Zypern-Streit Erdogan attackiert Merkel

Die Regierung in Ankara ist verärgert über Angela Merkels Kritik an den türkischen Zyprern. Der türkische Ministerpräsident Erdogan forderte jetzt eine Entschuldigung der Bundeskanzlerin - und attestierte ihr mangelndes Gespür.

Türkischer Regierungschef Erdogan: Scharfe Kritik an Merkel
AFP

Türkischer Regierungschef Erdogan: Scharfe Kritik an Merkel


Ankara - Das deutsch-türkische Verhältnis ist erneut empfindlich gestört. Auslöser ist jetzt die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an den türkischen Zyprern.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte am Freitag eine Entschuldigung Merkels. Die Kanzlerin würde mit ihren Äußerungen nicht den Eindruck einer "weitsichtigen und visionären" Regierungschefin erwecken, sagte Erdogan. "Wir erwarten eine Entschuldigung Merkels an die türkische Seite", die viele Opfer für eine Einigung auf der zwischen Türken und Griechen geteilten Mittelmeerinsel gebracht habe.

Eben dieses türkische Engagement hatte Merkel während ihres Besuchs in Zypern Anfang der Woche deutlich in Frage gestellt. Der türkische Norden tue zu wenig für die Wiedervereinigung, so Merkel. Stattdessen lobte sie die griechische Seite. Dem zyprischen Präsidenten Dimitris Christofias sagte sie: "Wir sehen, dass Sie viele Schritte unternommen haben und wir sehen, dass die türkische Seite nicht entsprechend reagiert."

Die Türkei solle wie vereinbart das Ankara-Protokoll umsetzen, lautete Merkels Mahnung. Das Protokoll weitet die Zollunion der Türkei mit der EU auf die 2004 beigetretenen Mitglieder - darunter Zypern - aus. Das war auch Voraussetzung für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei. Merkel steht einem möglichen EU-Beitritt der Türkei kritisch gegenüber.

Zypern ist seit der türkischen Besetzung des Nordteils im Jahr 1974 geteilt. Die Türkei erkennt Zypern nicht an. Die Vereinten Nationen haben im Januar neue Verhandlungen in Genf angesetzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass es zwischen den Regierungen in Ankara und Berlin zu Irritationen kommt. Anfang vergangenen Jahres hatte Merkel einen Vorschlag Erdogans nach türkischen Gymnasien in Deutschland abgelehnt: "Das führt aus meiner Sicht nicht weiter, denn grundsätzlich sollten türkischstämmige Kinder und Jugendliche bei uns in deutsche Schulen gehen", sagte Merkel. Erdogan reagierte damals sehr verärgert auf Merkels Position: "Warum dieser Hass gegen die Türkei?" Der türkische Ministerpräsident fügte hinzu: "Das hätte ich von der Bundeskanzlerin Merkel nicht erwartet. Ist die Türkei ein Prügelknabe?"

hen/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 357 Beiträge
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Seite 1
The Self 14.01.2011
1. Nein zum EU Beitrtt der Türkei
und nein zu einer wichtigen Rolle in der Welt (Globalplayer).
DesertEagle 14.01.2011
2. heuchler!
Warum vergessen die Medien immer wieder zu erwähnen, dass die EU ihr Versprechen das Handelsembargo gegen die TRNZ aufzuheben nicht eingehalten hat? Das ist es doch was die Türkei erwartet damit man die Ankara Protokolle umsetzt. Was ist so schwer daran? Und wieso wird das immer vertuscht? Erdogan hat doch Recht. Diese Doppelzüngigkeit muss ein Ende haben..
coitusveritatis 14.01.2011
3. Regierungschefin
Die Kanzlerin würde mit ihren Äußerungen nicht den Eindruck einer "weitsichtigen und visionären" Regierungschefin erwecken, sagte Erdogan. " Hahahaha, das merkt der jetzt erst ....
Akbatur 14.01.2011
4. ...
Eine Entschuldigung ist das mindeste. "Das" Merkel hat nicht nur die türkischen Zyprioten sondern die ganze Türkei und alle Türken weltweit beleidigt. Die Deutsche Regierung sollte nicht zu lange mit ihrer Entschuldigung warten, sonst - da bin ich mir ganz sicher - hat dies sehr schwere Konsequenzen für Deutschland. Die Deutschen können vielleicht mit anderen Völkern so arrogant umgehen aber bei den Türken werden sie damit keinen Erfolg haben. Vielleicht sollten die Türken den Deutschen mal bei bringen, was es bedeutet, Ehre und Stolz zu haben. Das kennen die Deutschen anscheinend nicht...
LeisureSuitLenny 14.01.2011
5. Es heisst Zyprioten
Und die Türkei darf sich von mir aus gerne weiter für die EU disqualifizieren. Auch wenn die EU nun wirklich weit weg von toll ist.
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