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24. Februar 2013, 17:10 Uhr

Erste Prognosen

Anastasiades liegt bei Präsidentschaftswahl in Zypern vorn

Erste Wählerbefragungen deuten darauf hin, dass Nikos Anastasiades Zyperns neuer Präsident wird. Demnach entschieden sich rund 60 Prozent der Bürger für den konservativen Politiker. In der EU dürfte seine Wahl auf Zustimmung und Erleichterung stoßen.

Der konservative Politiker Nikos Anastasiades wird nach Prognosen neuer Präsident in dem von der Staatspleite bedrohten Zypern. Er bekam bei der Stichwahl am Sonntag zwischen 57,6 und 61,5 Prozent der Stimmen; sein Gegenkandidat, der linke Politiker Stavros Malas, kam demnach auf 38,5 bis 42,5 Prozent.

Das ergaben Befragungen der Wähler, die bis 17 Uhr ihre Stimme abgeben konnten. In der ersten Runde vor einer Woche hatte Anastasiades mit 45,5 Prozent die erforderliche absolute Mehrheit noch knapp verfehlt. Nun galt er in der Stichwahl als klarer Favorit auf den Sieg.

Seine größte Herausforderung wird sein, die Banken und Staatsfinanzen zu stabilisieren. Dafür braucht Zypern nach offiziellen Angaben dringend 17,5 Milliarden Euro. In den Staatskassen ist nach offiziellen Angaben nur noch bis Ende März Geld. Der noch amtierende Präsident Dimitris Christofias gilt als gescheitert und trat als erster Staatschef der Insel nicht mehr für eine zweite fünfjährige Amtszeit an.

Anastasiades erklärte nach der Stimmabgabe, die Insel befinde sich "an einem Scheideweg". "Wir müssen uns sofort mit der Finanzkrise befassen", sagte der konservative Politiker Reportern in Nikosia. Für viele EU-Regierungen bringt der Machtwechsel neue Hoffnung, weil sich Gespräche mit Christofias in den vergangenen Monaten als schwierig gestaltet hatten: Der Kommunist lehnte Privatisierungen als Gegenleistung für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM prinzipiell ab.

Anastasiades Herausforderer Stavros Malas, der ebenfalls gegen Privatisierungen und die Verschlankung des Staates ist, hatte sich vor einer Woche mit 26,9 Prozent als Zweitplatzierter überraschend für die Stichwahl qualifiziert. Hinter Malas steht vor allem die Aufbaupartei des werktätigen Volkes (AKEL), die kommunistische Wurzeln hat.

Angst vor Sparprogramm-Elend

Viele Zyprer befürchten, dass sie bei einem harten Sparprogramm verarmen werden und man künftig auch auf der Insel Elendsszenen wie im benachbarten Griechenland sehen wird. Die Krise in Griechenland hatte auch Zyperns Banken schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zyperns Geldinstitute sind eng mit dem griechischen Bankensystem verbunden und wurden in den Strudel der Griechenland-Krise gerissen, als 2012 der Schuldenschnitt für den privaten Sektor umgesetzt wurde.

Sowohl Anastasiades als auch Malas hatten sich bereit erklärt, für die Lösung der Zypern-Frage zu arbeiten. Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt. Im Norden gibt es die von türkischen Truppen besetzte Türkische Republik Nordzypern, die aber nur von der Türkei anerkannt wird. Die Republik Zypern ist Mitglied der EU. Das EU-Recht gilt jedoch wegen der Teilung nur im Süden der Insel. In den vergangenen Jahrzehnten scheiterten zahlreiche Verhandlungen zur Überwindung der Teilung.

Das politische System Zyperns ist präsidial. Der Präsident der Republik ernennt die Regierung und führt sie auch. Wahlberechtigt sind rund 545.000 Zyprer. Mit aussagekräftigen Hochrechnungen wird gegen 18.30 Uhr gerechnet.

sto/dpa

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