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Nach Rettung durch Kreuzfahrtschiff: Zyprische Polizei drängt syrische Flüchtlinge von Bord

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Endstation Zypern Fotos
DPA

Sie wollten das Kreuzfahrtschiff, das sie gerettet hat, nicht verlassen: Jetzt hat die Polizei auf Zypern Hunderte syrische Flüchtlinge gezwungen, von Bord zu gehen. Sie werden in einem Armeelager westlich von Nikosia untergebracht.

Nikosia - Die zyprische Polizei hat Hunderte Flüchtlinge aus Syrien gezwungen, das Kreuzfahrtschiff "Salamis Filoxenia" im Hafen von Limassol zu verlassen. Wie die Nachrichtenseite "Famagusta Gazette" meldet, sei nach Verhandlungen in der Nacht entschieden worden, die Flüchtlinge von Bord zu geleiten. Die Flüchtlinge waren am Donnerstag rund 50 Seemeilen südwestlich von Zypern bei starkem Seegang an Bord des zyprischen Schiffes genommen worden. Ihr Kutter hatte zuvor ein Notsignal gesendet

Passagiere des Dampfers, die Augenzeugen der Rettung geworden waren, berichteten von dramatischen Szenen. Das Flüchtlingsboot sei bei rauer See etwa 90 Kilometer südwestlich der Küstenstadt Paphos unterwegs gewesen und habe zu kentern gedroht. "Das Meer war schrecklich", sagte die Passagierin Chrystalla Eflatsoumis der Nachrichtenagentur AFP. Als das Schiff dem kleinen, überfüllten Flüchtlingsboot zur Hilfe kam, sah sie nach eigenen Angaben "viele schwangere Frauen und 20 Säuglinge" unter den Flüchtlingen. Ihr Ehemann Georgios Eflatsoumis sagte: "Wären wir nicht da gewesen, wären sie tot."

Nach der Ankunft in Limassol weigerte sich die Mehrheit der Flüchtlinge, an Land zu gehen. Nach Polizeiangaben verließen nur 65 Flüchtlinge das Schiff. Sie forderten, nach Italien gebracht zu werden, wie das staatliche zyprische Fernsehen am Freitag meldete.

Für die Behandlung der Syrer hielten sich in der Nacht zu Freitag im Hafen Ärzte, Krankenschwestern und Mitarbeiter des Roten Kreuzes bereit. Eine Passagierin des Kreuzfahrtschiffs berichtete, die Flüchtlinge seien nach eigenen Angaben von Syrien gestartet und drei Tage auf See gewesen. Der Kapitän habe das Flüchtlingsboot im Stich gelassen.

Die Flüchtlinge stammen nach Schätzungen der Behörden zumeist aus Syrien. Unter ihnen sind viele Familien und mehr als 50 Kinder. Die Flüchtlinge sollen in ein Flüchtlingslager westlich der Inselhauptstadt Nikosia gebracht werden.

Die Zahl der Flüchtlinge, die mit unsicheren Booten versuchen, von Afrika aus nach Europa zu gelangen, steigt. Durch die Konflikte im Nahen Osten sowie in Ost- und Zentralafrika kamen dabei in diesem Jahr nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) etwa 3000 Menschen ums Leben. Europa reagiert darauf mit Abschottung.

Durch die verzögerte Weiterfahrt des Kreuzfahrtschiffes drohten seinem Unternehmen Verluste in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro, sagte Unternehmenschef Vassiliou. Etwa 300 russische Urlauber, die mit der "Salamis Filoxenia" am Abend Richtung Israel hätten auslaufen sollen, wurden vorerst in Hotels in Limassol untergebracht.

  • Spanien-Marokko, Griechenland-Türkei, Ungarn-Serbien: Orte entlang dieser drei Grenzen zeigen, mit welch rabiaten Methoden sich Europa gegen Arme und Schutzsuchende abschottet. SPIEGEL-Reporter Maximilian Popp und Fotograf Carlos Spottorno reisten zu Schutzzäunen und in Auffanglager, sie begleiteten Patrouillen auf See und trafen Flüchtlinge, die alles riskieren für eine Zukunft in Europa.
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vek/dpa

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