Hamburg - Zyperns Finanzminister Vassos Shiarly weist Vorwürfe zurück, sein Land sei eine Drehscheibe für Geldwäsche. "Diese Gerüchte begegnen uns immer wieder, aber auch durch Wiederholung werden sie nicht wahr", sagte Shiarly im Interview mit SPIEGEL. Bei allen Kontrollen internationaler Organisationen habe Zypern in den vergangenen Jahren gute Zensuren erhalten.
Die Regierung Zyperns werde künftig deutlich machen, dass es ihr ernst sei mit der Bekämpfung der Geldwäsche. "Wir kennen die kritische Wahrnehmung im Ausland und wollen sie aus der Welt schaffen, indem wir besser und schneller die internationalen Vereinbarungen umsetzen als andere Länder", sagte Shiarly. "Wir sehen unsere Zukunft als seriöses Finanzzentrum."
Eine Anhebung des Unternehmensteuersatzes von zehn Prozent, die Vertreter fast aller deutschen Parteien als Voraussetzung für ihre Zustimmung zu einem Rettungspaket fordern, lehnt der Finanzminister ab. Zypern sei keine Steueroase. "Unser Steuersystem ist einer unserer wenigen Standortvorteile", sagte Shiarly. Sein Land habe keine nennenswerte Industrie, seine einzige Chance seien Dienstleistungen, "und dafür müssen wir Kapital anlocken". Die ganze EU profitiere, wenn sich Russen oder Chinesen auf Zypern mit ihren Firmen niederließen.
Die finanzielle Lage Zyperns wird immer bedrohlicher. Die Genehmigung eines Milliarden-Hilfspakets dürfte sich aber noch hinauszögern. Zypern benötigt geschätzte 17,5 Milliarden Euro. Das Land hatte im Sommer einen Hilfsantrag gestellt und will unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Größtes Problem sind die Banken des Landes, die eng mit dem EU-Sorgenkind Griechenland verflochten sind.
Zuletzt hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Freitag verlangt, Zypern müsse konsequenter gegen Geldwäsche vorgehen. Das Land müsse neue Gesetze gegen Geldwäsche umsetzen, "um sicherzustellen, dass dies kein Problem auf der Insel ist".
Die angeschlagenen zyprischen Banken brockten dem Land jüngst eine erneute Abwertung der Kreditwürdigkeit ein. Die Rating-Agentur Moody's senkte die Bonitätsnote Zyperns gleich um drei Stufen von B3 auf Caa3. Der Ausblick bleibe "negativ" - es droht also eine weitere Herabstufung. Damit steht Zypern ähnlich negativ da wie Griechenland.
Als Begründung führte Moody's die Probleme des zyprischen Bankensektors an, der auf staatliche Hilfen angewiesen ist, sowie die wachsenden Staatsschulden der Mittelmeerinsel.
Diskutiert wird derzeit über internationale Kredite in Höhe von rund 17 Milliarden Euro, davon 10 Milliarden für die Unterstützung des Bankensektors. In Vorbereitung auf das Hilfsprogramm hat die zyprische Regierung bereits strikte Kürzungsmaßnahmen beschlossen. Am 21. Januar sollen sich die Finanzminister der Euro-Zone in Brüssel erneut mit Zypern befassen.
ler/dpa
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