Mossad-Affäre: "Häftling X" soll sich in der Dusche erhängt haben
Israel hat den Bericht über den Tod des sogenannten Häftlings X veröffentlicht. Der mutmaßliche Mossad-Agent Ben Zygier erhängte sich demnach mit einem Bettlaken in der Dusche. Seiner Familie wurde offenbar berichtet, er sei bei einem Einsatz hinter den feindlichen Linien gestorben.
Tel Aviv - Ben Zygier, auch als Häftling X bekannt, soll sich mit einem Bettlaken in der Dusche erhängt haben. Dies geht aus einem Bericht über den Tod des mutmaßlichen Mossad-Agenten hervor, den Israel am Dienstag veröffentlichen musste. Zuvor war ein entsprechendes Berichtverbot teilweise aufgehoben worden.
"Der Verstorbene wurde hängend in der Dusche seiner Zelle gefunden. Er hatte ein Bettlaken um seinen Hals gebunden, das vom Badezimmerfenster hing", hieß es in dem Bericht. Die untersuchende Richterin Blatman Kedrai hatte befunden, dass sich Zygier selbst getötet hatte. Sie stellte fest, es gebe Hinweise darauf, dass Zygiers Wächter nachlässig bei der Überwachung waren.
Erstmals äußerte sich am Dienstag das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu dem mysteriösen Fall. Der Mann habe keine Kontakte zum australischen Geheimdienst gehabt, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Netanjahu. "Nach den vielen Berichten betonen wir, dass Herr Zygier keinerlei Kontakt mit australischen Sicherheitsdiensten oder Organisationen hatte", zitierte die Zeitung "Haaretz" aus der Mitteilung. Was dem gebürtigen Australier vorgeworfen wurde und ob er tatsächlich für den Mossad arbeitete, wurde in der Erklärung nicht erwähnt. Australische Medien hatten spekuliert, Zygier habe Geheimnisse über den Einsatz australischer Pässe bei verdeckten Mossad-Aktionen verraten.
Ben Zygier, ein australisch-israelischer Doppelstaatsbürger, hatte nach Berichten australischer Medien im Jahr 2000 beim israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad angeheuert. Später war er bei einer Tarnfirma des Mossad in Europa tätig, die Elektrotechnik unter anderem nach Iran lieferte.
Im Februar 2010 fiel Zygier beim Mossad offenbar in Ungnade und wurde verhaftet. Was ihm vorgeworfen wurde, ist nach wie vor unklar. Bis zu seinem Selbstmord im Dezember 2010 wurde er in der Hochsicherheitsanstalt Ajalon im israelischen Ramle in Einzelhaft unter Videoüberwachung gehalten. Das Gefängnispersonal kannte weder seinen Namen noch den Grund für seine Haft.
"Dies ist wie ein zweiter Tod"
Zygiers Familie in Melbourne war nach den Aussagen von führenden Mitgliedern der dortigen jüdischen Gemeinde anfangs über die Umstände seines Todes falsch informiert worden. "Wir haben das so verstanden, und seine Eltern hatten es so verstanden, dass er beim Einsatz hinter feindlichen Linien umgekommen war. Auch wenn das traurig war, gab es doch ein Gefühl von Stolz. Aber dies ist wie ein zweiter Tod, als ob er noch einmal gestorben wäre", zitierte die israelische Zeitung "Haaretz" ein prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Melbourne.
Auch die Lage des Grabs weist darauf hin, dass Zygiers Freunde und Verwandte über die wahre Todesursache möglicherweise in die Irre geführt worden waren: Es liegt mitten auf dem jüdischen Chevra-Kadisha-Friedhof in Melbourne. Wäre bekannt gewesen, dass Zygier Selbstmord begangen hatte, wäre er der Tradition folgend in der entlegensten Ecke an der Friedhofsmauer begraben worden.
ras/puz/dpa
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