Zwischenfall bei Hu-Besuch Bush entschuldigt sich, China schwärzt TV-Bilder

Eine chinesische Demonstrantin hat den Besuch von Präsident Hu Jintao im Weißen Haus gestört, um auf die in China verbotene Falun-Gong-Sekte aufmerksam zu machen. US-Präsident Bush entschuldigte sich umgehend. Die chinesischen Behörden sorgten derweil dafür, dass in der Heimat niemand etwas mitbekam.


Zwischenfall beim Staatsbesuch: Protest gegen Verfolgung von Falun-Gong-Sekte
AP

Zwischenfall beim Staatsbesuch: Protest gegen Verfolgung von Falun-Gong-Sekte

Washington -  Die Demonstrantin hatte Hu unterbrochen, als dieser während der Begrüßungszeremonie am Donnerstag das Wort ergreifen wollte. Sie forderte Bush von der Kameratribüne aus lautstark auf, die Verfolgung der Meditationssekte Falun Gong durch die chinesischen Behörden zu stoppen. Hu rief sie zu: "Präsident, Ihre Tage sind gezählt." Schließlich wurde sie abgeführt. Die Frau hatte sich im Namen einer Zeitung für die Pressebegegnung eingeschlichen. 

Peking hatte die Falun-Gong-Bewegung 1999 als gefährliche Sekte eingestuft und verboten. Die Anhänger der Religion werfen der Regierung vor, Falun-Gong-Aktivisten zu foltern und gefangen zu halten. Vor dem Amtssitz Bushs protestierten hunderte Menschen gegen Menschenrechtsverletzungen in China.

Bush habe im anschließenden Gespräch sein persönliches Bedauern zum Ausdruck gebracht, und Hu habe die Entschuldigung angenommen, satte Dennis Wilder vom Nationalen Sicherheitsrat.

In China selbst haben die Fernsehzuschauer nach Einschätzung des Nachrichtensenders CNN bewusst nichts davon mitbekommen. Das Signal des Senders nach China sei zweimal unterbrochen worden, teilte CNN-International mit: Einmal als die Frau dazwischengerufen habe und ein weiteres Mal, als der Sender kurz darüber berichtete. Auch die Sendesignale der BBC und von Phoenix Satellite Television nach China seien unterbrochen worden. Bestätigt wurde dies bisher noch nicht.

China erlaubt rund drei Dutzend ausländischen Fernsehkanälen die Übertragung nach China, unter anderem BBC und CNN. Die Signale müssen vorher ein staatseigenes Kontrollzentrum passieren, das es den Behörden erlaubt, unbequeme Nachrichten zu schwärzen. Von dieser Möglichkeit wird rege Gebrauch gemacht.

Die Internet-Seiten des staatlichen Fernsehens und die offizielle Nachrichtenagentur Chinas erwähnten den Vorfall ebenfalls nicht. In beiden war zu lesen: "Bush hielt eine feierliche Willkommenszeremonie ab".

reh/AP



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