haben. Die Türkei behauptet, es würde sich dabei um zwei Elitesoldaten handeln, die versucht hätten, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beim Putschversuch im vergangenen Juli zu ermorden. Laut SPIEGEL-Informationen sagten die Militärs gegenüber den griechischen Behörden aus, einer rangniedrigeren Einheit anzugehören. Die Zugehörigkeit zu einer Top-Einheit dementierten sie.

Die zwei Flüchtlinge sollen bereits in der vergangenen Woche über den Grenzfluss Evros nach Griechenland gekommen sein. Die Männer sagten der Polizei ihre Namen und dass ihr Leben in der Türkei in Gefahr sei.

Zunächst kamen die Flüchtlinge in Untersuchungshaft. Türkische Sicherheitsbehörden meldeten im Anschluss, die Flüchtlinge befänden sich auf einer speziellen Fahndungsliste. Sie sollen zu einem Elitekommando gehören, das in der Nacht des Putschversuches in das Hotel des türkischen Staatsoberhaupts in Marmaris eindrang, kurz nachdem Erdogan es verlassen hatte.

Spannungen zwischen Ankara und Athen

47 Personen, die meisten davon ehemalige Top-Militärs, sind wegen dieses Vorwurfs in Untersuchungshaft. Drei weitere sind flüchtig, einer der Gesuchten ist Fethullah Gülen - die beiden anderen könnten nun der griechischen Polizei in die Hände gelaufen sein. Die Sicherheitsbehörden teilten nach SPIEGEL-Informationen mit, man könne nicht bestätigen, dass es sich mit Sicherheit um zwei Mitglieder dieser Eliteeinheit handelt.

Es sind nicht die ersten türkischen Soldaten, die in Griechenland Asyl beantragen: Einen Tag nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei waren acht türkische Militärs nach Griechenland an Bord eines Hubschraubers geflüchtet. Die Türkei fordert ihre Auslieferung. Der höchste griechische Gerichtshof hat dies Ende Januar abgelehnt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Männer in der Türkei ein unfaires Verfahren erwarte, hieß es zur Begründung. Das führte zu Spannungen zwischen Athen und Ankara.

Der Fall könnte die angespannte Beziehung der beiden Länder erneut auf die Probe stellen. Die griechischen Sicherheitsbeamten teilten mit, sie werden auch diesen Fall genauestens prüfen und die Gesetze befolgen.

Seit dem Umsturzversuch wurden in der Türkei mehr als 41.000 Menschen festgenommen. Die türkischen Behörden gehen mit aller Härte gegen Oppositionelle, mutmaßliche Putschisten und Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen vor, den Ankara für den Putschversuch verantwortlich macht.

Mit Material von dpa und afp



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