Gedenken an Weltkriegsende Japanischer Kaiser bekundet "tiefe Reue"

Japan war ein Aggressor im Zweiten Weltkrieg. Am Jahrestag der Kapitulation mühen sich Kaiser und Premier um passende Worte. Sie unterscheiden sich deutlich.


Zum 70. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg hat Kaiser Akihito "tiefe Reue" bekundet. Bei einer zentralen Gedenkfeier in der Hauptstadt Tokio drückte er den Wunsch aus, dass sich Krieg nie wiederholen möge. Rund 7000 Menschen nahmen an der Zeremonie teil und legten eine Schweigeminute für die Toten ein.

Als Aggressor unterdrückte Japan damals vor allem seine asiatischen Nachbarländer. Nach dem vernichtenden Angriff auf die US-Militärbasis in Pearl Harbour Ende 1941 in Hawaii griffen die USA in den Krieg ein.

Zugleich litt Japan schwer unter den Folgen des Krieges. Im August 1945 warfen die Amerikaner über den Städten Hiroshima und Nagasaki zwei Atombomben ab.

Japans rechtskonservativer Ministerpräsident Shinzo Abe brachte am Tag vor der Gedenkzeremonie in einer offiziellen Rede eine Entschuldigung zum Ausdruck - verwies dabei aber lediglich auf die Erklärungen seiner Vorgänger. "Unsere Kinder, Enkel und die kommenden Generationen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, dürfen nicht zum Entschuldigen verpflichtet werden."

Premier Abe verzichtet auf einen Affront

China sprach von einer "ausweichenden" Erklärung und forderte eine ehrliche Entschuldigung. Auch in Südkorea lösten Abes Worte Kritik aus. Abe ließ dem Kriegsschrein Yasukuni in Tokio, in dem auch später als Kriegsverbrecher verurteilten Militärs gedacht wird, eine Opfergabe zukommen. Von einem Pilgergang sah der Premier jedoch ab. Eine solche Zeremonie nehmen die Nachbarländer traditionell als Affront wahr.

Kaiser Akihito, dessen Vater und Vorgänger Hirohito während des Zweiten Weltkriegs japanischer Kaiser war (Regierungszeit 1926 bis 1989), betonte, dass Japans Reichtum auf dem "rastlosen Bemühen" und dem "ernsten Verlangen nach Frieden" beruhe. Akihito hat sich stets für eine Versöhnung mit den asiatischen Nachbarn eingesetzt.

sms/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
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Peter Boots 15.08.2015
1. Was hier uebersehen wurde: 'Bedauern' und 'Reue'
Kaiser Akihito haelt jedes Jahe die gleiche Rede: er sagt wie sehr er die Vorgaenge im Zweiten Weltkrieg 'bedauere.' Dieses Jahr war das ganz anders, er sprach von 'tiefer Reue' (deep remorse). Nachdem der rechts-konservative Premier Abe, der einen Umbau der Japanischen 'Selbstverteidigungstruppe' zu einer Armee foerdert, und eine weniger formelle Entschuldigungsrede zum 70. Jahrestages des Ende des Krieges hielt als seine Vorgaenger zum 50. und 60., ist der Kaiser von seiner ueblichen, foermlichen Rede abgewichen, und hat damit Abe brueskiert. Der Kaiser hat klar gemacht dass weder der Ausbau der Armee, noch Abe's Beschoenigung der 450.000 Koreanischen Sexsklavinnen, der Ansicht des Kaiser's entsprechen. Fuer Japanische Verhaeltnisse also als haette Praesident Gauck Kanzlerin Merkel vor laufender Kamera geohrfeigt.
salomonh71d 15.08.2015
2. Angst vor Gesichtsverlust
behindert Versöhnung in Asien...
rickmarten 15.08.2015
3. Merkwürdige Artikelserie
Die in letzter Zeit bei SPON regelmäßigen Artikel, die im Kern keinerlei Änderung der Haltung Japans zur eigenen Kriegsschuld zeigen, wirken befremdlich. Oberflächlich sieht es alles sehr nett aus, aber der Wunsch nach Frieden ist ja völlig nichtsagend. Der Kaiser nimmt praktisch nie konkret Stellung, und schon gar keine von der Regierung abweichende Haltung ein. Man wird aber den Eindruck nicht los, SPON möchte über den Umweg Japan eine Änderung der Haltung in Deutschland beeinflussen in Richtung schwammiger Schussstrich.
pittydoc 15.08.2015
4. Japan konnte
nur in der Achse Tokio - Berlin - Rom funtionieren.Deutschland hat den politischen Reinigungsprozess nach dem Krieg durchgemacht.Japan braucht noch viel Selbstreinigung.
Rodion67 15.08.2015
5.
"ist der Kaiser von seiner ueblichen, foermlichen Rede abgewichen, und hat damit Abe brueskiert." "Der Kaiser nimmt praktisch nie konkret Stellung, und schon gar keine von der Regierung abweichende Haltung ein." 2 Kommentare zum gleichen Artikel. So unterschiedlich kann Wahrnehmung sein. Wobei für mich der erste Kommentar eher dem Artikel entspricht, kann aber auch eine Täuschung der Wahrnehmung sein.
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